Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 50 (25.6.1903)
- Date
- 1903-06-25
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Recht interessant ist auch D. von Hase's Ansicht übr die Gottesoffenbarung. Er bezeichnet die Bibel als die Urkunde einer Offenbarung, „deren Gedanken und Wahrheiten nicht die Ergebnisse des Nachsinnens eines Einzelnen oder der Menschheit sind, sondern Eingebungen Gottes, entstanden aus der inneren Berührung einer Seele mit dem Urquell, aus dem sie stammt, als Geist vom Geiste Gottes, dann kann nur der sie leugnen, dem alle Erfahrung auf religiösem Gebiete fehlt, dem alle Mystik, die ein wesentliches Moment jeder Religion ist, Schwärmerei scheint." Seine Ansicht über das neue Testament können wir natürlich nicht theilen. Herr D. von Hase geht sodann auf die weiteren durch Delitzsch's Vorträgeveranlagten Broschüren näher ein und unterzieht zunächst Dr. Friedrich Giesebrecht's Schrift: „Friede für Babel und Bibel", einer Kritik, die zu dem Ergebnitz kommt, datz sich dies Merkchen durch „Sachlichkeit und Unbefangenheit" auszeichnet. Und was sagt Dr. Giesebrecht? Auch er meint u. a.: „datz der eigentliche Kern der mosaischen Religion auf Offenbarung beruht," und an einer anderen Stelle, „datz der Geist des Alten Testaments auf rein heidnische Stoffe stets wie Scheidewasser gewirkt habe, alles Unedle ausgeschieden und hinweggeläutert; umgekehrt ist von dem Edlen und Brauchbaren kein Gran verloren gegangen." Und endlich bemerkt er in Bezug auf den Sabbat, datz „wir die im Sabbat beschlossene Segensfülle wesentlich den Juden verdanken, auch wenn die babylonische Parallele vom Sabbat älter sein sollte." Im weiteren führt Herr D. von Hase das Schriftchen des Pfarrers der Lutherkirche zu Leipzig, Dr. Alfred Jeremias „Im Kampfe um Babe! und Bibel" an, dessen Ausführungen in dem Ausspruch: „Himmelhoch steht Israel in seiner Urgeschichte über Babel" gipfeln. Von den nächsten drei Autoren, die uns der Referent der „Schlesischen Zeitung" vorführt, nämlich Eduard König mit seinem „Babel und Bibel", sowie „Babylonisirungsversuche betreffs der Partriarchen und Könige Israels," Dr. Johannes Jeremias „Moses und Hammurabi", und Professor Dr. Oettli „Das Gesetz Hammurabi's und die Thora Israels", interessirt uns der Letztgenannte am meisten. Dieser spricht es unumwunden ans. daß sich in den Gesetzessammlungen der Thora ein anderer Geist, als im Codex Hammurabi emporringt, „ein wahrhaft humaner Geists der seinen Quellort in dem unvergleichlich reineren und sittlich fruchtbareren, religiösen Glauben Israels hatte.. Die höhere Werthung des Menschenlebens, die mildere Behandlung der Leibeigenschaft, und des Schuld- und Pfandrechts, der kräftigere Schutz der weiblichen Ehre, alle diese Gebiete scheinen in der Thora unter die Zucht und oberste Aufsicht des gerechten und gnädigen, des heiligen Gottes genommen und Seinem höchsten Willen unterstellt, den der babylonische Gesetzgeber nicht gekannt hat. In allen diesen Beziehungen und zumal in der durchaus religiösen Fundamentirung der Einzelforderungen hat eben in der Thora Israels der Geist gewaltet, der freilich nicht auf den Bau eines festgefügten, Völker bezwingenden Weltreiches, aber auf die Gründung einer Gottesherrschaft des Friedens und der Gerechtigkeit unter den Menschen hinarbeitet." Eine ähnliche Stellung nehmen die Herren Prof. Dr. Löhr in seinem in der Schlesischen Gesellschaft für vaterländische Kultur gehaltenen Vortrag über „Babel und die biblische Urgeschichte", und Professor Dr. Nickel (katholischer Professor der atttestamentlichen Wissenschaft an der Universität Breslau) in seinem Vortrag über „Babel und Bibel" ein. Zum Schlüsse kommt Herr Konsistorialrath D. von Hase auf I. V. Hilprecht's Schrift „Die Ausgrabungen im Bel-Tempel zu Nippur" zu sprechen, die er jedem, „der einen wirklich unbefangenen Einblick in das gewaltige Quellenmaterial gewinnen will," zu lesen empfiehlt. Hilprecht weiß sehr wohl den vielen Tausend Keilinschriften die Bedeutung zuzumessen, die ihnen gebührt, aber auch er vermag, wie er selbst zngibt, „Hilfsmittel für die Beseitigung des Offenbarungscharakters der atttestamentlichen Religion und des einzigartigen Wesens des Goties Israels" in ihnen nicht zu sehen. Und in gerechter Würdigung der Verdienste Israels um die Menschheit sagt Hilprecht zum Schlüsse: „Ein reiner Monotheismus und eine ganz eigenartige Prophetin, die Stimme des in Israel nie ganz schlummernden Volksgewissens, sind die gewaltige Kluft, die zwischen Israel und den Völkern der antiken Heidenwelt noch immer gähnend klafft. Wir suchen mit Recht das große Geheimnitz, welches das Volk des alten Bundes gleichsam aus dem historischen Zusammenhänge löst und zum Wunder unter den Nationen stempelt, mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln strenger Wissenschaft zu ergründen." __ Wir wollen hoffen, datz einst der Tag kommen wird, an dem die Völker, und vor allem jene großen Gelehrten, das „große Geheimniß" ergründen werden, das sie aber bisher auf falschen Pfaden suchten. „Der Weg zu dieser Erkenntniß und Wahrheit führt nicht über Babel," sagt Hilprecht. Sehr richtig! Aber er führt auch über keinen anderen Forschungsweg. als lediglich über das heilige, göttliche Gesetz, als über d i e Thora, die wir schon vor vielen Tausend Jahren gekannt! Wohl erkennt die Welt unser Bundesbüch, unsere Thora, bereits an. aber in ihrer Reinheit, in ihrer Einzigkeit haben sie dieselbe bisher noch nicht zu begreifen gewußt.. Das. was den Völkern und selbst den Gelehrten, die mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln mühsam das „große Geheimnitz" erforschen wollen, in Dunkel gehüllt erscheint, unS ist es längst klar, nämlich: „Was uns die Kraft und