Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 41-42 (28.5.1903)
- Date
- 1903-05-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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sie ihre Erwerbsquellen — sei es als Arbeitgeber — sei es als Arbeitnehmer — verloren haben. Die Geplünderten gehören zum ganz überwiegenden Thei! den allcrärmsten Schichten der Bevölkerung an. Der jüdische Mittelstand ist schon weniger hart betroffen worden, und fast unberührt blieben die reichen Juden, die nunmehr ihrerseits durch aufopfernde Hilfe für die Geschädigten zu sorgen suchen. Soweit sich dies bisher überblicken läßt, wird die Hilfsthätigleit sich vor allem nach zwei Richtungen hin erstrecken müssen. Für die Arbeitsfähigen müssen neue Erwerbsquellen geschaffen werden. Arbeitszeug etc., und die Erwerbsunfähigen müsien derart untergebracht werden, daß sie der schlimmsten Bedrückung entrückt sind. Soll eine starke Auswanderung der Juden vermieden werden — und darauf muß nach Lage der Berhältnisse hingearbeitet werden — so wird es nach den Berichten, die der „Hilfsverein der deutschen Juden" erhalten hat, nothwendig sein, mit äußerster Beschleunigung die Wohlthätigkeitsaktion, die in Kiscknnew bisher nur geübt werden konnte, durch eine rvohldurchdachte Aktion zur Wiederaufrichtung der wirtbschaftlich ruinirten Existenzen Zu ersetzen. Berlin, 24. Mai. (Repräsentanten- Bersammlun g.) Die heutige Sitzung ging sebr schnell zu Ende, da es sich um Annahme von Geschenken und Subventionen handelte. 50,000 Mark hat die verstorbene Baronin Cohn-Oppenheim der jüdischen Gemeinde für wohlthätige Stiftungen hinterlassen, der frühere Direktor der Deutschen Bank. Herr W a l l i ch . überwies der Altersversorgungs- Anstalt 10,000 Mark. Subventionen erhielten: Die jüdische Lesehalle, welche sich räumlich vergrößert hat, 800 Mk. und außerdem 200 Mk. für das Jahr extra, der Neliaionsverein Veth Zion 1500 Mk.. die Lipmann-Tauß-Snnagoae 2000 Mk. Für festgottesdicnstlichc Veranstaltungen im Saale Spichernstraße 3 wurden 3000 Mk. bewilligt. 823 Mk. zur Miethung von Räumen zur Aufbewahrung der Utensilien für die festgottesdienstlichen Veranstaltungen. 308 Mk. für Speisung jüdischer Soldaten am Pesachfeste. An Mazzoth sind 352 Ceniner verbraucht worden. Diese wurden'an 8183 Personen vertheilt. Der dafür bezahlte Preis betrug 7820 Mk. E. R. Ans Franken. Die weit verbreitet und vielgelcsene Zeitung „Barnberger Neueste Nachrichten", von der man sonst absolut nicht behaupten kann, daß sic antisemitische Tendenzen verfolge, brachte in ihrer Samstag - Nummer nachstehende, merkwürdige Notiz: „B u r g p r e p p a ch. 22. Mai. Ein israelitisches Fuhrwerk begegnete gestern Nachmittag einer Wallfahrt, die von Vierzehnheiligen gekommen ist. Während die Wallfahrt vor dem Fuhrwerk betend vorbeizog. machten sich die Insassen desselben über die Theilnehmer lustig und spotteten in ganz erheblicher Weise. Kaum war das Fuhrwerk einige Meter in Trab davon gefahren, so hörte man einen dumpfen Schlag und das Fuhrwerk lag auf ebener Straße Die Insassen erlitten unbedeutende Verletzungen." Diese sonderbare Mittheilung erregte unliebsames Aufsehen und gab zu den verschiedenartigsten Kommentirungen Anlaß. Um so erfreulicher ist es, daß genannte Zeitung selbst schon in der nächsten Nummer die nachfolgenden Dementi brachte: „B u r g p r e p p a ch, 24. Mai. Das Bürgermeisteramt Burgpreppach schreibt den „Bamberger Neuesten Nachrichten": Bitte zur Berichtigung und Aufklärung des in Nr. 119 Ihrer Zeitung erschienenen Artikels - den wahren Sachverhalt durch folgende wahrheitsgetreue Schilderung richtig stellen zu wollen. Zu dem am 21. d§. Mts. erfolgten Unfall des angeblich israelitischen Fuhrwerks wird berichtigend vermerkt: „Es war kein israelitisches Fuhrwerk, welches angeblich eine Prozession behelligt haben soll, derartige Ausschreitungen sind bei dem einmüthig paritätischen Charakter unserer Bevölkerung gänzlich ausgeschlossen, sondern es war das Fuhrwerk eines streng-guten Katholiken, besetzt mit Theilnehmcrn einer nationalliberalen Wahlversammlnng. Ans dem Heimwege bekam eben der gute Rappe ctivas Umsturz parteiische Gedanken, ohne daß jedoch dadurch dem Zentrum, sowie dem NationalliberaliÄnus besonderer Schaden oder Nachtheil entstanden wäre. Bereate Prozession passirte erst bedeutend später die geräumte Unfallstätte. Es scheint deshalb Einsender des Artikels vom 22. ds. Mts. entweder schlecht unterrichtet zu sein, oder aber sollte es mit Bedacht geschehen sein, gehässige Unwahrheiten zu verbreiten? Letzteres wäre des allgemeinen Friedens halber zu bedauern." . Zu diesem Vorfall wird uns von anderer geschätzter Seite noch geschrieben: In Nr. 119 der „B. N. N." wird, aus Burgpreppach von einem israelitischen Fuhrwerk berichtet, das eine vom Vierzehnheiligen kommende Wallfahrt verspottet haben soll und gleich darauf verunglückt ist. Abgesehen davon, daß es ebensowenig ein israelitisches leie ein protestantisches oder katholisches Fuhrwerk gibt, erklären wir als an der betreffenden Fahrt Betheiligte, daß die ganze Darstellung auf Unwahrheit beruht. Einzig und allein wahr ist, daß ein Fuhrwerk verunglückt, aber dieses Fuhrwerk war nicht, wie Ihr Ausdruck besagt, ein israelitisches, sondern — um konsequent zu bleiben — ein gut katholisches. Das genannte Fuhrwerk gehörte einem kaiholischen strenggläubigem Manne und wurde auch von diesem geleitet. An der Mittheilung von der Verhöhnung einer Prozession ist kein wahres Wort. Auf dem Fuhrwerk befanden sich zwei strenggläubige Katholiken, drei Protestanten und ein Israelit, welch' letztere aber viel zu