Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 46 (10.6.1903)
- Date
- 1903-06-10
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1006 keiner ehrlichen Beschäftigung zurück, sobald sie Gelegenheit bietet, feine Familie, wenn auch nur kümmerlich, zu ernähren. Auch die Opfer von Kischinew waren solch' brave, ehrliche Handwerker, die durch boshafte Hetzer von der Aröeitsmaschine hinweg in den Tod gejagt wurden. Wir können die Lektüre dieses hervorragenden Werkes von Frl. Dr. Sara Rabbinowitsch nicht allein unseren Glaubengenoffen wärmstens empfehlen, wir empfehlen es noch vielmehr unseren nichtjüdischen Angreifern. Mögen sie aus dieser volkswirthschaftlichen Studie lernen, daß der Jude nicht zu träge ist, um durch seiner Hände Thätigkeit sein Brod zu verdienen. W ü r z b u r g, 7. Juni. : Dr. M. L. Bamberger. KsiLurrgSKachrichLen urrd <Lsrresporroerrze-i. D e u t sch l an d. BreSlau, 4. Juni. Einen interessanten militärischen Briefwechsel veröffentlicht das hiesige „Jüd. Volksblatt": 1. Breslau, 7. Mai 1903. 10. Comp. R. 11. Herrn Hauptmann, Handlungscommis, Breslau, mit der Mittheilung, daß der Herr Hauptmann.auf Ihre Einstellung als zweijähriger Freiwilliger bei der Compagnie verzichtet, da Sie jüdischen Glaubens sindwelches die Compagnie erst nachträglich erfahren hat. Anbei Meldeschein zurück. Im Aufträge gez. Kloffa. 2. An den Herrn Kommandeur des 2. Schles. Grenadierrcgiments Nr. 11, hier. Breslau, 18. Mai 1903. Das umstehend abschriftlich mitgetheilte Schreiben geht uns zu. Bevor wir dasselbe veröffentlichen. gestatten wir uns die ganz ergebenste Anfrage, ob Bestimmungen existiren, welche der Einstellung von Juden als zweijährig Freiwilligen hinderlich sind bezw. den BerzW des Herrn Hauptmanns rechtfertigen. Mit ausgezeichneter Hochachtung ergebenst Die Nedaltion des Jüd. Volksbl. 3. Grenadierregiment König Friedrich Ni. (2. Schles.) Nr. 11. Was die Form des abschlägigen Bescheides anlangt, kann das Regiment dieselbe nicht billigen. Bestimmungen darüber, daß Leute jüdischen Glaubens als zweijährig Freiwillige nicht eingestellt werden dürfen, exiltiren nicht. Die Beantwortung war Umstände halber nicht eher möglich, v. Rohrscheidt. Das genannte Blatt begleitet die Veröffentlichung dieses Briefwechsels mit folgenden Bemerkungen: - Das hat uns Niemand erst beweisen brauchen, daß im Preußischen Heere kein Jude Offizier wird, daß. wie'man sagt,, selbst die Knöpfe versagt werden. Aber man hat sich doch bisher gescheut in irgend einem Falle geradezu die Zurücksetzung eines Juden mit seinem Glauben zu begründen, schriftlich zu begründen.. Diese Scham vor der Verletzung der Verfassung tritt zurück. Das Regiment hat seine Mißbilligung ausgesprochen. Damit wäre der Fall für uns erledigt, könnte nicht der Einwand erhoben werden, daß sich die Mißbilligung des Regiments nach dem Wortlaut nur gegen die Form des Schreibens richtet. Aber auch in der Sache hat das Regimentskommando die Existenz von Bestimmungen, welche die Einstellung von jüdischen zweijährig Freiwilligen verhindern, verneint. Mit der Form ist wohl die Begründung gemeint. Wir haben zu der militärischen Geradheit des Herrn Obersten das Vertrauen, daß wir keinen Anlaß haben seine Worte zu deuteln. Daß der Fall unmittelbar nach der Verabschiedung des durch seinen Gerechtigkeitssinn allgemein hochgeschätzten Corpskommandeurs, des Erbprinzen von Sachsen-Meiningen, paffirte, erregte ziemliches Aufsehen und gab zu allerlei Kombinationen Anregung. Wir freuen uns, konstatiren zu dürfen, daß dieselben müßig sind. Wir sind dem Herrn Obersten v. Rohrscheidt zu viel Dank verpflichtet, daß er uns durch seinen klaren und prompten Bescheid dazu Anlaß gegeben hat. E n g l a n b. * . London. (Eingeborene australische Juden.) Bekanntlich leben in verschiedenen Welttheiken Juden, die mit den morgenländischen und europäischen Juden, die sonst sehr Zusammenhalten^ alle Gemeinschaft verloren und die Lebensgewohnheiten und Sitten der Eingeborenen der betreffenden Lander angenommen Haben, obwohl sie sonst zähe an ihren alten Gebräuchen hängen. So lebt in China, worüber wir bereits verschiedentlich berichteten, ein jüdischer Stamm, dessen ° Mitglieder wie die Chinesen Zöpfe tragen, und sich äußerlich von den letzteren nicht unterscheiden, und im Laufe der Zeit in Folge der langen Abtrennung von dem Hauptstamm auch bic üblichen rellgiöfen Hebungen und Gebräuche fast ganz verloren haben. In Indien gibt es 17,180 Juden, von denen nur etwa ein Drittel europäischer Herkunft ist, während die anderen sich rühmen, von denjenigen Juden abzustammen, die zur Zeit des Königs Salomo nach Indien ausgewandert sind. Auch in Abessynren soll es ja eingeborene schwarze Juden geben, ebenso wie es in Arabien auch arabische Juden gibt. Das alles ist gewiß verwünderlich. wird^aber noch bedeutend übertroffen von einem jüdischen Stamm, der unter den Eingeborenen in den Wäldern von Westaustralien einheimisch sein soll. Dafür bürgt die in London erscheinende jüdische Zeitschrift „Jewish Chronicle", die sich darüber, wie aus Ausiralicn geschrieben wird, folgendermaßen ausläßt: „Nach uns zugegangenen Berichten wurde etwa 1000 Meilen jenseits des Leopold-Gebirges von einem Regierungs-.