Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 48 (18.6.1903)
- Date
- 1903-06-18
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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selbst auf den geringsten und schwankendsten ihrer Schritte gleich das volle Licht der Geschichte fällt, hat die Angelegenheit dazu gemacht. Kaiser Wilhelm hat gesprochen — und Europa hat sich aufgeregt. Europa hatte ja, da in Kischinew noch Alles' ruhig war und Alexander von Serbien noch lebte, offenbar nichts Befferes und Wichtigeres zu thun! Auch der Verfasser der vorliegenden Schrift ist von dieser europäischen Krankheit mitergriffen worden. Aber zu klug und zu geschmackvoll, um sich zu ärgern, zu fürchten oder — zu bekehren, spült er den empfangenen Nervenchoc mit einem herzhaften und ziemlich respectvollen Gelächter hinunter. Nur lacht er zu grimmig, zu bissig, mit gar zu viel'jugendlichem Gefühl der kulturellen Ueberlegenheit! Mit mehr gereifter Bedächtigkeit hätte er hier vielleicht noch weit mehr eindringliche Gefährlichkeit entwickeln können. Indessen dieser Ueberschwang von spöttisch erregter Jugend hat für, den uninteressirten Beobachter — und das sollten wir nach Möglichkeit Alle sein — doch wieder seinen besonderen Reiz. Man kann beispielsweise vom Inhalte dieser Broschüre völlig absehen, man kann sie lediglich ihrer schriftstellerischen Form nach als Talentprobe betrachten, und da muss man sagen: Dieser Dr. Bernhard Fuchs kann schreiben! Er schreibt behend, lustig, witzig, temperamentvoll, er weiß für seine Sache zu interessiren — kurz, man liest ihn! Und da mag Einer schreiben, was er will: daß er gelesen werde, bleibt für einen Schriftsteller allemal die Hauptsache. N. Fr. Pr. <5ontra Delitzsch, von Dr. Meyer Seligmann. 1. Heft mit einem Brief des Herrn Prof. Friedrich Delitzsch an den Verfasser. Frankfurt a. M. Ver- - lag von I. Kauffmann. 1903. S. 39. (Zweite .Auflage.) ...... Se. Königliche Hoheit Prinz Ludwig von Bayern, welchem die Broschüre „Contra Delitzsch", die Babelhypothesen widerlegt", in Vorlage gebracht wurde, ließ dem Verfasser dieser Schrift, Herrn Distrikts-Rabbiner Dr. S. Me yer in Regensburg seinen besten Dank aussprechen. Auch von in- und ausländischen Gelehrten erhielt Herr Dr. Meyer Anerkennungs- und Zustimmungsschreiben. Ein hoher kirchlicher Würdenträger schreibt über das Werk Dr. Meyer's in der wissenschaftlichen Beilage Nr. 23 der „Augsburger Postzeitung" vom 10. Mai 1903 folgendes: Diese Schrift ließ der Rabbiner von Regensburg, der als gewiegter Talmudkenner anerkannte Dr. S. Meyer jüngst an's Licht treten, wie es scheint als Anfangsglied einer je nach Umständen noch weiter zu spinnenden Kontroverse mit Friedrich Delitzsch, dem Sohne des verewigten Theologieprofessors Franz Delitzsch. Schon der von dem gefeierten Assyriologen an den Verfasser gerichtete Brief läßt wohl erkennen, daß derselbe seinen Gegner keineswegs unterschätz t. In der That kann das angezeigte Schriftchen unter der nicht unbeträchtlichen Zahl von Entgegnungen, welche die in Gegenwart des Kaisers zu Berlin gehaltenen Vorträge hervorriefen, seinen Platz behaupten. Auch ist es erfreulich, nachdem gerade die reformjüdische Presse sz. B. Frankfurter Zeitung" und „Berliner Tagblatt) über alles Maß leidenschaftliche Angriffe wider das Christenthum richtet, hier einem Bekenner des gläubigen Mosaismus als Bundesgenossen zu begegnen. Von kleinen Irrungen abgesehen, wie dem kaum so allgemein berechtigten Vorwurf, daß die christlichen Forscher fast nie die Erklärungen jüdischer Autoren berücksichtigen, wird man der hier bekundeten Faßlichkeit und Orientirungsgabe die Anerkennung nicht versagen dürfen. Bei dem innigen Zusammenhang zwischen altem und neuem Testament muß die Vcrtheidigung des ersteren ja wohl auch dem Christen eine Herzensangelegenheit sein; denn gewiß gilt auch hier das klassische Diktum: ,,Xam tun res rrxitur. prrries enm proximus ardet.'£ Auch in ausländischen Blättern, wie z. B. dem „Egyenlöseg" in Budapest, wurde die Schrift sehr günstig rezensirt. Ihr großer Vorzug ist. daß sie die Sache so darstellt, daß sie jeder Laie verstehen kann. Die Verlagshandlung von I. Kauffmann in Frankfurt a. M. hat sich durch den Verlag dieser Schrift ein großes Verdienst um das Judenthum erworben. Sie ist um den Preis von 1 Mk. von dieser und allen Buchhandlungen zu beziehen. Sollen wir unsere Knäblein beschneiden? Von Dr. S. N. Kutna, Przemysl 1903. ~ ' Der Verfasser, der eine sehr fleißige Arbeit geliefert, hat in der Vorrede die löblichsten Absichten offenbart. Er wollte den Nachweis erbringen, daß' die Beschneidung religionsgesetzlich und hygienisch gleich wichtig ist. Letzteres resultirt unbestritten aus seinen Ausführungen. Ueber die religionsgesetzlichen Seiten führt er alle nur bekannten absurden Behauptungen auf und sein Standpunkt neigt mehr jener Seite zu. die für uns nicht maßgebend sein kann Und nicht ist. Immerhin verdient die Schrift von den zuständigen Fachleuten einige Würdigung. Profair-Liiteralur. Wandersport. Praktisches und hygienisches Vademekum für Wanderer und Radfahrer, von Dr. med. Claus H a r l o w. 74 S. Berlin S. W 11 1903. Vogel LKreienbrink. Gerade zur rechten Zeit erscheint dieses Büchlein. JÜ doch jetzt die Saison der Wanderungen zu Fuß, der größeren Ausflüge zu Rad. Was solche kleine Unternehmungen oft zu einer Qual machen kann, das