Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1903-06-10 · Heft 46 (10.6.1903) · page 25

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 46 (10.6.1903)
Date
1903-06-10
Page
– (sequence 25)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2449890-2449932--58428-2522847
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1019 aus der dieser stammt..., könnte er sich nur einen -lassen Degriff davon machen, wie es darin aussieht.. I . Chazkel berührte unmerklich seine. Brust.. Es J, war aber auch zu schrecklich an jenem Abend . . . I ' Es war wieder an einem Donnerstag Abend. [ Channoh wollte noch einen Versuch machen und setzte. nachdem ste auf ein Kissen bei Bor.uch, dem Geldverleiher, zwei Rubel bekommen, eine Gans, in den Handel. Er war, nachdem er den ganzen Tag Wasser getragen und seit Dämmerung wie immer im Veisj bamidrosch gewesen, etwa um 7 Uhr beim gekommen. Seine Frau war noch nicht daheim. Er erwartete ste, ' da er erstens nach harter Arbeit und langen Warten- Hunger verspürte und dann ... Wer weiß? .... Vielleicht bringt ste auch etwas, ist vielleicht - auf der Straße Leibe begegnet, vielleicht irgend einer Iedioh. von der Feigele nämlich ... Da kommt ste müde und langsam zur Thüre herein, mit beiden Händen krankhaft den Korbe haltend, als ob es eine zentnerschwere Last wäre. Sie stellte langsam den Korb ab und setzte stch krächzend auf die Bank. Er sah in den Korb hinein; es waren noch außer dem Kopfe und den Beinen, die ste. für stch als Schabosfleisch behalten wollten, noch einiae nicht unbedeutende Theile.des Rumpfes darin. Er ahnte nichts Gutes und schaute ihr in's Gestcht: es.war finsterer als sonst und sah so aus, als ob ein Tbränenstrom im Durchdringen sei, und es jeden Augenblick überfluthen müßte. ...Konntest Du es nicht verkaufen?" fragte er, indem er sich bemühte, mehr Vesorgniß als Vorwurf in den Ton zu legen. . Keine Antwort. . „Was ist denn? So sag doch! Was ist passirt?" ,.O Gott!" war die einziae Antwort. ..Also was ist geschehen?" drängte er ungeduldig und besorgt. Der Strom brach jetzt durch; heiße Thränen rieselten die welken, verdorrten Wangen hinunter, und durch das verzweifelte Schluchzen glaubte er die Worte zu Horen: „Fciaele! Feigele!" ..Was, wo. was ist mit Feigele?" schrie er. „Hast . Du Leibe getroffen?" ,.O. ste bat mir das Herz gebrochen: es ist fertig mit mir!" jammerte sie nur. ohne seine Fragen zu Horen. „Wer, was? So sprich doch, Ribbanan schel aulom!" . .. schrie er. halb verzweifelt. L Da erfuhr er auch das Schreckliche, das Grau-; samstc, das. was auch seine von der Sorge erzeugte und von ibr actragene Phantasie wäbrend der ganzen . Zeit des Denkens und Wartens nie hätte ahnen können...... die Händlerin mit ihrem Korbe in den Wegkam.ünb . / sing mit ihr heftigen Streit an, dg auch sie in der sicht war, gerade diesen Kunden zu besuchen, Channoh : 7 sagte nur leise und bescheiden: „Sie wolle auch, leben." Darauf lachte ChajeH.höhnisch und rief mehr, schreiend, ' ' . als redend: .■:; „So? leben willst Du? Hast noch nicht genüg? - Schickt Feigele nichts mehr? Die feine Dame, die jetzt v S im Bordell in Chicago, sitzt! Dort wie eine Fürstin. Geld verdient!? He?!" — lachte sie in steigender Bosheit weiter, und'mehr zu den Umstehenden/ die; jetzt auf ihren Spektakel hin neugierig hergelaufen kamen, als zu ihr gewendet. „Die habt Ihr gut verkuppelt.; die schöne Scheireh! Und gewiß auch ein gutes Ge-. schüft dabei gemacht!? he!? Geh' nur hin" — schrie sic ihr lachend in's Gesicht — „gehe hin zu Ruwe, dem Mehler, er sagt es Dir. Sein Sohn hat, ste dort ge- ' troffen. Schöne Scheireh! Schand und' Spott für ganz Ersevill!" . . . . ';;; : ' Das Weitere hörte Channoh nicht;'cs war genug für die arme Frau. Sie verkaufte nichts mehr und,, ging mit dem Reste so rasch, als ste ihre wankenden Beine tragen wollten, nach Hause. \ Aber auch für ihn, für Chazkel, was es genug. Eine Zeitlang starrte er wie geistesabwesend um sich her; er konnte nur langsam und mit Mühe den Sinn von dem eben Gehörten fassen. Dann überkam ihn . plötzlich ein Gefühl, als müßte er alles um sich kurz und klein schlagen und dann sich selber umbringen. .. -; „Du! Du! Du'" schrie er dann plötzlich, ohne zu wissen, was er sagte, nur um dem Gefühle, das ihm das Herz zerdrücken wollte, in irgend einer Weile Luft zu machen. ..Du! Du bist an ollem schuld! Nicht gezoaen.. fortoelassen. in .die weite Welt hinaus! Verderben! Jetzt stehst es! Welches Glück?! Du! Du! Du!" ... Was hatte er da gesagt? Mas hat er aewollt? Er erwartete, daß sich seine Frau aeaen diesen Vorwurf entschieden verwahren, ihm denselben wieder, in's Gestcht schlendern, sich in einen Streit mit ihm ein-, lassen wird. Dies batte er gewollt und erwartet: dies hätte ihm jetzt wohlgethan. Aber nichts von alledem geschah, Sie antwortete nicht, sondern ließ noch mehr den Kopf nach vorne stnlen und. die Thränen in noch größeren Strömen rieseln. „Ach. es waren leine Worte mehr. sondern nur ein; schmerzliches Wimmern, als ste endlich den Mund auftbat. — „Ach ia, wahr, alles wahr.... Ich, ich, ich,.." Ihm wollte dieses I a und I ch das Herz zerspalten. Wußte er es doch am besten, wie sie am wenigsten. Schuld daran hatte, wußte er doch noch genau, welche - Reden er gebraucht und welche Vorstellungen er ihr., machen mußte, um ihre ewigen Einwendungen gegew Unter unaufhörlichem Schluchzen und Stöhnen erzählte ihm Cbannoh, daß, wie sie aus dem Lause des Schlauine Melamed ging, ihr just auch Ehajeh, das große Glück zu widerlegen, ihre ewigen Sorgen zu zerstreuen. Diese grundlose Selbstanllage wollte ihm

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.