Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 41-42 (28.5.1903)
- Date
- 1903-05-28
- Page
- – (sequence 34)
- Language
- German
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„Das ist ja gerade das traurige, daß er seine . Zeitung liest; man feierte die Erfindung des Buch- I drucks als eine Erlösung der Masten vom Aberglauben und der Unwissenheit, und wozu mißbraucht die Menschheit diese herrliche Errungenschaft?, sie verhetzt das. Volk 'und stachelt seine niedrigsten Leidenschaften auf. Statt daß sie Licht werden läßt in den Köpfen der Menge, benutzt sie das Licht, um verheerende Brände damit zu entzünden. Der „Bessarabetz . „Ich sehe, lieber Vater, wir werden nicht einig; auch der dümmste Bauer muß heute einsehen, daß jeder Mensch, der der menschlichen Gesellschaft durch seine Thätigkeit von Nutzen ist, ein nothwendiges Glied eben dieser Gesellschaft ist und daß man ihn in Frieden wohnen lassen muß. Und wenn es selbst der Bauer nicht einsieht, die Behörde weiß, ein wie werthvolles Element für die Kultur gerade die Juden sind, sie wird sie schützen! Also lassen wir nächstes Jahr diesen Satz voll Unduldsamkeit weg." „Nein, nein, Kinder, die Zeit ist noch nicht erfüllt. Würden sie da draußen in den zweitausend Jahren, seitdem der Stifter ihrer Religion dahingegangen, wenigstens die Liebe des Nächsten, die sie auf den Lippen tragen, auch gelernt haben, im Herzen zu bethätigen, so wären wir heute weiter, aber in der langen Zeit hat die Religion der Liebe die Liebe nicht in die That umsetzen können, detzhalb gilt noch heute das Vibelwort? Gieße Deinen Haß aus, o Herr, auf die Völker, die Dich nicht erkannt haben, und.auf die Königreiche, die zu Deinem Namen nicht rufen." „Halt ein, Vater, ein moderner Mensch kann sich mit diesen rachsüchtigen Veduinenliedern nicht befreunden. Die Christen sind unsere Brüder ... „Wie lange ist es her," sagte der Vater,, „daß wir ein „Balta", ein „Kiew" erlebt haben, ist es vielleicht schon ein Menschenalter?" „In Balta und Kiew lagen die Verhältnisse ganz anders wie hier, dort waren eine Menge Nichtjuden in wirthschaftlicher Abhängigkeit von den Juden, die dort Großlaufleute, Fabrikanten und Gutsbesitzer gewesen, aber was sind unsere Juden hier? Einfache Handwerker, kleine Krämer, und die übrigen? Die Aermsten der Armen, die am Morgen nicht wissen, wo sie am Mittag das Brod hernehmen sollen. Wahrlich, wenn man Dir zuhört, dann könnte man glauben, seit den Gräuelthaten von Spanien hätte sich nichts geändert; man erinnert sich mit Schauder an die heimlichen Sedernächte in den Kellergewölben, in die plötzlich die heilige Hermandad einfiel und die ganze Familie zur Folter und zum Scheiterhaufen schleppte. Als Kinder haben wir diese Geschichten gerne gelesen, aber heute macht uns die Erinnerung daran nervös. Darum laß ab, lieber Vater, berichte uns heitere Dinge." Zwei Gorodowui (Schutzleute) treten ein. „Schau, die heilige Hermandad ist schon da," scherzte eine der Töchter. „Sieh, sieh, Iwan und Dimitri," sagte der Vater, „wie geht es Euch, wo kommt Ihr denn heute her?" „Wißt Ihr nicht, Väterchen, daß wir heute Feiertag haben? Und bei Euch soll's guten Wodky geben, da dachten wir, von einem vollen Faß fällt für uns auch ein Tropfen." . „Darauf soll es mir nicht ankommen: doch wie es mir scheint, habt Ihr dein Branntwein heute schon mehr, als Euch gut ist, zugesprochen." ’ „Gewiß, gewiß, wir haben heute schon manchen hinter die Binde gegossen, und koscheren," spotteten die Schutzleute. „Euer Glaubensgenosse Abramowitsch, der Schneider, hat namentlich herhalten müssen, aber detzhalb müßt Ihr doch noch Schnaps spenden." Und sie tranken und tranken, bis sie besinnungslos am Boden lagen. Als sie erwachten, war die ganze Familie durch entmenschtes Gesindel verwundet, verstümmelt, getödtet. . Als sie sahen, daß Niemand mehr da war. der ihnen wehren könnte, begannen t sie den Rest des Branntweins zu trinken, wofür sie'später vom Polizeimeister eine „ernste Verwarnung" erhielten. Zeitgemälde von I. I. Kraszkwsln in a utorifirter Übertragung. Heinrich trat hinter Musa's Sessel. Sie war so; dende Blitze. Die dunkelkirschrotheSammtrobe.beherrlich anzuschauen, daß ein Verehrer weiblicher Reize! setzt mit alten (aber unbezahlten) Spitzen, schmückte sich an ihrem Anblicke weiden konnte. Prächtig war in | sie glänzend. Am Arnre funkelte eine starke Spange der That diese Schönheit, majestätisch diese Gestalt. I mit einem riesigen Rubin. schneeweiß der Teint, und das üppige Haar schien das | Diese beiden Schönheiten: .Tilda, wie ein überschöne Haupt zu belasten. Die Augen schleuderten zün- . irdischer Geist, der herbeischwebte auf Nebeldunst und