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Der Israelit · 1903-06-10 · Heft 46 (10.6.1903) · page 27

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 46 (10.6.1903)
Date
1903-06-10
Page
– (sequence 27)
Language
German
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gen fortwährend ihre Tochter an und schüttelte leise jammernd den Kopf..... Er streckte wie geistesabwesend beide Hände zum Wagen hinaus und wäre sicher abgestürzt, wenn ihn nicht noch Schmuck im letzten Augenblick sestgehalten hätte. . „Warum so diele Gedanken, Tate?" tröstete der letztere. „Gott wird schon Helsen. Und wenn ich auch dienen sollte! Auch kein schlimm Masel! Bin ja Vaalmelocho!" (Handwerker.) Chazkel kam natürlich allein wieder heim. — Schmuel, seinen einzigen Kaddisch, hat die Aushebungs-Kommission für stark, wohlgestaltet und tauglich befunden und dort behalten. „Nach Amerika" — hieß es, „werden sie. die Rekruten, dieses Jahr geschickt, an die chinesische.Grenze; noch weiter, als Amerika." Ihm, Chazkel. wollte dieser neue Schlag von neuem das Herz zerschneiden, auf Channoh machte er jedoch keinen wesentlichen Eindruck mehr. Als er heimkam. lag sie im Bette. Still, zusammengebrochen. abgezehrt, ein Häuflein .Elend. Eine Nachbarsfrau saß bei ihr und pflegte sie. Sie sah ihn mit ihren trüben Augen durchforschend an, fragte aber nichts. Es war in ihrem kranken Herzen sichtlich kein Platz für neues Elend mehr ___ Eine bittere Zeit begann. „Eine Herz- und Leberkrankheit," konstatirte der Vereinsarzt von „Vikur- Chaultm". Doktor und Apotheker, Arbeit und Sorge begannen, alles trug dazu bei, um das Leben immer unerträglicher zu machen. Und doch waren nicht alle Strahlen des Trolles und der Hoffnung aus der Hütte des armen Wasserträgers für immer gewichen. Schmuel. sein Kaddisch, schrieb oft und aut. „Nachdem er etwa sechs Wochen lang unter Waffen gedient, ill er endlich der Schneiderabtbeilnna der Arbeitskaserne zugetheilt worden; seitdem gebt es immer besser. Er arbeitet etwa wie daheim auch. Es wäre alles nicht so schrecklich, wie man es in Ersevill glaubt. Die Vorgesetzten sind auch Menschen und nicht so schlimm. Er könnte sogar nebenbei noch etwas verdienen, um seine Kost und seine Laae etwas zu verbessern.. In seiner Garnison wärecs übrigens so interessant, und auf den Beroen so schön. Auch Landsleute und Glaubensgenossen aibt es in seinem Regimente zur Genüge. Viel gesehen und gelernt hat er auch schon. Und schließlich — hieß es noch — die Zeit wird auch voruberaeheu. Nach ein paar Jahren, dann kommt er wieder heim, zu den Seinen u. s. w." Für sie. die kranke Mutter, kamen diese Irostbrinaenden Strahlen zu spät. Die Schatten hatten bereits von ihrem Körper und Geille viel zu sehr Besitz ergriffen, um noch irgend wärmende Wirkungen zuzulassen. Für ihn aber, für Chazkel, war ein jeder dieser Briefe eine neue Verheißung, eine, neue Quelle des Trostes. - ': Wenn er nach Tagen harter Arbeit und schwerer Sorgen, mit Schmerz in den Schultern am Krankenbette seiner Frau wachte, da nahm er immer wieder einen der letzten Briefe hervor, las und las: „Er kommt; er kommt! Mein Einziger! Mein Kaddisch! Die Zeit kommt schon wieder. Der einzige Trost .ist uns noch nicht genommen!" so murmelte er und las immer vor sich hin. „Schreibet mir doch" — las er noch am Schluffe — „ob und was Ihr von Feigele hört!" Und noch einmal drängte er in der Nachschrift/ — „nur ja nicht vergessen, mir von Feigele zu schreiben!" — Da ließ er wieder den Kopf sinken, sein Gesicht verfinsterte sich sogleich — die Freude war wieder verflogen ..... . - s-' Heute vor sieben Tagen war das große Unglück eingetrofsen. In der Morgenstunde hatte Leibe wieder einen jener Trostbriefe von Schmuel gebracht. Chazkel brachte ihn wie immer an's Bett, um ihn der Kranken vorzulesen. . r; : Channoh bemühte sich, die Augen aufzuthnn, etwas zu murmeln — aber vergebens; es kam nur wie ein mühsames Gurgeln aus ihrer Kehle hervor. Dieses Gurgeln wiederholte sich und artete bald in ein ununterbrochenes Röcheln aus. Chazkel. nichts Gutes ahnend, allarmirte einige Nachbarsfrauen. Sie sahen die Kranke und dann sich gegenseiiia bedeutungsvoll an. Und wie von ungefähr traten bald einige Frauen aus der Chewroh kaddischoh langsam und feierlich in's Haus. ' Jetzt wußte Chazkel plötzlich genau, wie es stand und er zündete die Lichter an. Channoh richtete sich jedoch nach einigen Stunden wieder auf. das Röcheln ließ nach, aber die Augen öffneten sich nicht mehr. ■ Die Kerzen wurden wieder ausgelöscht. •. Am Nachmittag wiederholte sich jedoch die Erscheinung mit dello arößerer Macht. Immer rascher und stärker wurde das .Röcheln, dann aber durch größere Absätze und länaere Pausen unterbrochen, ^bre Lippen bewegten sich noch einmal. Chazkel konnte keine Worte unterscheiden, aber das Gefühl, das dabei lein Herz durchschnitt. bieß: „Feiaele" ... „Ganz so" — mußte ietzt Chailel denken, indem er eine Kerze anstarrt, die ibm gegenüber im Ausgeben begriffen, immer von neuem noch einmal hell aufflackerte und wieder im Leuchter untertauchte — ganz so ill es wohl auch mit unserem Leben, ganz so war es auch da. Noch ein tiefer Atbennug. noch eine leise Bewegung der Auge und dann eine plötzliche Derwgndluna des Gesichts.Hafchem hu elankim!" stimmte er in den Cbir der iammernden 5kran-" ei". Aber feine arme Channoh bewegte sich nicht mehr...... Er konnte damals nicht so klar alles fühlen, als hcnte, auch nicht, als er noch an demselben Tage hinter

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