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Der Israelit · 1903-11-23 · Heft 93 (23.11.1903) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 93 (23.11.1903)
Date
1903-11-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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2041 Blätter, die Schandthaten eines Einzigen unter Tausenden .der Gesammtheit aufzudecken! Sucht Eure Macht nie zu mißbrauchen! Mißbrauchen aber wird sie niemand, der in Wahrheit ein frommer Jude ist! Das 20. Jahrhundert birgt vielleicht große Ereignisse in seinem dunklen Schoße. Der gewaltige Aufschwung der Technik, des Verkehrs, des- Handels, der Künste und Wissenschaft, hat in seinem Siegesschwung die Schranken niedergerissen, die einst die Völker trennten. Die Kabinetsvolitik des 18. Jahrhunderts hat einer Realpolitik auf wirtschaftlicher Basis Platz gemacht. An die Stelle der Idee des europäischen Uebergewichts ist der. Gedanke des politischen Gleichgewichts getreten. Die Stürme der Revolutionen sind verbraust. Der Baum der Menschheitskultur blüht. Laßt Euch nicht entmuthigen! Ein eigenartiger religiöser Zug geht durch unsere Tage! Werdet Jünger der Menschheitskultur, und bleibt treu dem Judenthum, denl rocher de bronce der Weltgeschichte, der ein Leuchtthurm des ursprünglichsten Gotteshauses, sein ewiges Feuer in die Dämmerung der Jahrtausende hineinstrahlt. Zettungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 18. Rov. Wie wir erfahren, soll in Wien ein Bild existiren, das Rabbi Jom tob Lipmann Heller im Gefängniß darstellt. Da wir das Bild gern im „Israelit" zum Abdruck bringen möchten, unsere Wiener Herren Correspondenten sich aber außer Stande erklärten, uns dasselbe zu besorgen, so richten wir hierdurch die Bitte an unsere Leser, daß, falls ihnen eine derartige bildliche Darstellung begegnet sein sollte, sie uns auf deren Spur verhelfen möchten. Sie seien im vorhinein unseres Dankes versichert. Berlin, 18. Rov. (Der Rabbiner-Verband in Deutschland.) Der geschäftsführende Vorstand des Rabbiner-Verbandes in Deutschland ladet zu der statutenmäßigen Jahressihung des Zentral-Ausschusses auf Mittwoch, den 23. Dezember c., Vorm. 10 Uhr. nach Berlin, Oranienburgerstr. 30—31, ein. Die Tagesordnung enthält: 1. Bericht über die Geschäftsführung des Verbandes seit der Rabbiner- Versammlung in Frankfurt a. M. 2. Kassenbericht und Entlastung des Kassirers. 3. Bericht des Vorsitzenden der Kommission zur Berathung der Anträge aus Statutenänderung- (Dr. Cohn-Kattowitz). 4. Bericht 1»es Vorsitzenden der Kommission zur Beräthung der Statuten des Ihnen bereits früher zugegangenen Entwurfes der Pensions- und Reliktenkaste deutscher Rabbiner (Dr. Freudenthal-Danzig). 5. Bericht des Vorsitzenden der Kommission zur Schaffung geeigneter Lektüre für die jüdischen Strafgefangenen (Dr. Präge r-Kastel). 6. Wahl eines Vertreters für den Ausschuß zur Berathung der Gesammtorganisation der deutschen Juden. 7. Beitrag des Rabbiner- Verbandes zu den Ausgaben des deutschen Nationallommitees zur Bekämpfung des Mädchenhandels (Dr. Werner-München). r Frankfurt a. M. Die „Mittheilungen aus dem Verein zur Versicherung gegen Stellenlosigkeit ^et?) (7QL>. Organ für die Interessen des gesetzestreuen jüdischen Kaufmannstandes." schreiben: E i ne neue G es a h r. Das Kaiserlich Statistische Amt ist zur Zeit mit Erhebungen beschäftigt, die die Arbeitszeit in Kontoren, die nicht zu offenen Verkaufsräumen gehören, also im Großhandel, zum Gegenstand haben. An und für sich ist es ja ganz natürlich, daß, nachdem für die Detailgeschäfte im ganzen Deutschen Reich eine Ladenschlußstunde und damit indirekt auch eine Begrenzung der Arbeitszeit der dort thäiigen Ge- 1 Hilfen herbeigcführt wurde, nunmehr auch an eine Regelung der Arbeitszeit des Großhandels gedacht wird. Es ist nur bedauerlich, daß jene sozialpolitischen Reformen, die für die Allgemeinheit sicher nur Gutes wirken, unseren Gesinnungsgenossen, die an der Wahrung des Sabbats festhalten, schwere Schädigungen bereiten. Noch bluten die Wunden, die uns das Sonntagsruhe-Gesetz. geschlagen hat. Wie manches vordem blühende Detailgeschäft ist seitdem in seiner Entwicklung zum Stillstand gebracht worden! Wie viele Geschäfte, deren Inhaber in ihrer Ueberzeugung nicht fest genug waren, sind jetzt am Sabbat geöffnet! Wenn noch ein paar Jahre in's Land gegangen sein werden, wird man in unseren Großstädten am Sabbat geschlossen haltende Detailgeschäfte, die nickst der Befriedigung ritueller Bedürfnisse dienen, als seltene Ausnahmen ansehen müssen. Es liegt in der Natur der Dinge, daß die Kräfte, denen im Detailgeschäft eine Bethätigung versagt ist, ihren Weg im Großhandel suchen, und so wird man für die Zukunft noch mehr als bisher damit rechnen müssen, daß die Mehrzahl der am historischen Judenthum Festhaltenden in Deutschland ihren Lebensunterhalt direkt und indirekt im Großhandel suchen muß. Um so bedeutungsvoller und folgenschwerer werden für uns Bestrebungen sein, die auch diesem Geschäftszweige Beschränkungen bezüglich der Arbeitszeit auferlegen wollen.._ . ‘ ' - --- In dem bisherigen von der Behörde nicht kontrol- I lirten Zustand der Dinge war es möglich, die durch den freiwilligen Sabbatschluß wie durch, die.aufgezwungene Sonntagsruhe versäumte Zeit, durchimen-

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