Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 48 (18.6.1903)
- Date
- 1903-06-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Halberstadt-Büdingen referirte über das Apolant'sche Gebetbuch, das für die Hand des Lehrers sehr zu empfehlen sei. Es folgten alsdann geschäftliche Mittheilungen, von denen die in Aussicht stehende staatliche Regelung der israelitischen Lehrerverbältnisse am meisten interessirten und mit großem Beifalle ausgenommen wurde. Besonders erfreute in dieser Beziehung die Verlesung eines Schreibens des Obmann Balles in Darmstadt. Nach erstatteter Rechnungsablage fand man sich um 3 Uhr zum Mittagsmahle ein, welchem auch Dr. Sal selb-Mainz, der vorher dienstlich verhindert war zu kommen, beiwohnte. AnS dem Bezirk Breiten. Herr Bezirksrabbiner Dr. S ch l e ß i n g e r in Bretten hat diesmal wieder auf die Schowuausfeiertage an die Gemeinden seines Rabbinats-Distrikts eine zum Vortrag in den Synagogen bestimmte Rede gesendet, deren Inhalt viele in letzter Zeit in der Welt geschehene und in der Oeffentlichkeit besprochene Thatsachen vom Standpunkte der israel. Religion aus philosophisch beleuchtet. Die angeführten Zitate aus Bibel, Talmud und Midrasch geben dem Vortrag ein ächt-jüdisches Gepräge. Wir sprechen dem Herrn Rabbiner für seinen nie ermüdenden Fleiß den wohlverdienten Dank aus. Delmenhorst. (Oldenburg.) Der seit neun Jahren pensionirte jüdische Lehrer I. Heyersberg dahier feierte unter allgemeiner Vetheiligüng aller Kreise das Fest seiner goldenen Hochzeit. Herr Landrabbiner Dr. Mannheimer aus Oldenburg war persönlich anwesend und überreichte dem Jubelpaare im Aufträge Sr. kgl. Hoheit des Großherzogs die goldene Ehejubiläumsmedaille. Alsdann hielt Herr Vorsteher I. Schwabe eine Ansprache und übergab ebenfalls ein Geschenk der Gemeinde. Hierauf richtete der jetzige Lehrer L. Weinberg, als Nachfolger des Jubilars, einige herzliche Worte an seinen Kollegen, welcher sehr gerührt dankte. Die ganze Straße war zu Ehren des alten Paares beflaggt und die Feier machte auf alle Anwesenden einen tiefen, ergreifenden Eindruck. Oesterreich. Wien, 16. Juni. Seit einer Reihe von Jahren ist in Payerbach-Neichenau ein Dr. Robert Mayer als praktischer Arzt ansässig und erfreut sich um seiner fachlichen Tüchtigkeit, Liebenswürdigkeit und seines makellosen Charakters willen allseitiger Sympathien bei der dortigen Bevölkerung. Als nun in Reichenau die Stelle eines Gemeindearztes frei war, wurde dieselbe Herrn Dr. Mayer provisorisch verliehen.- Das war das Signal für die hiesigen Antisemiten, über den Arzt herzufallen und die gemeinsten Verleumdungen gegen ihn auszustreuen. So wurde gegen ihn die Beschuldigung erhoben, gegen eine gewisse Johanna F. ein Sittlichkeitsverbrechen begangen zu haben, und als die von der Staatsanwaltschaft eingeleitete Untersuchung die Unwahrheit dieses Gerüchtes ergab, erklärte das betreffende Mädchen, das von antisemitischer Seite berathen wurde, Dr. Mayer.habe ihr zu Mutterfreuden verholfen. Nun klagte Dr. Mayer, und nachdem das Bezirksgericht Gloggnitz alle möglichen Zeugen vernommen hatte und mit dem Schuldspruche Vorgehen wollte, erklärte das beklagte Mädchen: Alles, was es über Dr. Mayer gesagt, sei nichts als Erfindung und aus der Luft gegriffen; Dr. Mayer fei ihr nie auch nur naheaekommen, sie bereue ihre Lügen und bitte-um Verzeihung. Damit war wohl der Ehre des Doktor Mayer Genüge geschehen; aber was der Mann in Folge dieser Lügen zu leiden gehabt hat. das kann nicht nieder gutgemacht werden und bleibt ein Schandfleck für alle Jene, welche die Verleumdung erfunden und weitergetragen haben. Ungarn. Neutra. Der verdienstvolle Präsident der hiesigen isr. Kultusgemeinde, der weit über die Gauen unseres Komitates berühmt als edler Wohlthäter und Menschenfreund, Ritter des Franz-Josef-Ordens, Josef Engel, feierte am 1. d. Mts. seinen 68jährigen Geburtstag. Die Repräsentanz der Gemeinde, unter Führung Sr. Ehrwürden des Oberrabbiners Moses Katz, brachte ihm aus diesem Anlässe ihre herzlichen Glückwünsche dar, welche Herr Oberrabbiner Katz mit dankbarer Anerkennung der unvergänglichen Verdienste des Präsidenten um die Gemeinde, in warmen, inhaltsreichen Worten verdolmetschte. Tief ergriffen sprach der Gefeierte den Erschienenen seinen Dank für die ihm dargebrachte ehrende Ovation aus. — Wie überall, so wurde auch hier eine Sammj lung für die unglücklichen Opfer des Blutbades in Ki? j schinew veranstaltet. Herr Engel zeichnete sich mit 200 Kronen. — Das Alten- und Siechenhaus, welches genannter Herr Engel, neben der von ihm erbauten prachtvollen Talmud-Thora-Schule, aufbauen läßt, und wozu er 200,000 Kronen als Fonds anlegen wird. soll, wie verlautet, noch dieses Jahr seiner edlen Bestimmung zugeführt werden, und werden wir nächstens darüber ausführlich berichten. Herr Engel läßt auch beim hiesigen Sofer ein neues Sefer-Thora schreiben. Die Einweihung desselben soll zugleich mit der großen Synagoge, welche von Grund auf neu hergerichtet wird, am Sabbat Nachmu in feierlicher Weise stattfinden. Möge der himmlische Vater dem Gefeierten und der ihm zur Seite stehenden treuen Gattin einen glücklichen. ungetrübten Lebensabend gewähren. I. L.