Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 48 (18.6.1903)
- Date
- 1903-06-18
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Stargard. Königsberg. Hannover, Frankfurt a. M. und Grätz. Weitere Stiftungen gingen ein, darunter eine bedeutende, deren Zinsertrag es ermöglichte, dem Heim auch eine Stätte für zeitweise Erholung aktiver Lehrerinnen anzugliedern. Und kaum zwei Jahre nach der Eröffnung des israelitischen Lehrerinnenheim stiftete Herr Max Wygodzinski in Berlin die Summe von Mk. 100,000 zum Bau eines eigenen Hauses, das, sofort in Angriff genommen, sich jetzt in Lichterfelde erhebt^ stattlich von außen, hell, luftig und von vornehmem Comfort innen. Zwölf Veteraninnen der Kultur und Bildung sind hier durch die opferfreudige Herzensgute edelster Mitmenschen für den Lebensrest in unvergleichlicher Weise versorgt worden! Doch, so groß diese Thatsache auch für die kurze Zeit des Bestehens ist. es sind, doch nur zwölf! Denn wie viele Würdige mögen wohl noch dieser Beglückung entgegenharren! _ Möchte doch die gute Sache,' die in schlichten Nothwendiakeit für sich selbst spricht, dem /me recht viele Gönner und Helfer gewinnen. Möchten die Glaubensgenossen ganz Deutschlands solidarisch einstehen für die Erfüllung der Ehrenpflicht gegen die alten Lehrerinnen, und es dem Vereine bald ermöglichen, alle vorbereiteten Räume des großen Hauses mit Pfleglingen zu besetzen, damit dieses Haus auch in weitestem Umfange werde, was seine Schöpfer ersehnen: Das I s r. Lehrerinnen heim fü Ja n z Deutschland. München, 15. Juni. Dieser Tage wurde im isr. Friedhofe Baron Jonas v. Hirsch auf Gereuth, ein Vetter und Schwager des sel. Philanthropen in Paris, beerdigt. Zur Erweisung der letzten Ehre hatte sich eine nicht sehr große, aber vornehme Trauergesellschaft eingefunden. Unter anderen waren mit den Mitgliedern der Familie von Hirsch auf Gereuth zugegen der persönliche Adjutant und Hofmarschall des Prinzen Leopold Oberst Freiherr v. Perfall, Staatsrath von Berr, mehrere Offiziere, darunter General v. Sauer. Polizeidirektor Halber, Generalkonsul v. Wilmersdörffer und die Direktoren und Aufsichtsräthe der bayerischen Vereinsbank. Rabbiner Dr. Werner führte in der tief empfundenen Gedächtnitzrede aus. daß der Verstorbene, dessen Leben von der Sonne des Glückes beschienen war. mit einer lauteren Ehrenhaftigkeit des Charakters einen bescheidenen) schlichten Sinn und ein gefühlvolles Herz für die Armen und Nothleidenden verband. Er wies keinen Bedürftigen von sich, und er gab ohne Unterschied des Glaubens und der Abstammung und stets in dezenter Weise. Sein Andenken bleibt in der Erinnerung der Seinen, der Freunde und aller, die ihn kannten. Unter anderen hatten Herzog Karl Theodor. Gräfin Marogna, Aufsichtsräthe und Direktion der Bayerischen Vereinsbank und die Gesellschaft „Hoch England" Kranzspenden am Grcche niederlegen lassen. - Aus Thüringen. Herr Lehrer Eisenberger hat unternommen, in dem reizenden Ilmenau ein strengrituelles Pensionat zu errichten. Bad Ilmenau ist ein idyllischer Sommeraufenthalt, der durch die dort bestehenden Kaltwasserheilanstalt die Aufmerksamkeit der Aerzte schon lange auf sich gelenkt hat. Wer auch nur einmal in Ilmenau war, der wird wissen, was es heißt, sich einen längeren Kuraufenthalt in diesem herrlichen Bade versagen zu.müssen. Die meilenweiten prachtvollen Waldungen und die ozonhaltige Höhenluft veranlassen uns schon, Ilmenau.vielen anderen Bädern vorzuziehen; überdies ist Ilmenau mit Naturschönheiten in üppiger Fülle bedacht. Umso höher ist es zu schätzen, daß Herr Eisenberger in Ilmenau für eine koschere Pension Sorge getragen hat. und obgleich die Einrichtung eine komfortable und die Küche eine vorzügliche ist. sind die Preise so mäßig gehalten, daß ein mehrwöchentlicher Erholungsaufenthalt daselbst nur mit wenig Kosten verknüpft ist. Rußland. Petersburg. (Neue Maßregeln gegen die russischen Juden.) In Petersburg tagt bekanntlich seit geraumer Zeit eine vom Czar eingesetzte Kommission zur Ausarbeitung von Maßnahmen zur Beschränkung der Rechte der Juden, Immobilien im Reiche erwerben zu dürfen. Die „Welt" ist in der Lage, aus dem Protokolle der Kommission über die in den Kommissionssitzungen gepflogenen Berathungen die nachstehenden Auszüge machen zu können, welche die Lage unserer Volksgenossen grell beleuchten. Hervorgerufen durch die Berichte der Gouverneure von Smolensk, Pskow und Nowgorod an den Czar, in denen die Juden in unverzeihlicher Weise angeschwärzt wurden, trug sich die vom Czar eingesetzte Kommission mit dem Plane, den Juden das Recht auf Erwerb von Immobilien km Reiche vöNg zu entziehen, diesem Verbote aber auch rückwirkende Kraft zu verleihen. Die Berathwngen der Kommissionen nahmen folgenden Verlauf: Finanzminister Witte sagte unter anderem folgendes: „Die unserer Verathung vorliegende neue Gesetzvorlage, welche anstrebt, die ganze Thäiigkeit der Juden, welche die Landwirthschaft berührt , äußerst tief und allseitig zu umfassen, ruft durch ihre unklare Redaktion Zweifel hervor. Eine genaue Grenze zwischen den den Juden erlaubten und verbotenen Beschäftigungen hat die Gesetzvorlage nicht geführt. Die den Juden auserlegte Nothwendigkeit, Kauf und Pachtung von Immobilien außerhalb den Städten erst nach eingeholter Erlaubniß der administrativen Gewalt vollziehen zu dürfen, bringt die Verwirklichung der Bürgerrechte in Abhängigkeit von dem Gutdünken einzelner Gouver-