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Der Israelit · 1903-06-10 · Heft 46 (10.6.1903) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 46 (10.6.1903)
Date
1903-06-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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und überdies nach altgermanischer Auffassung die Hölle nur mit solchen Verbrechern bevölkert werde./ 'Wenn der Verfasser (S. 32) gegen die Juden den schweren Vorwurf erhebt, „daß sie ihre religiöse Sonderstellung zu wahren trachteten", und daraus indirekt eine Entschuldigung herleitet für die unsäglichen Greuel und Schandthaten mittelalterlicher Judenverfolgung, so charakterisirt solcher Adel der Gesinnung und solche Anschauung vom Werthe religiöser Ueberzeugung, wie er hier bekundet, ihn selbst mehr als die Juden! Wollte man alle Fehler und Entstellungen des Verfassers, die häufige Verwechslung von Ursache und Wirkung, die vielen boshaften und bissigen Bemerkungen verzeichnen und richtigstellen, so würden sie ein ebenso umfangreiches Buch füllen, wie es das vorliegende selbst ist. Doch wen sollte solches interessieren? Daß da und dort auch ein richtiges, und'gerechtes Urtheil über' die Juden und ihre Verdienste um Ausbreitung und Vervollkommnung des Handelswesens, und somit um den Fortschritt und die Entwicklung des Kulturlebens mit unterläuft, soll zugegeben werden, doch kann man auch da das Gefühl nicht loswerden, einem übelwollenden, gehässigen und feindlich gesinnten Beurtheiler gegenüberzustehen. Wir wiederholen daher das Eingangs gefällte Urtheil: Schade um die prächtige Ausstattung dieses Buches, auf die der Verleger viel Mühe und Sorgfalt gewendet hat, schade um die kunst- und geschmackvollen Nachbildungen und Illustrationen, in denen leider wieder Spottöilder und Karrikaturen vorherrschen und Lberwiegen, die es aber dennoch verdient hätten, daß der sie begleitende Inhalt nicht so werthlos sei. Dr. I. H o l z e r. (Sämmtliche jüdische Blätter, die bis jetzt Besprechungen des Buches gebracht haben, verurtheilen dasselbe ebenso einmllthig, wie wir, und zwar aus ähnlichen Gründen, wie unser Herr Recensent. Wenn aber der Herr Verfasser sich über diese für ihn so wenig schmeichelhafte Thatsache mit dem Tröste hinwegsehen wollte, daß jüdische Blätter eben nicht „unparteiisch" über sein Buch zu urtheilen im Stande seien, so müßte ihm das Triumphgeheul, das die Gesinnungsgenossin der Kischinewer Räuberhorden, die „Staatsbürgerzeitung", bei Erscheinen des Buches angestimmt hat, über den wahren Werth seines Machwerks genügend die Augen öffnen. Das Blatt kann seinem Jubel kaum Einhalt thun, es druckt ganze Spalten aus dem Pamphlete ab, so eine veraltete Darstellung der Geschichte von Jud Süß wörtlich. Die Forschungen Ktrchenrath Kroners sind Herrn. Liebe und seiner Abschreiberin unbekannt. Wir glauben mit dem Herrn Referenten ebenfalls nicht, daß der Herr Verfasser dem Gassenantisemitismus Material liefern wollte, daß er es aber leider gethan, das beweist der Artikel der -Staatsbürgerin" vom 2. dss. Mts. Red. d. „Jsr.") ZettuNgsnachrichten und Correfporrdevzett. V;' % .. Deu 1 s ch l an d. - \ . Berlin, 7. Juni. Wie wir erfahren, haben: djö Sammlungen des Hülfsvereins der deutschen Judüi.; ./ zu Gunsten unserer Glaubensgenossen in; Kischinew . | bisher die Summe von Mk. 425,060 ergeben./ Der. ...! Erfolg ist ein außerordentlich erfreulicher, aber gegen- >j über dem Unglück muß darauf hingcwiesen werden- .! daß sehr große Anstrengungen werden gemacht'werden / j müssen, um es den zahlreichen. Völlig zerstörten wirth-- - schaftlichen Existenzen zu ermöglichen,, wieder in/ge- . ordnete soziale Verhältnisse zu gelangen. " / '- Für die Zwecke des Hülfsvereins sind in diesen .. Tagen weitere 300,000 Mk. verfügbar geworden/Die. verstorbene Frau Baronin C o h n -O ppenhei m.// hat ihrem Verwandten, Herrn Dr. Paul Nathan, dem Geschäftsführer des Hülfsvereins im Ehrenamte,-? testamentarisch 300,000 Mk. vermacht mit der Auf-' läge, dieselben zu Gunsten des Hülfsvereins zu der-, wenden. ' •. ■ - - /,. -;•••• //. Gailingen, im Juni. Die Nachricht von, einem herrlichen Feste, das vergangenen. Schobuoth im-hiesigen Orte in bescheidenem Rahmen begangen wurde, dürfte ihrer Seltenheit halber wohl Werth sein, durch? Ihr gesch. Blatt verbreitet zu werden,. da wir an-: . nehmen, daß sich auch ein weiterer Kreis für derartige, echt jüdische Feierlichkeiten interessiren dürfte.. Unsere Brüderschaft ai» 121 feierte nämlich am genannten Tage ihr 100jähriges Jubiläum. Die Feier wurde von Seiten unseres Herrn Bezirksrabbiners, Dr. Spitz, durch eine tiefdurchdachte und form- . vollendete Festpredigt eröffnet. Derselbe schilderte in trefflicher Rede Zweck und Ziele des Vereins und schloß mit dem Wunsche, daß es. der Jubilarin, die ihrer Devise. v'vp ovb zu wirken, stets treu geblieben ist, vergönnt sein möge, noch viele, viele Jahre zum Wohles und Heile der hiesigen Einwohnerschaft zu. wirken. Nach Beendigung des Gottesdienstes versammelte sich die Ehebra im Hause ihres ältesten Mitgliedes. Abraham Metzger, der heute im Alter von 87 Jahren steht, woselbst Religionslehrer Eisemann, anknüpfend an den p'oor inm onrri 'ji w vb innv nern rw'öion mim „Gebirge mögen , weichen, Hügel sich auflösen! meine Huld weicht.von dir nie! mein Friedensbund wird nie aufgelöst! so spricht der. Allerbarmer, der Ewige," eine kurze., htpTV hielt. - . - . . - ..? Mittags 1 Uhr wurde in den prächtig, geschmückten Räumen des Hotels.„Adler" ein-BanM veranstaltet. Dasselbe nahm folgenden Verlauf:. Heve* ' Solomon Js. Bloch, Präsident der Chebra, hieß zunächst sämmtliche Gäste herzlich willkommen - und j feierte in kurzen Worten die Gründer des Vereins, die' I keine Opfer an Zeit und Geld gescheut, um die Bru-

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