Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 49 (22.6.1903)
- Date
- 1903-06-22
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Natürlich wirkte er auf den König im Sinne der religiösen Toleranz und der Menschenliebe. Eines Tages, ich war eben von einem schweren Jnfluenzaanfall einigermaßen wieder hergestellt, ließ General Protitsch bei mir anfragen, ob 'ich ihn empfangen wolle. Ich antwortete gleich, daß ich es mir zur Ehre anrechnen werde, wenn es ihm gelegen käme, ihn zu besuchen. Er schickte darauf eine Hofequipage, mich abzuholen. Der König, sagte mir General Protitsch, habe den Wunsch, sich auch über das Judenthum belehren zu lassen. Ob und wann ich ihm darüber Auskunft geben wollte? Natürlich übernahm ich dies sofort, und die Unterhaltung dauerte über zwei Stunden. König Alexander wollte vor allein die jüdischen Feste und ihre Bedeutung kennen. Meine Aufklärungen gefielen ihm außerordentlich. General Protitsch sagte später zum ersten Regenten, Jowan Ristitsch, scherzend: „Na, wenn Sie nur bei der Unterredung zugegen gewesen wären— Sie hätten sich gleich mir für das Judenthum gewinnen lassen." Das praktische Resultat war auch, daß gesetzlich die Befreiung der jüdischen Soldaten vom Dienst während aller jüdischen Feiertage ausgesprochen wurde. Wo es nur anging, wurden die jüdischen Soldaten rituell gespeist. . Zum letzten Mal habe ich König Alexander im April 1893 gesprochen, als er, sechzehn Jahre alt. selbstständig die Regierung übernahm. Ich kam, um ihm Glück zu wünschen. Die Aufnahme war eine überaus freundliche, und die Aeußerungen, die er über Juden und Judenthum that, waren anerkennend und herzlich. In der That ist Serbien von der antisemitischen Seuche bis heute verschont geblieben. Der Verkehr zwischen Juden und Christen ist ein harmloser und herzlicher. Man findet es natürlich, daß Juden an christlichen Feierlichkeiten theilnehmen und umgekehrt. Jeder Versuch, das gute Einvernehmen zu stören, wird stets zurückgewiesen. Ohne mich hier über die politische Tragweite dieses erschütternden Ereignisses auszusprechen, will ich doch der nun ausgestorbenen Dynastie Obrenowitsch auch in der jüdischen Geschichte ein Blatt der Anerkennung und der Dankbarkeit widmen. München, 14. Juni. Ihre Kgl. Hoheit die Frau Prinzessin Maria de la Paz von Bayern, die Schwester '.es verstorbenen Königs Alfons von Spanien, haben gelegentlich einer Sitzung des Vereins zur Bekämpfung des internationalen Mädchenhandels den hiesigen Rabbiner Dr. Werner getroffen und ihm vor Beginn der Sitzung persönlich für die nothleidenden Juden in >rischinew eine namhafte Gabe eingehändigt; auch dero Gemahl/ Seine Kgl. Hohheit der Prinz Ludwig Fer- ' inand von Bayern, haben sich durch Behändigung 'iner namhaften Gabe an den Vorstand der hiesigen klultusgemeinde Justizrath Ofner an der Sammlung betheiligt. Ebenso haben verschiedene In hervorragen-' der Lebensstellung befindliche christliche Mitbürger in der theilnahmsvollsten Weise die Sammlung durch Zuwendung von namhaften Gaben unterstützt. Würzöurg. Bei dem in der Jetztzeit immer mehr sich ausbreitenden Jndifferentismus und der hierdurch leider täglich zunehmenden Entfremdung von dem wahren Judenthum ist es eine höchst erfreuliche Thatsache, konstatiren zu können, daß es immer noch Stätten gibt und daß immer noch mehr Stätten gegründet werden, in welchen sowohl echt jüdisch-religiöses Leben, als auch jüdische Wissenschaft eifrig gepflegt werden. Eine solche Stätte ist die im vergangenen Winter in Würzburg gegründete „Vereinigung zur Pflege jüdischer Lebensanschaunng 2"n °v.pa, die sich die Aufgabe gestellt hat, die Jugend sowohl, als auch das gereiftere Alter für das Thorasiudium zu gewinnen, diesem Studium durch jedwedes Lernen näher zu bringen und diese ihre Ideale schon größtentheils realisirt hat. So sind im Laufe eines halben Jahres in rria: (z. Zt. wird pm;a 'oo gelernt), in “p*ncn (für Anfänger), von Herrn Kantor Lehmann geleitet, in *p*ip fr&r -rarp und in rrax ’pna eingerichtet worden; erwähnenswerth hierbei ist, daß die Vorträge über die r.*cx *p-:2 von den Mitgliedern selbst abwechselnd gehalten werden. Die trrjrcr erfreuen sich eines sehr regen Zuspruches, wozu die Beliebtheit und anerkannte Gelehrsamkeit des Herrn Dr. M. L. Bamberger nicht wenig beitragen. Seit vergangenem i2'*02 n-?r ist nun das sehr segensreiche Wirken der Vereinigung in ein neues Stadium getreten, indem seitdem allsabbatlich Vormittags von 11 bis 12 Uhr Vorträge, homiletischen Inhalts, gehalten werden, wozu Herr Dr. M. L. Bamberger dem Vereine seine Kräfte zur Verfügung gestellt hat. Von überaus zahlreich erschienenem Publikum begrüßt, entwickelte der Redner am ersten Schabbos, ausgehend von dem Mischnahtext 2*>y irra *pn2 -2.? mx -pu: a'121 ntpSty '■:*! r.x Tp^"n ,casus ar.-itry «larn cx 712V und unter besonderer Bezugnahme auf die Worte '■»» ax iprrn nochmals das Programm des Vereins, dessen Hauvtbestreben darauf gerichtet ist. das Licht, das Feuer der Thora wieder neu zu beleben, bezw. in Brand zu erhalten. was dann zur richtigen Bestätigung wahrer jüdischer Lebensanschauung führt, die das Endziel der gegründeten Vereinigung bildet. Stürmischer Beifall folgte den sehr gehaltvollen Ausführungen des Herrn Redner, dem dann noch speziell vom zweiten Vorsitzenden Namens der Erschienenen gedankt wurde. Die Vereinigung mag sich zu diesem'ihrem neuen Erfolge beglückwünschen und rufen wir ihr, sowie insbesondere ihrem verdienstvollen Leiter, Herrn Dr. M. L. Bamberger, ein herzliches n:x 221 Vy 22*11 r6x zu!