Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 93 (23.11.1903)
- Date
- 1903-11-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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'umrne von Arbeit, die mit der Fertigstellung eines jeden Theiles dieses immensen Werkes verknüpft ist, ist es gewiß als eine Leistung zu bezeichnen, daß die einzelnen Bände in solch' oerhältnißmäßig geringen Zwischenräumen stch dem Publikum repräsentiren können. Was die Bärtrefflichkeit dieses einzig dastehenden Nachschlagewerkes betrifft, so ist die Kenninrß davon schon derart in alle Kreise .ekngedrungen, daß eine weitere Schilderung derselben wohl unterbleiben kann. Dagegen möchten wir nicht unterlassen, darauf hinzuweisen, welch' enormer Werth gerade für den Juden in dem Besitze dieses Lexikons liegt. Daß sämmtliche biblischen Eigennamen und Begriffe, und die in die deutsche Sprache übergegangenen hebräischen Worte ihre ausreichende Erläuterung finden, in selbstverständlich. In diesem Bande, befinden sich z. B. Artikel unter den Stichworten: Cherub, Kerubim, Dan u. a. In dem Aufsätze „China" befindet stch ebenfalls eine kleine Abhandlung über chinesische Juden. Etwas aber ist es, was den Band uns besonders werthvoll macht, ein Gegenstand, den wir noch nirgends in solcher Ausführlichkeit und Klarheit dargesiellt gesehen, und das ist der lichtvolle Artikel über die Ausbreitung der Religionen in Deutschland. Derselbe ist in vortrefflicher Weise durch zwei Karten illustrirt, deren eine die Ausbreitung der Christen, und deren andere die der Juden über Deutschland veranschaulicht. Es sei uns erlaubt, einige interessante Taten hieraus wiederzugeben. Demnach hat von allen Provinzen und Städten Deutschlands Berlin den größten Prozentsatz an jüdischer Bevölkerung aufzuweisen. Unter tausend Einwohnern befinden sich 48,8 Juden. Weit hinter ihm steht diejenige Provinz, die den zweitgrößten Prozentsatz besitzt. Es ist Hessen-Nassau mit 25.3 Juden auf tausend Einwohner, denn in seinem Gebiete liegt Frankfurt a. M.. Dann folgt Hamburg mit 23.4. Hessen mit 21.9. Posen mit nur 18,7, Elsaß-Lothringen mit 18.8. Baden mit 14. Bay. Pfalz mit 12.2 pro Taus.■ Di; übrigen schwanken zwischen 10 und 1. Die wenigsten Juden wohnen verhältnismäßig in Schw. Rudolstadt mit 0.5 und in Neuß ä. L. mit 0.7. Der Durchschnitt für das deutsche Reich beträgt 10,4 p. T. Dieser Prozentsatz bedeutet eine erhebliche Verminderung der Anzahl der in Deutschland lebenden Juden.. 1871 betrug er noch 12.5. 1880 12,4. 1890 11.5. Ein steter Rückschritt ist also deutlich ersichtlich, wenn auch positiv die Juden sich vermebrt haben. In Landschaften mit dichterer jüdischer Bevölkerung ist dies noch deutlicher erkennbar. So z. B. in Hessen von 29,7 im Tausend auf 21.9. in der baver. Pfalz von 20,2 auf 12,2. Ebenso verhält es sich mit den anderen Provinzen. Im Gegensatz hierzu zeigt Berlin und seine Vororte ein beständiges Anwachsen der Verhältnißzahl. So von 43,6 un Jabre 1871 auf die schon obenerwähnte Ziffer 48,3 im Jahr 1900. Wie diese kurze Uebersicht zeigt, bietet das Werk diel des Interessanten und sein Ankauf kann nur dringend empfohlen werden. I. L. Feuilleton. Im tob Hum Heller. i3i Von Heinrich Lebermann. XVI. Boll Angst und Hoffnung eilte ich zu Fuß in das Haus des französischen Gesandten, weil ich durch Be- ' Nutzung eines Wagens die Aufmerksamkeit unserer;■ Gegner auf mich zu lenken fürchtete, die jeden meiner! Schritte controllirten. Müde, matt und mit Todtenblasse bedeckt, kam ich in das Palais des Gesandten und mußte im Antichambre noch gegen eine halbe Stunde warten, welche kleine Zeit mir wie ein Jahr vorkam. Tann kam der Gesandte zu mir heraus und sagte: \ „Mein lieber Sohn. Ihr Vater wird am Leben bleiben und die Gemeinde wird nicht verjagt werden! > Man wird Gnade walten lassen, so daß nicht ein Ein- - ziger seinen Ort zu verlassen braucht. Tie Strafe! wird in Geld umgewandelt. Hätte ich früher von der? Sache gewußt, so hätte es keinen Pfennig kosten dürfen,! aber jetzt hat der Prozeß schon zu große Dimensionen - j angenommen."; Mit diesen seinen Worten ließ der edle Fürst meinen Lebrnsmuth wieder neu aufleben. Ich küßte \ den Saum seines Kleides und mußte heftig weinen;! es waren Freudenihränen. Dann nahm er mich in sein i Privatkabinet und erzählte mir unter der Bedingung. \ daß .ich zunächst gar keinen Gebrauch davon machen! dürfe, den ganzen Hergang der Sache. Dann trug er j mir auf, in einigen Tagen wieder zu ihm zu kommen,! er wolle mir dann ausführlich mittheilen, woher eigenti lich der Zorn des Kaisers gegen meinen Vater und - gegen die Juden im allgemeinen rühre, wer die Ver-! leumder seien, was ihr eigentlicher Zweck ist und welches! Verhalten ihnen gegenüber von jetzt ab und weiter ge-! boten sei. denn es sei noch viel in der Sache zu thun.! Die Fürstin konnte ich, da sie nicht ganz wohl war, jetzt nicht sprechen, um ihr meinen Dank zu sagen, und eilte wie neugeboren zu meinem Vater, um ihm die Botschaft zu bringen. Am folgenden Tage erfolgte die Entscheidung Sr. Majestät des Kaisers, wie sie mein Vater in seiner kleinen Schrift Megillas Ebah mitgetheilt hat.