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Der Israelit · 1903-06-22 · Heft 49 (22.6.1903) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 49 (22.6.1903)
Date
1903-06-22
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Juden betroffen. Judah war gerade dabei. Eben | drehte sich Dina nach ihm herum, um ihn zu fragen, was er davon halte, aber sie brachte kein Wort über die Lippen. Entsetzt war Jehudah aufgesprungen. Das Blut stockte ihm in den Adern, geisterhaft glühten seine Augen, die Knie zitterten und mochten ihn nicht länger tragen. Er taumelte und schien zu sinken. Dina und Tirzah eilten voll Schrecken auf ihn zu. um ihn zu stützen, er aber raffte sich mit dem Aufgebot aller Kräfte empor, pürierte einige unverständliche . Worte und stürzte hinaus. Erstaunt blickten sie ihm nach. Was mochte er nur haben? Dina meinte, sie habe seit je gefunden, es sei im Kopfe des jungen Mannes nicht alles in/Ordnung. Vielleicht sei dies eine Folge der Mißhandlungen, denen er möglicherweise in seiner Jugend von seinen rohen Erziehern ausgesetzt gewesen. Aber Tirzah schüttelte das Haupt. Gedankenvoll blickte sie zum Fenster hinaus. Was mochte er nur haben? Was ging mit ihm vor? Sie sann und sann und fand dennoch nichts. Die wirren Gedanken, die ihr im Geiste herumflogen, ermüdeten sie. Allmählich sanken die Augenlider tiefer und tiefer herab, traumesschwer neigte sich ihr Kopf und sie entschlief.. Da schlich sich die alte Dienerin auf den Zehen leise zur Thüre hinaus und ging an ihre Arbeit. Tirzah aber schlummerte ungestört weiter. Schon war es spät am Nachmittag, da schlug sie die Augen auf. Beschämt sprang sie empor. Sie hatte. fast zwei Stunden geschlafen. Da fiel ihrem Blicke ein weißer Zettel auf, der da am Boden lag. Er mochte ihr wohl eben entfallen sein. Sie hob ihsi gleichgültig auf und wollte ihn achtlos in die Tasche stecken. Achtlos glitt sie darüber, als sie vlötzlich wie gebannt darauf starrte. Der Zettel kam von Jebudah. Während sie geschlafen, hatte er ihn wobl gebracht. In ungelenker, zitternder Schrift bat er sie darin, zur Dämmerungszeit im Garten ihn aufzusuchen. Anfangs sträubte sich ihr stolzer Sinn dagegen, dem seltsamen Wunsche zu willfahren. Aber da trat vor ihr Auge fein kummerverzerrtes Gesicht, das sie vor wenigen Stunden gesehen, tiefes Mitleid ergriff sie, auch sagte eine innere Stimme ihr, daß eine Erklärung seines sonderbaren Wesens bevorstehe, und so beschloß sie. zu kommen. In fieberhafter Aufregung verbrachte sie den Rest des Tages. Als es zu dunkeln anfing, da sagte sie der verwunderten Haushälterin, daß sie noch nothwendig einen späten Gang unternehmen müsse, schlug sich ein Tuch um die zarten Glieder und huschte zum Hause hinaus. Es war ein schöner Frühlingsabend. Nach einem warmen Tage war es wieder kühler geworden. Leise schauerte Tirzah vor der frischen Luft zusammen. Die neu aufblühenden Rosen im Garten strömten betäubenden Duft aus. Die höhen Bäume, die sich wie gewaltige Riesen der Vorzeit ausnahmen, rauschten geheimnißvoll, wenn ein leiser Wind durch ihre Wipfel wehte. (Fortsetzung folgt.) Wochen-Kslenber. Mittwoch, 24. Juni» 29. Silvan, pp 2"' Donnerstag. 25. Juni. 30. Siwan. n"Yi 'K nt» ■ Freitag, 26. Juni, 1. Thamus. n»Yl '2 m* Sabbat-Anfang in Mainz u. Frankfurt a. M. 8 Ubr 00 Min. Samstag, 27. Juni. 2. Thamus. .'2 'K p*UJ rfnp Sabbat-Ausgang in Mainz und in Frankfurt a. M. 9 Uhr 30 Min. — Berlin 9 Uhr 34 Mim — München 9 Uhr 08 Min. — Hannover 9 Uhr 45 Min. — Stuttgart 9 Uhr 23 Min. — Prag 9 Uhr 10 Min. — Straßburg 9 Uhr 30 Min. — Bosen 9 Uhr 22 Min. — Stettin 9 Uhr 40 Min. Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Sloaiug« und Donuerytags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. _ Dev Bnchhandrl verkehrt durch V. A Klein ackrv. Leipzig, Roßplatz jö. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Nonpareillezeile oder deren Raum. 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