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Der Israelit · 1903-11-23 · Heft 93 (23.11.1903) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 93 (23.11.1903)
Date
1903-11-23
Page
– (sequence 7)
Language
German
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2045 Wir lassen hier aus dieser Schrift das dort mitgetheilte kaiserliche Urtheil folgen und kommen später auf die Fortsetzung des interepanten Berichts zurück, in welchem der Sohn seine letzte Unterredung mit dem Fürsten von Turenne mittheilt. „Am folgenden Freitag," schreibt in seiner Megillas Ebah Rabbi Jom tob Lipman Heller, „wurde mir folgendes kaiserliche Urtheil zugestellt: Nach dem Urtheil der Kommission hätte ich von Rechtswegen den Tod verdient. Aus angeerbter Gnade und Milde Sr. Majestät soll auch mir Gnade widerfahren, daß ich nämlich mein Leben mit der Summe von 12,000 Rthl. ablose, die sofort zu bezahlen sind. Meine Schriften aber sollen verbrannt werden. Weigere ich mich diese Summe sofort zu zahlen, so soll es bei der ausgesprochenen Todesstrafe fein Bewenden haben." Zn dieser Notb reichte ich eine Supplik bei Sr. Majestät dem Kaiser ein, in der ich zunächst für die laiserliche Gnade dankte, die mir das Leben schenkte. Ick, machte jedoch geltend, daß dieses Geschenk an eine Bedingung geknüpft' ist. deren Erfüllung für mich geradezu unmöglich ist. Man glaubte mir jedoch nicht, da Juden ausgesagt hatten, daß ich ein sehr reicher Mann sei. Am Sabbat, dem ersten des Monats Menachem- Ab, sagte der Kanzler zu meinem Rechtsbeistand im Namen des Kaisers, folgendes: Wenn sich der Rabbiner zur Einzahlung der festgesetzten Summe nicht versteht, so muß er wieder zurück in's Gefängniß, in dem er zuerst war. Von dort soll er an drei öffentliche Plätze in Wien geführt und an nacktem Leib gegeißelt (gestäupt) werden; dasselbe soll auch in Prag mit ihm geschehen. Das fei noch nie geschehen,.so lange Juden in der Zerstreuung leben, aber eben darum soll ein Exempel statuirt werden, das allen Juden zur Schmach gereicht, daß solches einem Rabbiner der größten jüdischen Gemeinde widerfährt. . Da fielen unsere Unterhändler ihm zu Füßen und stellten ihm vor, daß es unmöglich sei, den Willen des Kaisers, betreffs der hohen Geldstrafe, zu erfüllen. Der Kanzler aber entgeanete: Eure eigenen Glaubensgenossen haben ja ausgesagt, daß der- Rabbi so reich sei, daß diese Geldstrafe nicht den fünften Tbeil seines Vermögens ausmacht. Darauf versichteren ibm jene, das sei eine verlogene Behauptung. — Der Kanzler versprach ihnen nun, mit dem Kaiser zu meinen Gunsten zu sprechen und beschied sie auf den folgenden Tag. um das Resultat seiner Bemühungen entgegen zu nehmen. Nach wiederholten Besuchen versicherte ihnen der Kanzler in hartem Tone, daß der Kaiser die Geißelstrafe nicht habe erlassen wollen. Aber er habe es endlich erreicht, daß alles erlassen werde, wenn man eine Strafe von 10,000 Gulden zahle. Diese 10,000 Gulden, fügte er hinzu, tonnt Ihr um so leichter aufbringen, da es Eure Religion vorschreibt, alles zur Lebensrettung eines Menschen aufzubieten. Um wie viel mehr ist es Eure Pflicht, alles zu thun, für das Leben eines Mannes, der nach Eurer eigenen Aussage so hochverehrt dasteht. Ja, wie ich Here, ist es auch Pflicht auswärtiger Juden, zu einem solchen Zweck Opfer zu bringen. Auf die Entgegnung, daß das Gesetz keine Opfer vorschreibe, die nicht dem Werth der zu befreienden Person entspreche, ereiferte, stch der Kanzler und sprach: „Wie, gibt's denn über-. Haupt eine Schätzung für einen Mann von dieser- Bedeutung? Wollt Ihr Euch zu diesem Lösegeld verstcben, so will ich es versuchen, den Kaiser zufrieden zu stell!cn, andernfalls bleibt es beim ersten Urtheilsspruch." ' . \ Am Donnerstag, am 6. des Monats Menachem- Ab, eröffnete ihnen der Kanzler, daß er beim Kaiser die Ermäßigung der Lösungssumme, auf 10,000 Gulden erwirkt habe. Nach wiederholten Bitten erlangte ich die Genehmigung, die Summe in Terminzahlungen leisten zu dürfen und zwar. 2000 Gulden sofort, 1000 Gulden nach secks Wochen, und die übrigen 7000 Gulden in vierteljährigen Raten ü 1600 Gulden, bis der ganze - Betrag erlegt sei. Möge es Gott dem bereits erwähnten edlen Rabbi Jakob Schmilas zum Guten gedenken, was er mir damals gethan, der als der Erste. 2000 Gulden aus eigenen Mitteln in Wechseln für mich zahlte..Die Vorsteher und Aeliesten in Wien bedachten mich mit 700 Gulden. Mein Freund Rabbi Henoch, der von Prag nach Wien als mein Beistand mitgereist war, verehrte mir 100 Thaler und verbürgte sich auf die Hälfte der übrigen Summe mit seinem Schwiegersohn, Herr Wolf Slawis. Für die andere Hälfte verbürgten sich für mich andere, würdige und verehrte Männer. Ich habe bereits den Vorsatz ausgesprochen, dem Nathe der Weisesten unter den Weisen zu folgen (Mischle Kap. 17, V. 16), wonach derjenige klug handelt, der verübtes Unrecht schonend verdeckt. Deßhalbwill ich auch nicht von den Schwierigkeiten sprechen, die meine Gegner zu Prag in Szene setzten, um diese Bürgschaft zu vereiteln. Sie sind bereits gestorben, möge ihnen ihre Sünde erlassen und ihr- Unrecht gesühnt sein! Aber in Wirklichkeit haben sie eine große,- . zum Himmel schreiende Schuld auf sich geladen. Denn als sie sahen, daß durch Gottes Gnade mir die Todesstrafe erlassen worden war, bemühten sie sich, in Wien durchzusetzen, daß ick meines Rabbinats entsetzt werde; . und sie setzten es in der That durch. — Als ich noch im,.. Gefängniß war, bis die Bürgschaft für mein Lösegeld zu Stande kam, eröffnete der Kanzler dem jüdischen Syndikus, daß ich auf Befehl des Kaisers des Rabbi-, nats zu Prag entsetzt sei. Das.schmerzte, mich.-mehr!"* als alles, was mich bis jetzt betroffen hatte,ckWM/!S... mich mit Schmach überhäufte, mich völlig nahrungslos ließ und auch in den Augen der Welt herabsetzte. Alle WT

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