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Der Israelit · 1903-06-25 · Heft 50 (25.6.1903) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 50 (25.6.1903)
Date
1903-06-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1099 Dem Theuren b-st war es gelungen, alle seine Kinder und Schwiegerkinder ganz in seinem Sinne erzogen und wirken zu sehen. Zwar habe er keine großen Reichthümer hinterlassen, er habe aber desto größere Reichthümer selbst mitgenommen!. Zum Schluffe rief Redner dem Verblichenen zu: *]*?! Denn man empfängt Dich im Jenseits mit den Worten ms umni fW? xw ’O new. Du hast Dein Wissen nicht nur im Kopfe gehabt. Du hast vielmehr auch im Sinne bv stets gehandelt und gewirkt ™ 'zhz n rmn: Lehre und Wirken bildeten bei Dir keine Gegensätze, sondern beide waren bei Dir in harmonischer Weise vereinigt." Namens der Familie widmete dann dem Verblichenen Herr Hoflieferant Josef Fromm warme Worte des Abschiedes: Dem frommen Dahingeschiedenen habe man soeben zugerufen ’ites qb dieser aber rufe uns, den Hinterbliebenen zu eites : d. h. wir sollen durch den Kampf und i m Kampfe um unsere heiligsten Güter dem Frieden zustreben, der uns nur durch Pflege von Thora und Jirah zutheil würde. Ihm selbst (Redner) stände zwar kein Urtheil über das eminente Wissen und die vorzüglichen Eigenschaften des theuren Verblichenen zu, aber er habe aus dem Munde seines unvergeßlichen Vaters, Rabbi Seligmann Fromm s. A., dessen sn'nv der pnat gewesen, vernommen, welch' hervorragender Gelehrte er war, welch' unendliches Wissen der Verstorbene besessen ° habe. Zum Schlüsse sprach noch als ältester Enkel Herr Isidor S l o b o tz k y herzliche Dankesworte für all die Lehren, die sein Großvater ihm und den anderen Enkelkindern ertheilt habe, und legte das.Gelöbniß ab, ganz im Sinne des theuren Verlebten zu leben und wirken zu wollen, nwm München, 21. Juni. Die Antisemiten haben bei der Hauptwahl zum Reichstag am 16. Juni im ganzen Reiche eine schwere Niederlage erlitten. Die deutschen Wähler wollen sich nicht mehr länger von dem „Sozialismus der Dummen" düpiren lassen. Durch jahrelanges, wüstes Hetzen hat es der Antisemitismus m der bayerischen Hauptstadt im ersten Wahlkreisauf ca. 1000 und im zweiten Wahlkreise auf ca. 1500 Stimmen gebracht. Obwohl dieses Ergebniß angesichts der mit Volldampf betriebenen Agitation im Antisemitenlager stark enttäuscht und tief verstimmt hat, will in eitler Selbstüberhebung Wenng sein Winkelblättchen „Das deutsche Tagblatt" vom 1. Oktober ab in ein Tagbläti größeren Stiles umwandeln. Mißgunst. Haß und Neid, welche die ganze antisemitische Bewegung in's Leben gerufen haben, offenbaren sich nun in schnödem Wettkampfe bei den „edlen?' Brüdern selbst. Die Lorbeeren, die Wenng-sich von der Vergrößerung seines Blattes erträumt, lassen den Redakteur der christlich-sozialen Zeitung, C. A. Kuhn, nicht ruhig mehr schlafen. Auch er will vom 1. Oktober ab sein bisher ein beschauliches Dasein fristendes Blättchen in ein Blatt umwandeln. „Welches der beiden christlich-sozialen Blätter dann in edlem Wettstreitedie Siegespalme davontragen wird, dürfte die Zu-, kunft lehren." schreibt in hochmüthigem Pathos der letztgenannte Redakteur in einem „Eingesandt" an die „M. N. N." vom 21. Juni selbst. Wird das ein edler Wettstreit im Schimpfen, Verleumden und Erregung der niederen Instinkte der menschlichen Natur werden! Beide Blättchen werden, wie schon viele solcher Preß- >. Unternehmungen, einige Zeitthatsächlich vegetiren und bald darauf elendiglich zu Grunde gehen. Der gesunde Sinn unseres Volkes verlangt denn doch eine bessere Kost. F. . R u ß l a n b. Petersburg, 19. Juni. Der „Petersb. Herold" schreibt: „Der Herausgeber und Redakteur der verkrachten Zeitung „Snamja", Herr Kruschewan, wurde gestern Nachmittag auf^dem Newski Prvspect das Opfer eines bewaffneten Ueberfalles. Auf der Polizeibrücke wurde er von einem anständig gekleideten jungen Manne angerempelt und durch einen Stich mit einem finnischen Messer am Halse verwundet. Der Attentäter versuchte davonzulaufen, wurde aber vom Gorodowoi (Polizisten) Mugin sestgenommen und aufs Polizeibnreau abgeführt. Wie die „Birshewyja Wedomosti" hören, wurde dem verletzten Herrn Kruschewan der Rath gegeben, sich in der nächsten Apotheke verbinden zu lassen, doch als er erfuhr, daß sie einem Hebräer gehört — quel horreur! zog er sich rasch zurück und ging zu Fuß in's Lokal der „Snamja" an der Gogol-Straße. Dort passirte ihm wieder das Pech, daß der erste hinzugerufene Arzt ein Hebräer war, und daher wies Herr Kruschewan mit seltener Ueberzeugungstreue, die einer besseren Sache fürwahr . würdig wäre — auch dessen Dienstleistung zurück. Dem zweiten Arzt, der auch Hebräer war. ging es ebenso. . Schließlich wurde ein Polizeiarzt geholt und aus der Maximilan-Heilanstalt wurde ein Chirurg requirirt. Der Attentäter erwies sich als Sohn eines Arztes, I Pinkus Sruliewitsch Daschewski, 24 Jahre alt, ein ehemaliger Student des Kiewer Polytechnikums. Er war nach Petersburg gekommen, um, wie es heißt, Rache zu nehmen für den antisemitischen Ton in der Ex-„Snamja". Bei ihm wurde ein geladener Revolvergesunden. vermischtes. Düsseldorf, 18. Juni. An Stelle des von hier scheidenden Rabbiners Herrn Dr. David, wurde von der hiesigen Synagogen-Gemeinde Herr Rabbiner Dr. H o ch f e i b aus Frankfurt a. d. O. berufen.

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