Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 50 (25.6.1903)
- Date
- 1903-06-25
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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25.AuniL99S/f lNr. 29, Zeitgemälde von I. I. Kraszewski in autorisirter Uebertragung Ein bedeutender Gelehrter, jener Zeit, Rabbi I s m a e l, beweinte den Tod eines geliebten Sohnes. Es war Sitte, daß die ganze Schule in solchen Fällen sich zu dem in Trauer Sitzenden begab, um seinen Schmerz zu theilen und ihm eine Ehre zu erweisen. Mit Andern zugleich kam auch Akiba zu ihm. Als er aber im Namen Aller den Vater anreden sollte, wollte er das Wort nicht ergreifen, damit es nicht scheine, als fordere er den Vorrang vor der Schule. Als später, nach dem Verluste seines eigenen Kindes, die ganze Schule zu ihm kam, sprach er in Demuth: „Ich will diese mir zugedachte Ehre annehmen, aber nicht, als ob Ihr sie mir erweiset, sondern der Religion, deren Lehrer ich bin! Je mehr der Mensch seiner Wissenschaft sich rühmt, desto verächtlicher macht er sich? Als einer der Lehrer sich allzusehr über einen in den Disputationen errungenen Sieg freute, sagte Akiba traurig zu ihm: „Du bist voller Freude — ich empfinde Schmerz über Deinen Sieg, da ich fühle. Du werdest für ihn büßen!" Man sagt, daß einst, als eine große Dürre lange Zeit in Palästina anhielt, Fasten und Gebete angeordnet wurden, um Regen zu erbitten. Kaum öffnete Akiba den Mund, so zeigten sich Wolken, und Regengüsse strömten auf die verschmachtende Erde. In..den schwierigsten Fällen wandte man sich wegen seines milden Charakters und seiner Seelenruhe an ihn, um zwischen Entzweiten Frieden zu stiften und Feinde zu versöhnen. Seine Worte brachten stets Ruhe Und Liebe mit sich. Der Kern seiner Lehre war: Der Mensch, der nach dem Bilde Gottes erschaffen ist, muß darin einen Sporn finden, daß er nach Vollkommenheit trachten kann. Seine Pflicht ist die Tugend, seine größte Würde das Lehren des Glaubens. Alles bestimmt die Vorsehung, der Mensch aber ist frei. Das' Gewissen bestraft den Sünder. Ein anderer Weise pflegte häufig die Worte zu wiederholen: „in Gott führt Alles zum Guten!" Besonders im Schmerz, in Furcht, in Schrecken und Drangsalen, tröstete er sich mit diesem Gedanken. Einst auf der Reise hatte er mit sich einen Esel und einen Hahn. Bei Nacht kam er in ein Dörfchen, um eine Herberge in den Häusern zu suchen. Man versagte ihm aber die Aufnahme. „Gott führt alles zum Guten!" sprach er und bereitete sich ein Nachtlager im dichten Walde, nachdem er ein Licht angezündet. Der Wind aber löschte ihm die Laterne aus. Er legte sich also nieder, wo er stand, und wiederholte nur das Eine: „Was Gott thut, das ist wohlgethan!" -