Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 46 (10.6.1903)
- Date
- 1903-06-10
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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44, Jahrgang. Tie ZWiWmn Les WWcii dlslktskiats! Unter diesem Titel hat Frl. Sara Rabinowitsch aus Mohilew eine gediegene Abhandlung veröffentlicht, die gerade jetzt, wo in Folge der Kischinewer Greuelthaten unsere Aufmerksamkeit auf die Brüder in Rußland gelenkt wird, ganz besonderes Interesse beansprucht. Verfasserin erzählt uns von der 1495 erfolgten Aüsweisung der Juden aus Kittauen und deren'nach acht Jahren erfolgten Rückkehr dorthin. Jetzt schlossen sie sich fester zusammen, um jene solidarische Körperschaft den' „Kohol" aus sich heraus allmählich zu entwickeln, die bis vor kurzer Zeit fast allein das ganze wirthschaftliche und soziale Leben der russisch-polnischen Juden regelte. Maßgebend für die Bildung dieser Körperschaften waren ein soziologisches, ein fiskalisches und ein religiös nationales Moment. ...Wo das geltende Recht eine bestimmte Gruppe von Menschen aus seinem Schutze ausschließt, entsteht in dieser selbst die Tendenz, eine Gemeinschaft einzugehen. um durch die Macht ihrer Organisation sich selbstständig Schutz zu verschaffen." (Brentano, die Arbeitergilden der Gegenwart. Leipzig 1871.) Dies gilt auch für die jüdischen Arbeiter in Rußland. Der Staat ließ dies gerne geschehen und zwar aus rein fiskalischen Interessen, weil das Vorhandensein von jüdischen Vereinigungen es ihm leichter machte, sämmtliche Juden eines Ortes als, ei ne Steuerqnelle zu betrachten und zu behandeln. Der religiöse Kultus wurde zum äußeren Merkmale und Innern Hali der jüdischen Gemeinde. „Daneben entwickelte sich ein großartiges System der synagogalen Mohlthatigkeit, zu deren Anhängseln ebenfalls spätere Brüderschaften geworden sind." Was nun die Thätigkeit des „Kahal" auf wirth-; schaftlichem Gebiete anlangte, so hatte er in erster Linie die mühsam erworbenen Judenprivitegien zu verfechten und durch neue zu ergänzen. Hatte er ein wirthschafiliches Recht für die Juden erworben, so pflegte er es zu monvpolisiren, d. h. er führte die „Chasaffa" ein. wodurch sämmtliche Angehörigen des Koho! möglichst gleichmäßig in dessen Besitz gesetzt wurden. Hiernach durfte kein Jude mit dem Besitzer eines Grundstückes (Haus oder Bränntweinschenke) in .*) I« den voikc-'.'.'irilischafNichen Abkaildlmlycn der b>idische-r Hochschrgen. erschienen bei C. B rann. HosbuHhondluüg. ^yri.Lrutzc ItW. Preis 5 M. S1 vui und iQZ 2. Verbindung treten, um durch.Ueberbieten, den bis-- herigen jüdischen Pächter zu verdrängen. Ebenso vertrat der Kahal auch die Rechts der jüdischen Handwerker im Kampf mit den polnischrussischen Zünften. Eine diesbezügliche diplomatische- Verhandlung des Kahal zu Lutzk aus dem Jahre 1539 ist noch urkundlich vorhanden (cfr. Berfchadsky, Dokumente und Register zur Gesch. der Juden in Litauen).-' Ja noch mehr, der Kahal trug im 17. und 18. Jahrhundert die ganze faktische Verantwortung für das -. Handwerk. 1840 wurde der Kahal seitens der Regie-,, rung aufgehoben. - . An Stelle des Kahal traten nach. und. nach Ar--, beitervereinigungen Chebras. Sie tragen - immerlokalen Charakter, entbehren, jeder Agitation, indem, stein ihrem Grundton jenes staatsfreundliche. . Organi-/ sationsprinzip vertreten, welches das Wesen des . histo^ rischen Judenthums bildet und in keinerlei Beziehung' steht zum russischen Fabrik-Proletariat, das im söge-., nannten „Bund" seinen Sammelpunkt hat. Mohilew, eine Stadt mit 46,918 Einwohner,^, darunter 1288 Handwerker und hiervon 776-Juden? oder 60,2*fc. . Diese Handwerker bilden folgende Chebra:-,-. - '1. Schuster, 2. Uhr- und Goldarbeiter, 3.'Blechner, und Klempner. 4. Damenschneider, - 5.' Tischler,: 6. Ofensetzer, 7. Maler, 8, Tabak- und Cigarrenarbeiter, 9. Buchdrucker und 10. Gerberchebra. - -^, - Im ganzen Gouvernement Mohilew befanden sichunter 359 Brodbäckern 333 Juden, 269 Weckbäckern (200), 444 Metzgern (427), 34 Konditoren (16). ' .177 , Oelsiedern (69), 1533 Schneidern (1476).' 1774'' Schustern (1215), 49 Modistinnen (15),' '13 Hand-. schuhmachern (13). 1 Hutmacher (1), 265 Mützen-.' macher (234), 20 Kürschnern (16), . 1 Posämenlirer^ (1). 337 Ofenmacher (156), 684 Schmieden (514),'.' 267 Zimmermeistern (68). 658 Tischlern (477)/11Ä' Schloyern (58), 145 Blechnern (120), .76.Kummet-., macher (19), 80 Wagnern (1), 184 Glasern j(l84)^.. 12 Drechslern (1), 2 Klaviermachern (—), 397.Fuhx-> leuten i307), 30 Erdgräbern (20), 33 Stukkateuren.. .(19), 12 Uhrmachern (6), 2 Wichsenmachern (2), i.lQf. .Pflasterern (8), 118 Färbern (87), 176 Buchbindern,. (167), 56 Ofensetzern (52), 21 yjiöumn (3). ,„( . Wir sehen aus. diesen Zahlen',., daß dse.meisten/ proletarischen Betriebe Mohilew^. von Juden! hekriebest.^ sind. Und ebenso'wie'm.Mohilew'.isk;es aüK aWr^-'', wo. Der Russe und Pole ist'in den meisten 'Fassest zu'! Uräg, oft zu schwerfällig, 'ü'm ein Häü'dw'erk Mrk/Er- Dcr Jude dagegen ist fleißig und nüchtern, schreckt vor-