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Der Israelit · 1903-06-18 · Heft 48 (18.6.1903) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 48 (18.6.1903)
Date
1903-06-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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zugemessene Zeit gestattet mir durchaus nicht den Luxus einer Zeitungkontroverse. Mit vorzüglicher Hochachtung— Dr. Adolf Salvendi, Dürkheim a. H. ZetturrgsrraHriHten urrd Eorresporrdenzen. Deutschland. Mainz, 17. Juni. Ein endgültiges Resultat über den gestrigen Wahlausfall liegt noch nicht vor, aber auch wenn es vorhanden wäre, ließe sich daraus noch lein sicherer Schluß auf die Zusammensetzung des künftigen Reichstags ziehen, da die Zahl der Stichwahlen größer ist als je zuvor. Die wirkliche Entscheidung bringt erst der zweite Wahlgang, eine Folge der wachsenden Parteizersplitterung. Das hervorstechendste Resultat des bis jetzt vorliegenden Wahlergebnisses ist die Zurückdrängung der äußersten Rechten und ein Anschwellen der äußersten Linken. Der Bund der Landwirthe, der die Wählet! von 1898 auf der rechten Seite geradezu beherrscht hatte, ist bei den diesmaligen Wahlen nahezu ausgeschieden und so schwer auf das Haupt geschlagen worden, daß er sich nie mehr erholen wird. Mit ihm sind. auch die Antisemiten zusammengehauen worden — diese beiden extremsten Richtungen scheiden, wenn sie auch noch Theilecfolge erzielen, aus dem Wahlbild nahezu aus. Rösicke, Lucke und Hahn, die Führer des Bundes, liegen bereits auf der Strecke, auch Oertel kann geworfen werden, wenn die Nationalliberalen ihm die Stichwahlhilfe versagen. Der Bund der Landwirthe war zum speziellen Zweck der Beeinflussung der neuen Handelsverträge in's Leben getreten, es ist nun bezeichnend, daß er in demselben Moment eine vernichtende Schlappe erfährt, in dem Deutschland sich anschickt, in Vertragsverhandlungen cinzutreten. So tief der Einfluß war, den der Bund zeitweise durch die Terrorisirung anderer Parteien auf unsere Politik ausübte und so wenig dieser Einfluß im Handumdrehen beseitigt werden wird, das -Tröstliche dieser Wahl wird es sein und bleiben, daß dem agrarisch-antisemitischen Uebermuth ein deutliches „Halt" zugerufen worden ist. Sehr erfreulich ist, daß die hessischen Antisemiten wahrscheinlich ihrer beiden Reichstagssitze verlustig gehen, und zwar zu Gunsten der vom Freisinn unterstützten Nationalliberalen. Aufgabe unserer Abwehrbestrebungen ist es schon seit Jahren, das Augenmerk mehr auf den latenten Antisemitismus zu richten. Dieser ist in vielen und namentlich in den oberen Kreisen, noch immer im Wachsen begriffen. Berlin, 16. Juni. Der Konitzer Mord wird binnen kurzem wieder einmal die Berliner Strafkammer beschäftigen und voraussichtlich zu.umfangreichen Verhandlungen Veranlassung .geben. Gegen den durch seine Thätigkeit in Könitz und seine Privatermiti- . lungen in der Mordaffäre bekannt gewordenen Gustav George, ferner gegen den Redakteur Gottlieb Meyer und den Buchdrucker Georg König hat die Staatsanwaltschaft jetzt Anklage erhoben wegen Beleidigung des Lehrers Weiche! in Könitz, ferner dessen Ehefrau sowie der Richter, des Staatsanwalts und der Subalternbeamten des Landgerichts Könitz. Es handelt sich in erster Reihe um eine von George verfaßte und von König gedruckte Broschüre „Enthüllungen zur Blutthat von Könitz", in welcher der Lehrer Weiche! schwer verdächtigt und in einer Kritik das Verhalten der amtlichen Organe diesem Verdachte gegenüber getadelt wird. Der Angeklagte Meyer wird wegen eines Artikels zur Verantwortung gezogen, der unter der Spitzmarke „Das Räthsel von Könitz" gleichfalls dem gegen das Weichel'sche Ehepaar entstandenen Verdachte Ausdruck gab. Da der Angeklagte George einen umfangreichen Wahrheitsbeweis antreten will, so dürfte die Konitzer Mordaffaire nochmals aufgerollt werden. Ahlem-Hannover, im Juni. Wir erhalten folgende Zuschrift: Die israelitische Erziehungs-Anstalt zu Ahlem blickt in diesem Monat auf ihr zehnjähriges Bestehen zurück; zu gleicher Zeit rüstet sie sich, die Einweihung ihres neu gegründeten Mädchenheims festlich zu begehen, dessen stattlicher Bau in der Ahlemer Feldmark einen malerischen Anblick gewährt und einen herrlichen Schmuck der Anstalt bildet. Mit der Errichtung dieser der Knabenanstalt angegliederten Abtheilung hat die Anstalt einen weiteren inneren Ausbau erhallen, der das Ziel verfolgt, auch der weiblichen Jugend im Judenthum Lust und Liebe zu praktischen Arbeiten einzu- - flößen, damit auch sie in den Stand gesetzt werde, unser Kulturwerk wirksam zu unterstützen und zu fördern. Wir sehen uns veranlaßt, zu der bevorstehenden Doppelfeier am 24. Juli Einladungen in weiterem Umfange ergehen zu lassen und den Freunden unserer Anstalt Gelegenheit zu geben, ihre Verhältnisse und Einrichtungen durch eigene Wahrnehmung näher kennen zu lernen. Das Kuratorium: Justizrath Dr. Berend. Der Vorstand: Konsul A. M. S i m on. Ans dem Grossherzogthum Hessen. Gestern — Io. Juni — tagte in Frankfurt a. M. die Jahresversammlung der isr. Lehrer Hessens. Dieselbe war zahlreich besucht. Von Rabbinen wohnten derselben bei die Herren Dr. Plaut und Seligmann in Frankfurt a. M., G o l d s ch m i dt - Offenbach und L e v i - Alzey. Dr. Goldschmidt hielt eine Probelektion über den Gebrauch seines Gebetbuches in der Schule. In der lebhaften Debatte, an welcher sich die Herren Dr. Adler, Frankfurt a. M., Dr. Levy-Alzey und Rothschild-Worms betheiligten. kam man zur Ueberzeugung, daß sich das sonst treffliche Buch für die Schule nichteigne. Lehrer

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