Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 47 (15.6.1903)
- Date
- 1903-06-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Ein Tag verging nach dem andern im ewigen Kreislauf der Zeiten und die Gemeinde von Jork blieb verwaist. Da ballten stch allmählich immer finsterer die Wolken zum kommenden Ungewitter-zusammen. Das englische Volk in den Grafschaften erhob sich, um das Beispiel der Hauptstadt nachzuahmen. Die Einwohner von Lincoln fanden in einer Nacht das Dasein der Juden unbequem. Bis zum nächsten Morgen hatten ste sich ihrer entledigt. Da wurden die Burger der Stadt Lymed eifersüchtig und durch ein furchtbares Blutbad bewiesen ste. welches Heldenblut in ihren Adern floß. Damit aber die Tugend auf Erden nicht unbelohnt bleibe, bemächtigten sie sich auch der Schätze der Juden und bereicherten ihre Taschen. Nun fühlten sich auch die in Stamford zu großen Thaten angeregt und kühlten ihren Muth durch ein Gemetzel ohnegleichen. Auch sie ließen die Judenschätze nicht unberührt. Ein Kriegsknecht, der tapfer miigeholfen, übernachtete mit seinen erworbenen Reichthllmern bei einem befreundeten Bürger. Diesen, der minder glücklich bei der Plünderung gewesen, ergriff der Teufel der Habsucht und er ermordete seinen Gast. Als man dessen Leichnam sand, da wäre er beinahe als Märtyrer seiner Religion, der im Kampfe wider die Ungläubigen gefallen, zum Heiligen erklärt worden. Nur die rechtzeitige Entdeckung des Mörders raubte ihm diese Ehre. Bei all diesen Greuelthaten zeichnete, sich ein weißgekleideter Mönch aus, der überall die Bürger zum Kampfe aufreizte und ihnen alle erdenklichen Seligkeiten des Himmels versprach, wenn sie seinem Rufe folgten. Er betheiligte sich selbst bei dem Morden mit einem Geschicke, das man sonst bei einem Diener des Herrn nimmer gesucht, geschweige denn gefunden hätte. In Stamford war es, wo er vernahm, daß man in Jork seit längerer Zeit den jungen Knappen Gott^ fried de Gourdon vermisse. Er sei spurlos verschwunden, man habe nichts mehr von ihm gehört. Bei dieser Kunde ging ein dämonisches Behagen über das von allen Leidenschaften durchfurchte Antlitz des Mönchs. Er verließ Stamford und machte sich auf nach Jork. Schlag auf Schlag gelangten die unheilvollen Kunden zu den Juden Yorks. Deutlich sahen sie nun den grinsenden Tod immer näher kommen. Immer feindseliger wurde die Stimmung der Christen ihrer Stadt. Diese sorgten selbst dafür, die Juden auf dem Laufenden zu halten. Kein Jude wagte es mehr, das Ghetto zu verlassen, draußen hätte ihn sofort der Tod ereilt. Die Thore des Judenviertels wurden überhaupt nicht mehr geöffnet. Der Thorwächter wurde entlassen, da sein Amt überflüssig geworden. Wie in einem Käfig waren die Juden, aus dem es keinen Ausweg gab. Sie beteten in der Synagoge zu Gott, sie thaten Buße und fasteten, sie spendeten reichlich den Armen. Aber der Herr erhörte sie nicht und ließ nicht ab von feinem Zorne. Wehe dem, der in diesen Zeiten nicht felsenfest stand im Glauben. Er war sonst verloren. Wohl dem, der klar erkannte, was die Stunde heischte und ihr entsprach. Höchstes Heldenthum hatte er erreicht. (Fortsetzung folgt.) Freitag. 19. Juni, 24. Siwan. Sabbat-Anfung in Mainz u. Frankfurt a. M. 8 Uhr 00 Min. Samstag. 20. Juni. 26. Siwan. .1 n 'S PIS jrnao ,*iS nSw Sabbat-Ausgang in Mainz und in Frankfurt a. M. 9 Uhr 35 Min. — Berlin 9 Uhr 34 Min. — München 9 Uhr 08 Min. — Hannover 9 Uhr 45 Min. — Stuttgart 9 Uhr 23 Min.—Prag 9 Uhr 15 Min. — Straßburg 9 Uhr 30 Min. — Posen 9 Uhr 22 Min. — Stettin 9 Ubr 40 Min. Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal. Montags nnd Bonnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich. halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel vrkkrhvk durch V. 3?. Skeinacker, Leipzig, Rotzplah sv. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Nonpareillezelle oder deren Raum. 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