Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1903-05-28 · Heft 41-42 (28.5.1903) · page 27

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 41-42 (28.5.1903)
Date
1903-05-28
Page
– (sequence 27)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2449890-2449929--58335-2522703
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

membe, die größte in der deutschen Judenheit, auch insofern tonangebend gewesen sei, als sie zuerst die Bedeutung der Litteraturvereine erkannt und dem hier befindlichen Vereine die größte Subvention zuerkannt habe, welche bisher zu diesem Zwecke gegeben worden sei. Dr. Karpeles gibt alsdann in Verbindung mit dem ersten Punkt der Tagesordnung: „Was bietet der Verband?" in längerer Ausführung den Bericht des geschäftsführenden Ausschusses. Hiernach bestehen jetzt 173 Litteraturvereine in Deutschland von iNemel bis Metz, unter ihnen Vereine, welche mehr als 600 Mitglieder zählen, Berlin sogar 740 Mitglieder. Das Hauptaugenmerk sei auf die kleinen Vereine zu richten, die häufig der einzige Sammelpunkt für die Gemeindemitglieder seien. Mehr als 16,000 Mitglieder zählen alle Litteraturvereine, die größte Organisation unter den deutschen Juden. Mehr als die Hälfte der Vereine habe der Verband mitbegründet, fast kein einziger Verein sei entstanden, bei welchem nicht mindestens der Verband Pathe gestanden hätte. Ties bedauerlich sei es, daß trotz eifrigster zehnjähriger Arbeit j es noch nicht gelungen sei, in Posen, Dresden, Crefeld und anderen Orten einen Verein zu begründen. Die positiven Leistungen des Verbandes seien die Gründung neuer Vereine, die Vertheilung von Schriften, die Ertheilung von Auskünften. Redner erinnert an das Luzzatto-Gedenkbuch, ferner an die Schriften von Berliner und Strack, welche namentlich den ärmeren Vereinen zugewendet werden konnten; mit besonderer Gcnugthuung weist er auf das Jahrbuch mit seinen vielen für die Wissenschaft des Judenthums grundlegenden Aufsätzen hin, das in diesem Jahre in 6300 Exemplaren gedruckt und völlig vergriffen ist; die Auflage des nächsten Jahres soll 6000 betragen, eine Höhe der Auflage, welche noch keine einzige jüdische Schrift in neuerer Zeit erlebt habe. In allen Fällen sei ferner den kleinen Vereinen auf Anfrage das erforderliche Material zu Vorträgen in oft sehr schwerer und mühseliger Arbeit zusammengestellt worden. Die Verleihung von Büchern habe bedauerlicher Weise eine Einschränkung erfahren müssen, da häufig nur nach wiederholten energischen Mahnungen die Bücher zurückgegeben worden seien. Mit Hülfe des Wanderrednerfonds sei in einem Jahre die Provinz Brandenburg in Angriff genommen worden; dort seien 14 Vorträge gehalten worden. In diesem Winter sei ein Redner in die Provinz Posen, ein Redner nach Westdeutschland geschickt worden. Ueberall habe man das größte Entgegenkommen gefunden. Die Mangel des Verbandes kenne Niemand besser, als die Verbandsleitung selbst, doch wie sollten die Leistungen bessere sein, wenn dem Verbände keine Mittel zur Verfügung stehen? Speziell nach der Richtung der Provinzialverbände könnte der Verband Vieles leisten; noch fehlen zu den bereits begründeten (2 westfälische, 2 in Posen, 1 in Thüringen, 1 in Birkenfeld) ein Verband in Schlesien, in der Rheinprovinz, in Ost- und Westpreußen. Erst diese Provinzialverbände könnten die Vorträge in zweckmäßigster Weise veranstalten, während alsdann der Centralverband sein Augenmerk auf das Ganze richten kenne. Von einem Erkalten des Interesses für die Bestrebungen der Litteraturvereine sei weder in Berlin, noch auch auswärts etwas bemerkt worden. Nehme die Theilnahme ab, so sei es in vielen Fällen Schuld der Leiter der Vereine, oder es liege an lokalen und provinziellen Gründen. Das Interesse werde aber erkalten, wenn nicht Mittel gefunden würden, den Mitgliedern Neues und Dauerndes zu bieten. Dazu gehöre, daß den Mitgliedern auch im Sommer Gelegenheit gegeben werde, an den Vereinen Antheil zu nehmen, z. B. durch Lektüre, deßhalb sei die Veranstaltung von Diskussionsabenden und vor allem die Einrichtung von Fortbildungskursen durchaus nothwendig. Hierdurch nur sei es möglich, das Interesse zu beleben und zu erhöhen. In unmittelbarem Anschluß daran spricht Rabb. Dr. S a m u e l - Essen in übersichtlicher Darstellung über die „Einrichtung von Fortbildungskursen," über die Nothwendigkeit ihrer Begründung, über deren zweckmäßige Ausgestaltung und über die Erfahrungen, die Redner bei der bereits in Essen bestehenden Einrichtung gemacht hat. Der Referent hob besonders hervor, daß die Vorträge in den Vereinen kein geschlossenes Ganzes bieten können; die Fortbildungskurse seien berufen, die Lücken, die der Religionsunterricht gelassen, auszufüllen, besonders bei den Schülern der Volks- und Mittelschulen. Daneben dürfe die allgemeine Ausbildung der jungen Leute nicht vernachlässigt werden, jüdisches Geistesleben müsse in weitestem Sinne gepflegt werden. .Auch der Zeitströmung könne in den Fortbildungskursen Rechnung getragen werden. Zweckmäßig sei die Eintheilung des Unterrichts in: Referat, Zeitungsschau, gesellige Unterhaltung, Fragebeantwortung. Mit Diskussionen im Anschluß an das Referat seien in Essen im allgemeinen schlechte Erfahrungen gemacht worden. Die Mitglieder müssen zur Selbstarbeit herangezogen und veranlaßt werden, ein Subkomnee des Litteraturvereins zu bilden. Die mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Ausführungen verdichteten sich zu folgenden Anträgen^ deren Annahme einstimmig zum Beschluß erhoben wird: 1) Der Verband jüdischer Litteraturvereine legt den Vereinen nahe, ihre Thätigkeit in der Richtung der Fortbildung junger Leute (Damen und Herren) durch besondere Veranstaltungen (Fortbildungskurse) auszudehnen. 2) Diese Kurse sollen die gesammte jüdische Geschichte und Littcratur sowie Religionsentwicklung nach abgeschlossenen Zeitepochen bezw. unter sonstigen Gesichtspunkten umfassen und in fortlaufenden.Vorträgen, Referaten etc. behandeln. Sie sollen vornehm-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.