Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 41-42 (28.5.1903)
- Date
- 1903-05-28
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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nach der Decke strecken müssen und der Opferfreudigkeit ihrer Mitglieder keine höheren Ansprüche stellen können, ohne ihren Bestand zu gefährden. Dr. K a r - peles sagt zu, daß die Rednerliste bestimmt früher erscheinen und auf die Angabe der Zeit der Vorfrage besonderer Werth gelegt werden solle. Zur Erhöhung der Honorare wünscht auch er, daß die Gemeinden für die Litteraturvereine. die doch eine Fortsetzung des Religionsunterrichtes bilden, einen Posten in ihr Budget aufnehmen. Er bestreitet, daß die Rednerliste ein kulturgeschichtliches Dokument sei; die Redner brauchten nicht prüder zu sein, als die großen anderskonfessionellen Gelehrten, wie Du Vois-Reymond u. a.. welche sich nicht gescheut hätten, ihre Honorare auf den Listen der kaufmännischen Vereine anzugeben. Auf die Themata der Redner habe der Verband gar keinen Einfluß. Inzwischen ist ein Antrag Spiewk o w s k i - Berlin eingegangen, in dem Antrag Bochum die Worte „und Kosten" zu streichen. Bei der Abstimmung wird der Antrag 1 angenommen unter Streichung der eben erwähnten Worte. Die ferneren Anträge Bochum und zwar: 2. Der Centralverband möge bei Entsendung von Wanderrednern auch die kleinen Gemeinden Westdeutschlands berücksichtigen. 3. Der Centralverband möge einen alljährlichen Geschäftsbericht herausgeben. 4. Der Centralverband möge dahin wirken, daß möglichst sämmtliche Litteraturvereine eine Bibliothek unter Mitwirkung des Gemeindevorstandes einrichten. 6. Die Centralleitung möge den einzelnen Litteroturvereinen von Neuerscheinungen Kenntniß verschaffen und durch gemeinsamen Bezug eine Verbilligung der beir. Merke herbeizuführen suchen," werden in weit kürzerer Zeit erledigt. Antrag 2 wird auf Anregung von Dr. Karpeles fallen gelassen, weil Westdeutschland bereits in diesem Winter berücksichtigt worden ist. Antrag 3, welcher sich übrigens mit dem zweiten Thorner Antrag vollständig deckt, ivird oebattelos angenommen; Antrag 4 ebenfalls nach kurzer Befürwortung durch die Herren Hähnlein- Bcchum und Sichel- Cassel. Herr Treuenfels- Stettin hält es für wichtiger, daß die Litteraturvereiuc darauf hinwirken, daß Gemeindebibliotheken, mit denen Archive zu verbinden seien, errichtet werden. Punkt 5 wird von der Verbandsleitung auch fernerhin, wie bisher, veranlaßt werden. Ueber den Antrag Elberfeld: „Die Versammlung wolle beschließen, bei Feststellung der Rednerliste dafür Sorge zu tragen, daß nicht wie bisher vorherrschend Rabbiner die Rednerliste ausfüllen, sondern mehr Gelehrte anderer Berussarten," bittet Dr. Karpeles zur Tagesordnung überzugehen. In seiner kurzen Begründung weist er darauf hin, daß man den Rabbinern, welche die geborenen Leiter der Vereine seien, nur dankbar für ihre Vorträge sein müsse. Die Versammlung beschließt demgemäß. Mit dem Beschluß, den ersten Antrag Thorn, „nach geeigneten Mitteln zu suchen, um das Interesse für. die Bestrebungen der Litteraturvereine, welches in letzter Zeit zu erkalten scheint, wieder zu beleben." mit Punkt 1 der Nachmittags-Konferenz zu verbinden, ist die Tagesordnug erschöpft. Daran schließt sich das vom Berliner Litteratur- Vereine gebotene Mittagsmahl, bei welchem Dr. Karpeles den einleitenden Toast auf die Gäste ausbrachte. Er erwähnte bei dieser Gelegenheit, daß neuerdings in Melbourne und in Konstantinopel — dieser nach dem Muster des Kölner Vereins— Litteraturvereine begründet sind, daß ferner auch in England genau nach dem Muster des deutschen, ein Verband der Litteraturvereine zu Stande gekommen ist. dessen Gliickwunschdepesche zum Verlaufe der heutigen Versammlung eingetroffen ist. Dr. V e r n f e l d toastete auf den Verbandsvorsttzenden, Rabb. Dr. Samuel- Essen, auf den Berliner Litteraturverein und die Berliner Gemeinde, Dr. Hirsch Hildesheimer guf die auswärtigen Delegirten. Eine von Rabb. Dr. Eschelbacher in warmen Worten angeregte Kollekte für die armen Glaubensgenossen in Kischinew ergab einen recht ansehnlichen Betrag zu den bisherigen Sammlungen. Die sich Nachmittags anschließende „Conferenz sämmtlicher Litteraturvereine in Deutschland", welcher ebenfalls Justizrath Basch präsidirte. wurde kurz nach 3 Uhr eröffnet. Auch hier war die Betheiligung eine lebhafte. Namens des hiesigen Gemeindevorstandes hieß Sanitätsrath Dr. Stern die Versammlung herzlich willkommen und gab die Versicherung ab, daß der Gemeindevorstand den Bestrebungen der Vereine nach wie vor mit vollster Sympathie gegenüberstehe und an den Arbeiten und stetig wachsenden Erfolgen lebhaften Antheil nehme. Er sprach den Wunsch aus, daß den Vereinen die, wenn auch schwierige, aber dankbare Aufgabe gelingen möge, in immer weitere Kreise die Kenntniß der jüdischen Geschichte und Litteratur zu tragen, dadurch das Selbstbewußtsein und die Selbstschätzung der Glaubensgnossen zu heben und hierdurch mitzuwirken an dem idealsten Ziele, das die künftige Generation stolz und tapfer gegen die Angriffe' auf ihren Glauben sich zu wehren wisse, daß sie sich dessen erinnere, daß auch die Juden eine große Geschichte und eine glorreiche Vergangenheit haben und über ein herrliches Schriftthum verfügen, das der Vorn sei, der nie versiege. Er gab unter lebhaftem Beifall der Hoffnung Ausdruck, daß die Führer der Vereine für ihre unermüdliche und selbstlose Thätigkeit den Lohn darin finden mögen, die ansgestreute Saat bald zu üppiger Vlüthenpracht und zu reifer Frucht sich entwickeln M sehen. Dr. Karpeles dankte für die herzlichen Worte und wies darauf hin. daß die Berliner Ge-