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Der Israelit · 1903-06-25 · Heft 50 (25.6.1903) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 50 (25.6.1903)
Date
1903-06-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
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vernommen habet, erweist sich als fruchtlos, da ich behaupte, daß die ganze Gemeinde aus diesem Grunde den Titel Heilige verdient, rveil in ihrem Herzen, in ihrem Innern der Gottesglaube wohnt, weil sie zur Fahne, auf welcher der Glaube an den Einzigen Gott mit strahlenden Lettern geschrieben ist, unverbrüchlich treu halten; doch nicht etwa, rveil sie die übrigen in der Thora enthaltenen NW befolgen, da ich diese ja keines-- Wegs als obligatorisch erachte, demgemäß sie zur Vervollkommnung der Seele nichts beitragen können. Treffend läßt nun der Midrasch den Korach sprechen: „Hättet Ihr die zrvci ersten Gebote, die auch mir heilig sind, allein gehört, dann hattet Ihr Vorzug verdient, dem ist doch aber nicht so, warum dünkt Ihr Euch nun höher, als ganz Israel?" Solches konnte Korach nur in Folge seines Verdachtes, daß Moscheh der Verfasser der Thora sei, aussprechen. Wir verstehen nun die Antwort des Midraschs aus die Frage scv r.c. Was verstand Moscheh? Was entnahm er der Rede Korachs, das ihn derart entmuthigte, daß er es nicht mehr wagte, für Israel Fürsprecher bei Gott zu sein? L"X ntric nrgpnsr Tcfsc wir werden daraus belehrt, daß ihn Korach und sein Anhang der Autorschaft der Thora, die von unseren Weisen als mx nrx betrachtet wird, verdächtigten. (Vergl. "b .-rat min nc*jxc xbx rsania x'pn hx Ttsrtss nenj.) Sachgemäß antwortete ihm nun Moscheh: „Morgen wird der Ewige kund thun, was von Ihm ist, ob die ganze Thora oder nur die zwei ersten Gebote, wie Du behauptest, und somit auch den Heiligen, der sich Ihm nähern soll; denn nur derjenige, welchen Gott erwählen wird, wird sich Ihm nähern dürfen, und dieser muß ja, im Falle die Thora von.Gott ist, Ahron sein, da er doch vorgibt, viele Gebote, die die Thora enthält, mit Ausschluß von ganz Israel, von Gott vernommen zu haben. Was hat Korach eigentlich in seinem ri'v'Npiv« bestärkt, da er doch gewiß ohne Gründe, die ihm triftig genug schienen, sich nicht der Gefahr ausgesetzt hätte, durch dasselbe seines Antheils an dem zukünftigen Leben verlustig zu werden, was doch die Göttlichkeit der Thora unbedingt zur Folge haben mußte? Schon viele Religionen sind seit der Zeit der göttlichen Offenbarung am Sinai gestiftet worden, und zumeist Religionen, die für Nächsten- und sogar Fcindesliebe, überhaupt für Gebote, die auch der menschliche .Verstand diktirt, mit Warme eintreten, um den Schein ' der Göttlichkeit auf sich zu laden. Entkleidet jedoch wird eine solche Religionslehre ihrer Scheingöttlichkeit, wenn in ihr ein Jrrthum oder sogar ein Widerspruch mit sich selbst nachgewiesen werden kann, da Irren nur bei Menschen und deren Werken anzunehmen ist, von einem göttlichen Werke jedoch Fehlerlosigkeit gefordert werden kann, ja gefordert werden muß. Mit Gewißheit kann ferner auch jene Religion als das Hirngespinnst eines nach dem Rtlhme der Unsterblichkeit strebenden Menschen bezeichnet werden, welche sich in die Sonne der Philosophie nicht wagte, da dies ein Zeichen dafür ist, daß sie im Bewußtsein ihrer Nichtigkeit in derselben zu zerfließen befürchtet. - - Nicht so unsere Thora, deren größter. Jünger/ einer der weisesten aller Menschen, laut Interpretation/ des großen Philosophen rvo:n jedem Iehudi zuruft: „Suche den Gott deines Vaters auf philosophischem Wege zu erkennen, damit du Ihm richtig dienst. Da ohne wahre Gotterkenntniß ein aufrichtiger Gottesdiener kaum denkbar ist, wenn auch König Salomon dies, nur mit'dem Vorbehalte thut, nur den von unseren Ahnen uns überlieferten Gott zu erkennen zu suchen, nicht sich aber die Gottheit auf eine eigene Art zu wählen, weil eben ein Forscher in diesem Sinne vom richtigen Wege leicht abirren kann. Es ist ein solcher Forscher einem tollkühnen Schiffer zu ver- . gleichen, der sich ohne Kompaß in die weite See hinauswagt, der es gewiß nur einem glücklichen Zufall zu danken hat, wenn er dennoch sein Ziel erreicht. In . diesem Sinne betet auch der fromme König zu Gott: "12p. „Ich bin ja Dein Knecht, ich diene Dir ja unterwürfig und nun ■pnnp nrwt) gib mir Verstand, da ich forschen will in den Zeugnissen, die für Dich und Deine Einzigkeit, die für Deine Thora und Deine Göttlichkeit sprechen." Es mag die Pflicht eines solchen Forschers von unseren Weisen in einer schwierigen Mischnah der Sprüche der Väter ausgesprochen sein: „Wo keine Weisheit, wo man nicht, durch Denken und Forschen von der Wahrheit der Thora überzeugt ist, da ist keine währe Gottesfurcht," da ein solcher, dessen rix-,' der Ueberzeugung bar ist, gegen die Verlockungen der weltlichen Genüsse nicht gehörig gefeit ist, hingegen aber, „wo reine Gottesfurcht, bei dem die Wahrheit der Thora nicht feststehende Thatsache ist, der die Beobachtung der Thora, von den Endergebnissen seiner Philosophie abhängig macht, da. wird auch die richtige Weisheit, welche die Wahrheit der Thora anerkennt, nicht gefunden werden, da ein solcher durch sein Forschen schwerlich das Nichtige finden wird. ' r‘ ’ Auch das andere Kennzeichen, welches einem Menschenwerke anhaftet, kann an der Thora nicht bemerkt werden, an dieser Thora, von der König Davidbegeistert ausruft: ncx n -eetro die Rechte des Ewigen sind wahr vnw sogar alle zusammengenommen ein Gebot, dem anderen gegenübergestellt. erweist sie sich als gerecht, kein Widerspruch oder Irrthum kann auch in ihr dann entdeckt werden, und es ändern an dieser Thatsache auch solche Gebote nicht, deren Ausübung nach. unserem Dafürhalten nicht nöthig scheint, so z. B. ein rsbrr» rta? ein ganz himmelblaufarbenes Kleid, welches dem Ausspruch der Thora zufolge -fr ,-jyyn ptaj. „Du sollst . dir

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