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Der Israelit · 1903-06-18 · Heft 48 (18.6.1903) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 48 (18.6.1903)
Date
1903-06-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
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und das sollte ein Denkmal sein sür sein armes, todtes Weib. Schon war es höchste Zeit, zu handeln und zu schaffen. Er sah das Unglück heranbrausen von allen vier Enden der Welt; er sah sein armes Volk gehetzt, gerauft und gemartert, wohin er den Blick auch nur wandte. Seinem friedlosen Geiste war es nicht klar, warum all' das Leid seine ehedem so stolzen Juden nun traf. Es ergriff ihn die Angst, es könne die letzte Stunde für das Volk der Juden geschlagen haben, dieses Volk, das älteste, ruhmvollste, herrlichste aller Völker der Erde, könnte plötzlich schwinden von der Bildfläche der Geschichte, und nur ein breiter Blutstrom die Orte bezeichnen, wo weiland es gesessen. Diese Angst ergriff ihn und er blickte sich um nach seinen unglücklichen Brüdern. Was thaten sie, die entsetzliche Gefahr abzuwenden? Was brachten sie mit, um die Wagschale des Geschickes zu ihren Gunsten zu entscheiden, nun, da der verh'ängnißvolle Moment der gewaltigen Krists gekommen? Ergebung! Ergebung! Nichts als Ergebung! Es war das gemeinsame Schicksal, das ihn an sie kettete und es war die heiße, glühende Sehnsucht nach Jerufchalajim, der öden Stätte, die er mit ihnen theilte. Jerusalem! Jerusalem! Wie schlug sein Herz beim Klange dieses theuren Wortes, wie ward sein Herz so weich, dachte er all der Herrlichkeit, all des Ruhmes, all des Glanzes, all der Freiheit, all des Glückes, dessen Inbegriff Jerusalem. Ja, einst war sein Volk groß und mächtig. Gewaltige Könige hatte es, die weithin herrschten mit glänzendem, ruhmreichen Szepter. Und wie fruchtbar war das Land, wie blühte es in üppiger Pracht, wie floß es über von Milch und Honig, wie war es so sichtbar gesegnet vor allen Ländern der Erde. Und in diesem herrlichen Lande lebte ein zahlreiches, freies Volk, an sozialer Gesittung alle Nationen weit übertreffend, wohlhabend, angesehen, geistreich, voll Poesie, sich freuend seiner Feste, sich sonnend in dem Glanze, froh und heiter wie sonst keines in der Welt. Wo war nun die Pracht? Wo war der Glanz, die Macht und Herrlichkeit? Dies Land, was war es geworden? Dies Volk, wie war es gesunken! Er trauern die Wege des Landes, nimmer beschritten vom festesfrohen Wanderer, es versagt der Boden die Fruchtbarkeit, denn er härmt sich nach seinem Volke, es starren die Städte in trostloser Oede. in jammervoller Verwüstung und mehr als alle — Jerusalem, die stolze Fürstin der Erde. Und das Volk! O, was war aus dem Volke geworden! Wie waren sie zu Bettlern gesunken, die stolzen, stolzen Juden, zu Parias der Menschheit! Könige verschacherten sie. Fürsten verjagten sie. Ritter schändeten sie. Bürger weideten sie. Gewöhnliches Raubgesindel mordete, beraubte, quälte sie. Ja. es war klar! Hier ein Land ohne Volk, dort ein Volk ohne Land, beide von einander gerissen durch GotteS' Fügung. Es streckt das Volk vor Sehnsucht die Hand - nach der fernen Heimath, es harrt das Land in trotziger Oede, bis sie wohl kämen, die rechten Herren, die wahren Eigenthümer, die armen Vertriebenen, die ruchlos Gejagten, die grausam Entrechteten, die blutig Gehaßten — doch nimmer Vergessenen, doch ewig Geliebten, doch stets Ersehnten — die armen, armen Juden. O, wer brächte sie wohl zusammen, die doch für ewig aneinander gekettet, wer überflöge das Meer, wer verjagte die Feinde, wer gewänne das Land und, die stolzen Trümmer Jerusalems? Wie weit ab, wie fern, wie unmöglich schien doch dies Ziel für die schwache Hand eines Mannes. Vor allem das Volk selbst erst aufzuwecken aus todtesgleicher Erstarrung, ihm einzuimpfen die Kraft, dje es — ach — längst verloren, es zu sammeln aus allen Enden der Erde und hinzuführen gegen den Feind, den machtsiolzen, speergewaltigen, siegenstrunkcnen, zur letzten, schwersten Entscheidung. War es möglich, war es kein Hirngespinst eines fieberkranken Mannes? Keine tolle Phantasie eines leidengequälten Herzens? Aber mochte es sein,' was immer es war: Eine schöne Idee war es. ein schöner Traum, eine erhabene Phantasie, ein herrliches Phantom und für das Schöne, Erhabene, Herrliche, selbst wenn Hoffnungslose, zu arbeiten ist hohe und höchste Glückseligkeit. — Aber fort mit dem Traum, wie schön er auch sei. gezügelt die Phantasie, die leichthin entführt in die ferne, ferne Zukunft. Drohte nicht kn der Gegenwart die furchtbarste Gefahr? Schien nicht das Schwert der Vernichtung geschwungen über dem armen Stamme der Juden? Loderte doch überall auf einmal der furchtbarste Haß empor, vor dem kein Entrinnen und keine Rettung, wenn die Juden geduldig wie die Schafe, sind. Da erhob sich riesengroß vor dem heranstürmenden Leid der Jude ben Sebulon. Ihn rüstete der Herr selbst mit Muth und Kraft und zündender Sprache aus, damit er zum Wahrzeichen werde für kommende Zeiten. Er hatte erkannt, daß die Großen der Erde zwar selbst den Haß gegen die Juden erregten, aber Mord und Gewaltthat dem Pöbel überließen. Die Großen waren die Anstifter, aber sie zogen sich zurück. wenn sie die Saat lustia aufgehen sahen, die sie selbst mit ruchloser Hand gesät. Der Pöbel bildete kein zusammenhängendes Heer, vielmehr griff Stadt für Stadt getrennt ihre Juden an. So war es vielleicht möglich, daß die Juden Porks, wenn sie sich rechtzeitig rüsteten, den Angriff des Feindes Zurückschlagen konnten. Dieser eine bisher unerhörte Erfolg aber konnte unermeßliche. Folge.n auf die Gemütber aller Juden Englands ausüben, konnte sie überall in Waffen fetzen gegen den grau-

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