Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 48 (18.6.1903)
- Date
- 1903-06-18
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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kamen Pöbel. Und war damit Zeit gewannen, ss mochte die WuLH des Pöbels sich aö kühlen und schließlich vor der ernsten Gefahr verrauschen. David ben Sebulon trat unter die kode-bereite Gemeinde von Dort, die führerlos verwaist war. Fremd klangen anfangs die Wvrte. die er zu seinen Brüdern sprach. Verwundert schauten die leidengeirubten Augen zu dem kräftigen Mann auf. der so feurig und so stolz mit ihnen redeie. O. was er sagte, dawar ihnen neu, das hatten sie noch nie gehört. Die Juden seien ein Volk wie jedes andere. Sie hatten ihre eigene Geschichte. Sprache. Art und Sitte. Niemals hatten sie aufgehöri, ein Volk zu sein, nicht nur in religiöser Beziehung. Wenn dem aber so sei. warum seien sie -dann das unglücklichste, elendeste, leidvollsie aller Völker? Warum bedecke sie Schmach und Schande, wie sonst keineauf der Erde? Weil es der Herr ihnen so geschickt, glaubten sie wohl. Aber schickt nicht der Herr auch Hungersnoth, und sie kämpften doch um's Vrod!? Schickt nicht der Herr auch Krankheit dem Körper und sie holten doch den Arzt zur Heilung und zur Genesung. Und gibt es nun eine größere Krankheit, als dagrause, grause Unglück als Spott und Hohn und Verachtung, als Qual und Marter und Tod? Und weil der Herr es geschickt, deßhalb müßten sie's ruhig dulden? Als ob nicht jedes Unglück vom Herrn käme, wider das zu kämpfen Gebot sei. Und das Goluß selbst sei ja zum größten Theil durch die unheilvolle Ergebung veranlaßt. Als der Pöbel sah. daß wenn man dem Juden das Gesicht beschmutzt, er's ruhig aöwischt mit dem Tuche, als die Ritter gewahrten, daß die Juden es nimmer wagten, das Schwert in die Hand zu nehmen, da fanden die Mönche Glauben, daß es ein verstoßenes, verfluchtes Volk sei, denn stchtbarlich ruhte ja der Fluch auf ihnen, der Fluch und die Verstoßung. In Wirklichkeit aber seien sie doch nicht schlechter, als alle übrigen Völker. Sie hätten doch auch den Arm zum Schwünge des Schwertes, und das Roß zum Ritt und den Schild zur Wehr. Warum nun beteten sie Tag und Nacht und vergaßen jeglicher Abwehr? Warum nun warteten sie des Feindes, um's Leben .zu lassen dem Pöbel? Auf zum Kampf, noch ist es Zeit, noch gibt es Hoffnung zu siegen. Warum soll denn ihr herrliches Volk verschwinden vom Angesichte der Erde? Nur das Schwert vermag gegen das Schwert au^utommen. Wer aber sich selbst nicht hilft, dem wird auch nicht geholfen. Also redete David ben Sebulon und gar seltsam klangen die Worte. Anfangs verstanden sie ihn gar nicht und Haöakuk hielt ihn für besessen. Aber allmählich stieg sein Ansehen immer höher in der führerlosen Gemeinde. Er wandte sich zunächst an die zahlreichen Jünglinge der Gemeinde. Diese betrachteten ihn mit ehrfurchtsvoller Scheu, denn das Unglück hatte ihn geheiligt. In ihr offenes Herz fanden seine zündenden Worte langsam Eingang. Ihnen schwoll die Brust von Stolz, wenn sie ihn voll Feuer von der ruhmreichen Vergangenheit der Juden reden hörten. Und wenn er gar voll inniger Klage seine brennende Sehnsucht noch Jerusalem, der fernen Trümmerstätte, zeigte, da waren es gar verwandte Töne, die er ihnen anschlug. Das war ja dasselbe Leid, das auch ihnen im Herzen zitterte. dasselbe Weh. das sie seit je schon empfunden. Bald schien er ihnen wie ein höheres Wesen, dos von der Ferne ihnen gesandt war, um eine neue Botschaft des Heiles ihnen zu künden. Voll Bewunderung schauten sie ihn. den Mann echt orientalisch-jüdischer Schönheit, dem das herbe Unglück diaHraft nicht hatte rauben können, der so weichen Herzens sein armes Weib noch liebte und. betrauerte, jetzt sein süßes Kind, in Wehmuth zerfließend, an sich preßte, dann, die tollste Leidenschaft im Blicke, ihnen von seiner Rache erzählte, die er mit eigener Hand am mächtigen Ritter genommen. Dämonisch suhlten sie sich bald hingezogen zu dem seltsamen Manne, der seit den Tagen Var Kochbas so nicht mehr erschienen war. (Fortsetz, folgt.) Der „Israelis erscheint wöchentlich zweimal, Montags nnd Donnerstags, jedesmal ia mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend hoher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel verkehr! durch V. 5- Skrinackev, Leipzig, Rotzxlah )S. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Nonpareillezelle oder deren Raum. Preis der Zelle im Reclamethell 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen österr.. für's Ausland 16 Mark, an die Expedition franco emsenden. Postzeitungsliste 395L Telephon 1015. 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