Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 47 (15.6.1903)
- Date
- 1903-06-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1028 . Ich habe es oft erlebt, daß jüdische Referendare von ihren durchaus nicht mit Glücksgütern gesegneten Eltern sämmtliche vierzig und mehr Bände der Entscheidungen des. Reichsgerichts, wie auch andere vielbändige Entscheidungssammlungen und Zeitschriften, umfassende juristische Werke, für Hunderte von Mark geschenkt bekamen, die sie alle nach und nach mit eisernem Fleiße durcharbeiteten. Die größten Entbehrungen, die die Eltern mit ihrer ganzen Familie sich der Ausbildung der Söhne willen auserlegen mußten, schreckten sie nicht zurück. Dazu kommt, daß bei den Juden die Opferfreudigkeit für ihre studirenden Glaubensgenossen regelmäßig eine musiergiltige ist; die reichen Juden schießen Tausende zu den Kosten zu; verschiedentlich habe ich es beobachtet, daß wenig vermögende jüdische Anwälte abwechselnd miteinander jüdische Studenten der Rechtswissenschaft während der langen Vorbereitungsjahre bis zu ihrer Niederlassung als Anwälte und der reichen Heirath vollständig unterstützten." Diese Auslassungen der „Kölnischen Volksztg." entsprechen nur den Thatsachen und liefern einen erneuten Beweis dafür, daß die Juden durchaus nicht zu den unbrauchbarsten Geschöpfen der Welt gehören, und daß diejenigen Nationen, welche solch* nützlichen Elementen den Aufenthalt in ihren Ländern erschweren oder gar unmöglich machen, hierbei den größten Schaden erleiden würden. W. F. Wnrzbnrg, 14. Juni. In dem Wahlaufruf des Zentrums für die Wahlkreise Aschasfenburg, Kitzingen. Lohr. Neustadt. Schweinfurt und Würzburg ist folgender Passus enthalten: „Die Sozialdemokratie ist die einzige Partei, welche die Judeninteressen wahrt, sie ist die einzige Partei, welche Juden in ihre Reihen aus nimmt. Ja. die sozialdemokratische Partei hat unter 06 Reichstagsabgeordneten acht Juden —14 pCt., und darunter der Parteivorstand, Paul Singer der Dicke. Da müssen doch die Genossen .... für die Riesenwaarenhauser der koscheren Herren Tietz, Wertheimer und Ruschkewitz als Vertheidiger auftreten .... Ferner: „Nur die Börsensteuer und Champagnersteuer wurden bewilligt, allerdings zum großen Leidwesen der großen Geldjuden....!" Es ist tief bedauerlich, daß das Zentrum und speziell das bayerische, das eine Reihe von dem Judenthume so wohlgeneigten Führern aufweisen kann, sich zu solchen Aufrufen erniedrigen konnte. Bad-Kissingen. im Juni. Der Verein „Israel Kinderheilstätte in Bad-Kissingen". der es sich zur Aufgabe gemacht hat, in dem durch seine gesunde Lage und seine wunderthätigen Quellen gleich ausgezeichneten Bad-Kissingen eine israelitische Kinderheilstätte, mit streng-ritueller Verpflegung, zu errichten, welche armen und kranken Kindern aus Familien aller religiösen Parteischattirungen und aller Theile des deutschen Reiches ihre gastlichen Pforten öffnen soll, blickt auf eine zweijährige Thätigkeit zurück. Begründet auf der Hoffnung göttlichen Beistandes und werkthätiger, nie versiegender Menschenliebe, hat der Verein die vielen Schwierigkeiten, welche sich anfangs dem gemeinnützigen Unternehmen entgegenstellten, überwunden und sich in der Nähe und Ferne viele treue Helfer und Förderer erworben. In einer Reihe von Sitzungen, an denen ein großer Theil des Komitees, das sich aus Männern aus den verschiedensten Theilen Deutschlands zusammensetzi, mit ernstem Eifer theilnahm, wurden alle den Verein fördernden Angelegenheiten berathen. Am 13. April 1901 fanden die Statuten die Genehmigung des kgl. Amtsgerichts zu Nürnberg und damit die behördliche Anerkennung. Kurz darauf — am 29. April desselben Jahres — erwarben wir einen in idyllischer, gesunder Lage Kissingens — neben der bereits bestehenden evangelischen Kinderheilstätte — befindlichen Bauplatz. Die durch Herrn Architekten Krampf nach unseren Angaben ausgearbeiteten Baupläne wurden am 13. Juli 1902 seitens des kgl. Bezirksamts zu Bad-Kissingen genehmigt, nachdem kurz zuvor dank des Wohlwollens des hohen kgl: bayer. Ministeriums der Finanzen, der kgl. Regierung zu Wurzburg und des Herrn Lessing, des Pächters von Bad Kissingen, der zu begründenden Anstalt die Anlage einer eigenen Sooleleitung bewilligt wurde. Es gereicht uns zur besonderen Ehre, den maßgebenden Behörden und Persönlichkeiten fiir das Wohlwollen, das sie unserem edlen Werke in so großherziger Weise entgegenbrachten. unseren innigsten Dank an dieser Stelle abzustatten. Die hauptsächlichste und schwierigste Aufgabe bestand und besteht noch darin, das für den Bau und den Unterhalt der Anstalt erforderliche Kapital zu sammeln. Trotz der Ungunst der Zeitverhältnisse ist es den geradezu aufopfernden, hingebungsvollen Bemühungen einzelner Komiteemitglieder gelungen, außer dem für den Bauplatz bereits gezahlten Betrag von 13,000 Ml. noch etwa 50.000 Mk. an einmaligen Spenden für den Baufonds aufzubringen. Wir fühlen uns verpflichtet, allen jenen edlen Menschenfreunden, die durch Spenden ihr liebevolles Interesse für das hervorragende Werk der Milde und des Erbarmens bekundet haben. Dank und Anerkennung zu zollen. Der Verein hat sich nun entschlossen, mit dem Vau der Anstalt sofort zu beginnen, um bereits im nächsten Jahre die Pforten derselben zum Heile und Segen der armen und kranken Kinder eröffnen zu können! Freilich benöthigt der Verein noch eines nickt unbeträchtlichen Geldbetrages, um die entstehenden Kosten zu decken. Der Bau der Anstalt mitsammt der inneren