Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 41-42 (28.5.1903)
- Date
- 1903-05-28
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
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lich der Erweiterung und Vertiefung jüdischen Wissens dienen, können aber ihre Ergänzung zugleich in der Pflege jüdischen Geisteslebens und allgemeiner Bildung überhaupt durch Behandlung jüdischer Zeitfragen und durch künstlerisch gehobene Unterhaltung und edle Geselligkeit finden. 3. Die nähere Einrichtung und Ausgestaltung wird den örtlichen Verhältnissen angepaßt. Es kann an bestehende Organisationen auch außerhalb der Liiteraturvereine angeknüpft werden: doch sollen, wo irgend angängig, die letzteren die Kurse als besonderen Zweig ihrer Thätigkeit betrachten unb deren Leitung (unter entsprechender Mithülfe der jungen Leute selbst) in intellektueller und materieller Beziehung übernehmen. In kurzer, präziser Form spricht darauf Redakteur Klausner-Berlin zur Frage des Wanderrednerfonds. Der Redner geht von den geringen Beitragsleistungen der Vereine zum Verband aus und vcrurtheilt den Standpunkt der Vereine, welche oom Verband etwas geboten haben wollten, während man a limine annehmen sollte, daß die Vereine dem Verband etwas bieten sollten. Der Verband könne aber den Vereinen nichts bieten, solange die Vereine dem Verband nichts boten. Um aus diesem Dilemma herauszukommen, sei der Wanderrednerfonds ge- - schaffen worden, der mit seinem mäßigen Zinsertrag jedoch nur Unzureichendes zu leisten im Stande sei. Wolle man warten, bis der Fonds — er beträgt jetzt 8600 Mark — eine Höhe erreicht habe, um auch nur Nennenswerthes zu leisten, so werde man gut thun, ein Statut ausarbeiten zu lassen, das nach der Majorennität unserer Urenkel in Kraft trete. Es bleibe somit nur übrig, auch das Kapital des Fonds und nicht nur dessen Zinsen zu verwenden. Es gebe keine größere Verschwendung, als die der Kapitalistrung für gemeinnützige.Zwecke. Je nützlicher das Geld verwendet werde, um so leichter werde sich wieder Jemand finden, welcher ein Kapital zu dem gleichen Zwecke zur Verfügung stelle. Um der außerordentlichen von dem Vorredner dargestellten Ausdehnung des Aufgabenkreises der Vereine zu genügen, müsse man darauf bedacht sein, den Litteraturvereinen andere Hilfsmittel noch zu erschließen und diese seien, da die Mitglieder nicht in höherem Maße herangezogen werden können, nur in den vorhandenen Organisationen zu suchen. Die Gemeinde Berlin müßte, an dem Beispiele Ratibors gemessen, welches bei 800 Seelen dem Litteraturvereine 60 Mark Subvention gebe, bei ihrer großen Seelenzahl dem Berliner Verein mehr als 5000 Mark jährlich bewilligen. Damit würde mehr als die Hälfte des Wanderrednersonds flüssig werden und Außerordentliches könnte geleistet werden zum Heil für die Vereine und Gemeinden, welch' letztere dann nicht nur Verwaltungskörperschaften, sondern in Wahrheit jüdische Organisationsverwaltungen wären. Herr Oscar Berlin verweist darauf, daß an den Bestimmungen des Wanderrednerfonds nichts geändert werden dürfe. Herr Fraenkel -Berlin schlägt vor, sich mit den Kuratoren des Vermächtnisses der Baronin von Oppenheim in Verbindung zu setzen. Herr Flechtheim-Brakel bittet den Verband. MitgUeder zu werben, welche alljährlich Beiträge zum Fonds zusteuern. Herr Albert K a tz erinnert, daß bereits in Nummer 6 der Mittheilungen des Verbandes die ebengenannte Propaganda dringend angeregt worden sei. Ein Antrag Klausner: „Die Konferenz sämmtlicher Litteraturvereine in Deutschland beauftragt den Vorstand, von den Verwaltungen der jüdischen Gemeinden und aus öffentlichen Vermächtnissen für Wohlfabrts- und gemeinnützige Zwecke, die denen der Litteraturvereine entsprechen, regelmäßige Zuschüsse zur Ausstattung des Wanderrednerfonds und zur Förderung der sonstigen Ziele der Litteraturvereine zu erlangen", wird widerspruchslos angenommen. Zum vierten Punkt der Tagesordnung brachte Herr W. Bambus -Berlin den Vorschlag, eine Organisation zu gründen, welche gegen einen geringen Abonnements-Betrag ihren Mitgliedern alljährlich Schriften vopul'ären Inhalts zur Verfügung stellt und diese auch dem buchhändlerischen Verkehr übergibt. Redner denkt sich diese in Form einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung mit einem Kapital von 30,000 Mark. Bei 3000 Abonnenten h 10 Mk. jährlich würden bereits die Kosten gedeckt, und alljährlich könnten 100 Druckbogen herausgegeben werden. Das Bedenken der Unausführbarkeit der Anregung theilt er nicht, da die erforderliche Abonnentenzahl leicht zu erreichen sei. Mit der neugegründeten Gesellschaft zur Forderung der Wissenschaft des Judenthums werde die Idee nicht kollidiren. de sich die erwähnte Gesellschaft in ihren Schriften naturgemäß nur an die Gelehrten wenden müsse, während durch das Projekt die Popularistrung der jüdischen Wissenschaft erstrebt werde. Die Schaffung einer Art jüdischen Kolportage sei eine unbedingte Nothwendigkeit. um den Erzeugnissen der jüdischen Litteratur einen Leserkreis zu schaffen. Der Referent bittet zum Schluß seiner Ausführungen, eine Kommission zu wählen, um das Projekt nach der litterarischen und materiellen Seite in Erwägung zu ziehen. Ein Antrag S p i e w k o w s k i. der Jugendlitteratur Aufmerksamkeit zu schenken, wird in die lange Debatte mit einbezogen. Gegen die Ausführungen Dr. Bernfeld's, daß die Ideen der neuen Organisation und der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judenthums die gleichen, wendet sich Dr. Karveles welcher die wissenschaftliche Konkurrenz bestreitet, eine ideale Konkurrenz jedoch zugibt und bittet, mit der Anregung noch bis zur Konsolidirung der Gesellschaft zu warten. .Herr Hahnlein wünscht die Ernennung einer fünfgliedrigen Kom-