Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 48 (18.6.1903)
- Date
- 1903-06-18
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
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1073 gleichung der haggadischen Zusätze bei dem einen und den anderen fest, daß Pf. Ion. die Fragmententargumin nicht benützt hat, daß vielmehr beide aus älteren Versionen des Targum Jeruschalmi geflossen und im- Laufe der Zeit durch Abschreiber geändert und durch Zusätze vermehrt worden sind. Die noch folgenden drei Kapitel sind der Darstellung des Verhältnisses unseres Targums zu Onkelos, zum masoretifchen Text sowie zur Halacha und Haggada gewidmet und gipfeln in dem Satze, der schon von Bacher ausgesprochen worden ist, daß Pseudo- Jonathan als das letzte Entwicklungsstadium des jerusalemischen Targum zu betrachten sei, das ersterem als Grundstock gedient, während Onkelos und mehr noch die spätere Haggada Aenderungen und Erweiterungen hervorgerufen habe. Die vorliegende sehr instruktive, tüchtige Arbeit, die sich dem Leser auch durch schonen Druck und gute Ausstattung empfiehlt, hat sich um die Targumlitteratur ein bleibendes Verdienst erworben. Dr. I. H o l z r r. Apologetik. Perlcs, Felix. „Bousset's Religion des Judenthums im neutestamentlichen Zeitalter, kritisch untersucht." 133 S. Mk. 2.50. Berlin. W. Peiser. 1903. Einen lehrreichen und interessanten Beitrag zur Geschichte der Unwissenheit in judaicis, wie sie nicht nur auf den Niederungen der halb und ganz Ungebildeten anzutreffen ist, sondern theilweise auch die stolzesten Vertreter der Wissenschaft und Bildung beherrscht, die staatlich patentirten Lehrer der Weisheit 'lind Gottesgelahrtheit, liefert die vorliegende Schrift. Sie zeigt, was s. Z. bereits Kaufmann und Berliner an ähnlichen Beispielen gezeigt haben, daß es heutzutage möglich ist, über das talmudische Judenthum große Werke zu schreiben, ohne auch nur eine Zeile in den Originalwerken lesen zu können, ja selbst ohne Kenntniß der wichtigsten Werke der einschlägigen neueren Litteratur. Wer in die Mysterien dieser Geheimwissenschaft und Zauberkunst tieferen Einblick gewinnen will, dem wird hier eine hochinteressante Lektüre geboten. Mit feiner Sezirkunst zerlegt Perles die einzelnen Theile des Baues, der von Bousset vor kurzem in einem 506 Seiten starken Buche unter obigem Titel aufgeführt worden ist. Er erbringt den Nachweis, daß Bousset jede Bedingung gefehlt hat, die ihn in den Stand hätte setzen können, sich über das Judenthum dieser Zeit ein richtiges Urtheil bilden, geschweige denn ein zutreffendes Bild von ihm entwerfen zu können. Er folgt ihm auf Schritt und Tritt, seine zahllosen, unglaublichen Fehler und Jrrthümer, seine grotesken Mißverständnisse und schreienden Lücken aufzeigend. Wir erfahren hier zu unserer Erheiterung, wie dem gelehrten «Historiker des Judenthums" unter der Hand die Entdeckung eines Midrasch Pesachim geglückt ist, weil er in seiner Vorlage M. Pesachim gefunden und die Abkürzung M. in recht genial-unwissender Weise statt durch Mischna, durch Midrasch aufgelöst hat. Nicht weniger * erheiternd dürfte auf jeden jüdischen Leser eine zweite Entdeckung Bousset's machen, wonach in der Synagoge jener Zeit die Sitte bestanden habe, allsabbatlich (?!) Almosen zu sammln. Doch mit der Aufdeckung und Bloßlegung der Fehlerquellen Bousset's ist das Verdienst Perles' nicht erschöpft, auch nicht mit der ansehnlichen Zahl trefflicher methodologischer und literarischer Bemerkungen, die er da und dort einstreut. Durch die zuverlässigen Literaturnachweise, die auf großer Belesenheit und gründlichem Studium der einschlägigen Werke beruhen, wird diese Schrift zu einer Art von Quellensammlung für die zahlreichen, hier erörterten Fragen der Glaubenslehre, der Ethik, des Kultus, des Ritus, des Rechts und der Site des Judenthums jener Zeit, und bietet somit in der That nicht nur eine Fülle von Belehrung, sondern auch Anregung zu weiterer Forschung. Vermißt haben wir auf S. 28 u. f. den Hinweis, auf die Schriften von M. Friedländer über das Judeiithum in der griechischen Welt, wo im strikten Gegensätze zu Bousset treffende Beweise erbracht werden für die hohe Achtung des Diaspora-Judenthums seitens der heidnischen Welt, wogegen die Schmäh«rtheile einzelner heidnischer Schriftsteller nur als Reaktiorl zu betrachten seien. Zu der auf S. 81 verzeichneten falschen Uebersetzung von Thora wäre auch Güdemann, das Judenthum etc., S. 68 ff., anzuführen. Die Wirkung dieser kritischen Untersuchung von Perles ist eine solche, daß Bousset, wenn er die «Wahrhaftigkeit" besäße, die er im Judenthum vermißt und nur im jungen Christenthum findet, sein dickleibiges Buch aus dem Buchhandel zurückziehen und einstampfen lassen'müßte. I. H. .Kaiser Wilhelm, Professor Delitzsch und die babilouische Verwirrung. Von Dr. Bernhard Fuchs. Wien, «Verlag der Sammlung moderner Kampfschriften." Babel und Bibel, Bibel und Babel — welch' ein Gebabbel.' Mag man noch mehr davon hören? Wenigstens wollen wir es als unsere Pflicht erkennen, uns kurz zu fassen! Wir stimmen damit dem Verfasser der vorliegenden Broschüre wohl am aufrichtigsten zu. Denn sie erweist mit einleuchtender Bestimmtheit die sachliche Nichtigkeit dieser ganzen Geschichte. Aber was fachlich nichtig war, ist immerhin historisch merkwürdig geworden. Das Eingreifen einer Persönlichkeit, die in der wenig beneidenswerthen Lage sich befindet, daß