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Der Israelit · 1903-06-22 · Heft 49 (22.6.1903) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 49 (22.6.1903)
Date
1903-06-22
Page
– (sequence 9)
Language
German
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44» $a$f s*Bfr ZettrmgsnachrichLerr ««- Csrresporrdeuzen Deuts chla ab. Berlin, 18. Juni. Herr Dr. S. Bernfeld, hier, der früher Landesrabbiner von Serbien gewesen, veröffentlicht im hiesigen „General-Anzeiger für die gesummten Jnieressen des Judenthums" „Persönliche Erinnerungen an die Könige Milan und Alexander," denen wir Folgendes entnehmen: Am 6. März 1887 bin ich zum erstenmal im Königlichen Konak gewesen, -um im Namen der serbischen Judenheit die besten GWkwunsche — es ist der Tag der Proklamirung Serbiens zum Königreich — entgegen zu bringen. Milan war überaus freundlich und versicherte mir in warmen Worten, daß er den Juden sehr wohlwolle. In seiner Jugend hatte er anfangs antisemitische Neigungen, von denen er sich jedoch gründlich lossagte. Als aber 1885 der bekannte, ungarische Antisemit Zerboni nach Belgrcür kam, um da zu agitiren, erfuhr dies der König auf privatem Wege. In einem Ministerrath zeigte er sich darüber ungehalten, daß man ihm davon keine Mittheilung gemacht hatte, und befahl entschieden, den wackeren Antisemiten über die Grenze zu bringen. Am 6. März 1888 wurde ich wieder von König Milan empfangen. „Das ist doch schön," bemerkte er scherzend zu mir, „daß Sie nicht davonlaufen, ich hoffe, daß es Ihnen bei uns gefallen wird." Ich war damals etwas leidend, was er mir ansah. Ein Minister erzählte mir später, der König habe es übel bemerkt, daß man mich so lange habe warten lassen, zumal ich noch am selben Tag zu predigen hatte. Er meinte, man hätte mich ganz gut gegen die Vorschriften des Zeremoniell vorlassen können. Am Tage, an dem er abdankte (6. Marz 1889), unterschrieb er noch ein Dekret, durch welches er mir einen hohen Orden, verlieh. Während seiner Regierung zeigte er oft Gerechtigkeitssinn für die Juden. Als im Jahre 1888 die neue Konstitution ausgearbeitet wurde, war es Zeit, die bürgerliche Gleichberechtigung der Juden, die bis dahin nur de facto bestand, auch de jure durchzusetzen. In die neue Verfassung sollte eine Bestimmung ausgenommen werden, durch die die Gleichberechtigung aller Bürger ausgesprochen wurde. Der König war Vorsitzender der Kommission, die mit der Ausarbeitung der neuen Verfassung betraut war. Einen mir befreundeten Minister bat ich, Milan daran zu erinnern, die Rechte der Juden gesetzlich festzustellen. Einige Tage darauf erzählte mir mein Gewährsmann, der König sei beinahe ungehalten darüber gewesen, daß man es; für nöthig gehalten, ihm solches in Erinnerung zu bringen. Eines Tages besuchte mich ein hochstehender Jude aus England; er war auf der Durchreise, mußte aber in Belgrad bleiben, weil er den Todestag seines Vaters durch den Synagogenbesuch begehen wollte. Mein Gast besuchte auch den König und erzählte ihm,> daß er von mir komme. Wollen Sie unserem Rabbiner und auch mir eine Freude machen," äußerte., darauf der König, „so beschenken Sie die Armen her. hiesigen Gemeinde." Bei der Proklamation Alexanders zum König' (6. März 1889) war ich neben allen Würdenträgern mit im Schloß anwesend. Meine offizielle Stellung war eine vom Staat anerkannte, zumal ich einen beträchtlichen Theil meines Gehalts vom Staate bezog. Eines Tages sollten die ersten sechs jüdischen Offiziere in der serbischen Armee feierlichst vereidet werden. Ich . hielt es für angebracht, diesen Eid persönlich abzunehmen, um auf die Bedeutung des Ereignisses besonders hinzuweisen. Als ich in das Lager kam — während des Sommers befindet sich die Garnison in Zelten , im Freien — wurde ich vom Kommandanten mit bischöflichen Ehren empfangen; das ganze Heer defilierte vor mir. Ich erzähle dies nicht etwa aus persönlicher Eitelkeit, da die Ehrenbezeugungen nicht mir, sondern meiner Stellung galten. Es geht daraus hervor, welche bürgerliche Stellung die Juden in Serbien einnehmen. Die Serben sind überhaupt ein durchaus tplerantes Volk. So oft ein jüdischer Leichenzug über die Straße zog. entblößten alle Vorübergehenden, Juden wie Christen, ehrfurchtsvoll das Haupt. Militärzüge pflegten stillzuhalten und das Gewehr zu präfentiren. Eines Tages kam nach Belgrad eine sog. Schaüspielertruppe, die das Judenthum durch rohe Späffe verhöhnte. Es genügte eine mündliche Rücksprache mit dem Polizeipräsekten, dies sofort zu verbieten. . ..Die einheimischen Serben fanden dies durchaus in . Ordnung. , * / : Auch König Alexander war von den toleranten Traditionen des Hauses Obrenowitsch beherrscht. Zur Zeit seiner Minderjährigkeit war General Protitsch zweiter Regent. Es war dies ein Mann, von edlen Prinzipien und großer Gerechtigkektsliebe. Sein Einfluß auf den jungen König war der möglichst, beste. Den Religionsunterricht, erhielt Alexander durch Monsignore Firmilian, damals Rektor des Priesterseminars in Belgrad, zur Zeit Metropolit in Uesküb. Ich wohnte in seinem Hause und wir-unterhielten., die , beste Nachbarschaft. Selten habe ich einen so toleranten^ mWen Geistlichen gesehen, wie meinen Freund Firmilian.

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