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Der Israelit · 1903-06-18 · Heft 48 (18.6.1903) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 48 (18.6.1903)
Date
1903-06-18
Page
– (sequence 9)
Language
German
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«*’ sayrgmrz. rim Plattst in Nkin-dsktzzezkii öir lnsßslhtn Atneltzatkn. <In Carnegie Hall protestiren Cx-Präsident Cleveland.Mayor Low, Carl SchürzUd andere - hervorragende Männer.) New York, im Juni. Selten war Carnegie Hall so stark besucht, als am Abend des 27. v. Mts. gelegentlich der Versammlung, in welcher es sich für die Newyorker darum handelte, ihrer Entrüstung über die vor Kurzem in Kischinew begangenen Greuel Ausdruck zu verleihen und Protest cinzulegen gegen eine etwaige Wiederholung derartiger Ereignisse. Zweifellos hatte aber auch die Ankündigung, daß Ex-Präsident Grover Cleveland persönlich anwesend sein und eine Rede halten würde, wesentlich dazu beigetragen, daß die Menschen zu Tausenden herbeigeströmt tvaren, daß nicht nur jeder Sitz, sondern der kleinste Winkel eingenommen war. Der Aufruf zu der Versammlung, der an alle Bürger ohne Unterschied des Glaubens gerichtet war. war ebenfalls von Männern aller Konfessionen unterzeichnet. - Als Redner standen außer Ex-Präsident Cleveland die Herren Mayor Low, Präsident Jacob Gould Schurman von der Cornell Universität, Rev. Dr. Robert, S. Max-Arthur und Edward M. Shepard auf dem Programm. Unter begeistertem Beifall stellte Herr Paul Cravath Mayor Low als Vorsitzender der Versammlung vor. Der Bürgermeister hielt folgende Ansprache: „Vor etwa 250 Jahren, thatsächlich in dem Jahre, nachdem New-Amsterdam eine Stadt geworden, fanden etliche spanische und portugiesische Israeliten ihren Weg nach hier und wurden willkommen geheißen. Seit jenem Tage bis auf den heutigen haben sich die Israeliten in Newyork zu Hause gefühlt und heute hat diese Stadt wahrscheinlich mehr Israeliten aufzuweisen, als irgend eine Stadt der Welt. Dieser Umstand berechtigt uns, aus eigener Erfahrung zwei Dinge zu sagen: Erstens, daß der Jude ein ruhiger, ordentlicher und fleißiger Bürger ist, und zweitens, daß er. wenn er mit Güte anstatt mit Grausamkeit behandelt wird, eine Nation stärkt, aber nicht schwächt. Auch berechtigt es die Bürger Newyorks. gegen solche Greuel, wie sie in Kischinew verübt wurden, heftig zu protestiren. Es ist bemerkenswerth. daß diese Protestkundgebung in Newyork auf der Ostseite begann. Bevor noch die Presse viel Aufhebens über die Massacres in Kischinew gemacht, hatten unsere Mitbürger israelit. Abstammung, von welchen viele aus Erfahrung wfssen, was ein russischer Riot ist. angefangen, einen Fonds zu sammeln für die Unterstützung der Nothleidenden, und gegen die Schreckensthaten zu protestiren. Vor nahezu drei Wochen hielt ich in der Vowery eine Ansprache, in welcher ich meiner israelitischen Zuhörerschaft sagte, daß ihre Mitbürger ohne Unterschied der Konfession diese Greuel verdammen, und daß wir sie, weil sie prompte Maßnahmen ergriffen, um das Elend. ihrer Freunde zu lindern, achten. Aber hier kann ich sagen, was ich dort nicht sagte — denn dies ist ein Auditorium von Christen — daß wir es im Namen unserer Religion beklagen, daß solch' ein Schandfleck auf uns geworfen werden sollte. Rußland ist den Vereinigt. Staaten gegenüber eine freundliche Macht, und cs gibt besondere Gründe dafür, weßhalb wir Amerikaner ihr freundlich gesinnt sind, aber, aus diesem Grunde sollten!vir jetzt nicht stillschweigen. Nein, weil wir wünschen, daß die beiden Nationen fortfahren, Freunde zu bleiben, wollen wir Rußland lieber bitten, mit denen, welche diese schmachvollen Vorgänge verschuldeten, so zu verfahren, daß es unmöglich ist. daß solche Dinae in seinen Grenzen wieder Vorkommen. Wir ersuchen Rußland, seinen jüdischen Untertbanen mehr Freiheit zu geben, denn wir dürfen wohl sagen, daß in der Freiheit, nicht aber in der Beschränkung von Privilegien, hier in Newyork ein Heilmittel fiir solche Unruhen gefunden ward, die vor Kurzem in Rußland borkamcn und die Welt in Schrecken versetzten. Was Newvork vor '250 Jahren that, kann Rußland auch thun, wenn es will. Möge Gott ihm eingeben, es zu thun." Während Mayor Low sprach, war die bekannte Figur von Ex-Präsident Cleveland auf der Plattform ausgeiaucht, und sofort erhob sich das Publikum, um dem illustren Gast zuzujubeln und ihm eine augenscheinlich von Herzen kommende Ovation zu bereiten. Mayor Low und Edward M. Shepard begrüßten Herrn Eleveland durch einen kräftigen Händedruck. William H. B a l d w i n jr. verlas ein Schreiben von Herrn Carl Schyrz aus Bolton Landing, Lake George, in welchem dieser sein Bedauern darüber ausdrückte, daß er der Versammlung nicht beiwohnen konnte. Es sollte nicht vergessen werden, daß die Greuel in Kischinew. während sie in ihrer Grausamkeit über Alles hinausragten, nur eine der natürlichen Folgen einer weitverbreiteten Bewegung seien.

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