Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 47 (15.6.1903)
- Date
- 1903-06-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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1030 cc'i-ßö, ein selten vornehmer Charakter, ein überaus zärtliwer Mann und Vater, ein Menschenfreund; er war das Musterbild eines wahrhaften Jehüdi, eines hochsinnigen Mannes, begabt mit den schönsten Eigenschaften des Geistes und des Herzens, er war einer jener Männer, wie ste leider sehr spärlich zu finden sind. Das am Freitag stattgefundene Leichenbegängnis; legte beredtes Zeugniß davon ab, welche besondere Sympathie der theure Verblichene in allen Kreisen besessen hat, denn eine nach vielen Hunderten zählende Menge gab dem Ehrenmanne das letzte Geleite. Als sein Schwiegersohn - rrm' N'v, selbst auf's tiefste erschüttert, in beredten Worten, die vielfachen Verdienste des theuren Todten würdigte, blieb kein Auge thränenleer. Es war eine seltene, aufrichtige Teilnahme und Ergriffenheit, jeder Einzelne hatte die schmerzliche Empfindung, daß hier ein ip» ms* ein nobler Mann zu Grabe getragen wurde. n'aVyn Rußland. Petersburg. Zwei Protest-Kundgebungen der russischen Schriftsteller Moskaus und Petersburgs gegen die Greuelthaten von Kischinew liegen vor. Sie lauten: „Tief erschüttert durch das Verbrechen, das erst vor Kurzem in Kischinew verübt worden ist, drücken wir unser schmerzlichstes Mitleid mit den unschuldigen Opfern der Bestialität der Menge aus; unser Entsetzen vor dieser Bestialität des russischen Volkes, unaussprechlichen Abscheu und Ekel vor den Veranlassern und Hetzern und tiefe Entrüstung gegen die Förderer dieses entsetzlichen Werkes." Unterzeichnet ist diese Kundgebung unter Anderen von Leo Tolstoi, Professor Storoschenko, Fürst A. Sumbatow. E. Oserow, K. Christoforow, A. Gaudurin, Fürst S. Trubetzkoj, N. W. Dawidow. D. Norow, W. Wernadski, N. Umow, L. Sabielin. Die Petersburger Kundgebung hak folgenden Wortlaut: Nachdem die St. Petersburger Schriftsteller, sowie andere Vertreter liberaler Berufe während eines geselligen Beisammenseins genaue Mittheilung über die schändlichen Gewaltthaten, die in Kischinew gegen wehrlose Juden verübt worden sind, mit angehori hatten, beschlossen sie. ihr warmes Mitgefühl für die Verunglückten, sowie auch für das ganze rechtlose jüdische Volk und ihre tiefe Entrüstung über die Verfolgung der Juden, an der leider auch einige Organe der russischen Presse theilnehmen, in einem Briefe an den ..Hilfsverein für die schwer geprüfte jüdische Bevölkerung Kischinews" auszusprechen. Gleichzeitig wurde von den Theilnehmern an der Versammlung eine Summe zu Gunsten der Verunglückten gespendet. Dieser Summe fügten später auch noch einige andere Personen ihre Gaben bei. Die Sammlung der Petersburger Schriftsteller beläuft sich auf 499.50 Rubel. - Ä m e r r-k a. Newyork. (Eine jüdische Stadtgemeinde.) Der jüdischen Kolonie Woodbine im Staate New-Jersey ist von dem New-Jerseyer Staatssiarlament der Charakter eines Städtchens zuerkannt worden mit der Berechtigung für die Kolonisten, eine eigene Ortsverwaltung zu organisiren, eigene Beamte zu. ernennen und zu besolden, ihre Steuern selbst festzusetzen und einzuzieyen. Dieser Beschluß des Parlaments von New-Jersey bedarf der Zustimmung des Senats, dem die Angelegenheit unterbreitet worden ist. Woodbine, die größte und am besten entwickelte jüdische Kolonie in New-Jersey, war bisher im Stadtgebiet Dennis eingemeindet gewesen, von dem sie den zehnten Theil Bodenfläche in sich schließt. Sie umfaßt aber über die Hälfte der Bevölkerung dieses Gebietes, zahlt beinahe ein Drittel der Steuern, füllt beinahe die Hälfte der öffentlichen Schulen und beschäftigte 40 pCt. der Lehrer. Die Kolonisten erwarten sehnlichst die Bestätigung des Senats, um beweisen zu können, daß ste die Selbstverwaltung wohl zu leisten im Stand sind. Der bisherige Oberleiter der Kolonie, Professor Sabsowitsch, wird auch der Bürgermeister des neügeschaffenen Städtchens werden. f nt i U e t o it. Jerusalem. Historische Vvzatzlung von Jsaae Breuer—Frankfurt a. M. 131 Längst schon hatte Tirzah das Schlimmste geahnt. Aber sie hatte noch gehofft. Nun war die Hoffnung vernichtet. Nun hatte sie Gewißheit. Ihr Liebstes war ihr entrissen. Sie war Waise. Trauernd sank sie zu Boden. Alle Frauen Porks kamen herbei, sie zu trösten. Sie durfte nicht allein ihrem Schmerze überlassen bleiben. So wollte es das Gesetz, das alle Verhältnisse regelt. Sie wollte die näheren Umstände erfahren, die den Tod ihres Vaters begleitet. Man erzählte ihr die traurigen Vorgänge. Auch Jehudah war bei dem Berichte anwesend. In diesem Berichte kehrte immer der Name des Ritters Robert de Gourdon wieder. Er erschien als Anstifter und Leiter des Ganzen.