Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1903-05-28 · Heft 41-42 (28.5.1903) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 41-42 (28.5.1903)
Date
1903-05-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2449890-2449929--58311-2522679
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

beide Frauen nicht zum Judenthum ubertraten, unget-ylich. Nicht lange währte das vermeintliche Glück, welches sie sich also zu schaffen bestrebten. Auch sie starben auf fremdem Boden. Sie waren der berechtigte Stolz und die Hoffnung ihrer Mutter. Sie sollten Bausteine an Gottes Menschenbau werden. Aber sie lebten nur sich, der Befriedigung solcher Gelüste, welche der unfreien Natur angehören. Bezeichnend drückt dies der. pise aus. Während es nach dem Tode von -jbL'vrr heißt: n'22 lesen wir nunmehr: jto'kci m-6’ mrsn ixeot. Eben noch rw:», die Kinder, von dem Standpunkt ihres sittlichen Zweckes begriffen, jetzt rrnb\ die Kinder, denen sie blos dos physische Dasein gegeben, ohne sie zu Erben ihrer geistigen Bestimmung zu machen: Die ausgewanderte jüdische Familie hatte sich aus .•«3 reduzirt. Auch hier schreibt der ixvw :p«s V. NVXN, und die Frau blieb übrig. DV2 hat ihre Rolle noch nicht zu Ende gespielt. In ihrer Gesellschaft befinden sich ihre beiden Schwiegertöchter, welche sie auf ihrer Rückkehr zur Heimath begleiten. Die Hungersnoth in '*x hatte ausgehört. Materieller Mittel bar, gedachte -DV2 in den Schoß ihres Volkes zurückzukehren. Sie ist eine Lichtgestalt in der Ahnengalerie der jüdischen Nation. Fern von den Volksgenoffen hat sie das jüdische Bewußtsein nicht preisgegeben. Als die Kunde von der besseren Lage der materiellen Verhältnisse von zu ihren Ohren drang, führte sie dieselbe sofort auf Gott zurück. Ihre Schwiegertöchter waren bislang keine Jüdinnen, ein Umstand, welcher ’cw Gelegenheit gab, eine echt jüdische Gesinnung zu bethätigen. Sie will keine Proselyten machen, ihre Schwiegertöchter sollen in das Haus ihrer Mutter zurückkehren. Bezeichnend ist die Wahl dieses Ausdrucks. Mit welcher Innigkeit ist darin nicht der Adel gewürdigt, den das weiblische Geschlecht in nx'L dem männlichen voraus hatte. Als Menschen standen nn und nsnv groß da. Den Todten und der überlebenden Schwiegermutter haben sie ihre Dienste gewidmet. Än der Seite ihrer Mutter sollen sie künftig selbst nach ihrer Wiederverehelichung eine ebenbürtige Gefährtin finden. Von den beiden Schwiegertöchtern zeichnete sich nn besonders aus. In . dem Verkehr der Schwiegermutter hatte das aus dieser strahlende Judenthum in ihrem, diesem verwandten, Herzen gezündet. Sie will ’cw folgen u. Jüdin werden. Von hohem Interesse sind die Worte, mit denen sie ihren Entschluß endgültig besiegelt: 'fin *wx bx 2 : nrai wxb 'pbx -pptan vf "je? pi?x -.0x21 ifrx 13p« zw .rnvrr, scheint in diesen Worten die Auf- , faffung ausdrücken zu wollen, welche sie vom^ Judenthum gewonnen. Wenigstens haben unsere Weisen die- ' selben in ähnlichem Sinne gedeutet. Sie sagen: Einen Nichtjuden, der zum Judenthum übertreten will, soll man auf's Nachdrücklichste auf die Vielseitigkeit der jüdischen Gesetze aufmerksam machen., nvv spricht: ~px wn *wx bx Wohin du gehen wirst, will ich gehen. Unsere Weisen erkenen darin, daß w ihrer Schwiegertochter das Verbot vorgehalten habe, am tob? außerhalb des önn zu gehen. Indem nn sich zur Erfüllung dieses Gesetzes bereit erklärt, erkennt sie Gottes Herrschaft in den Beziehungen des sozialen Lebens an. In dem fix w;1 1^x21 liegt das Bekenntn.iß, daß die Nachtseite unseres Lebens mit ihren physischen Momenten dem göttlichen Willen gemäß geheiligt. werden soll, w besagt, daß nn die Sonderstellung des jüdischen Volkes in der Reihe der übrigen Nationen begreift. *bx ^x macht sie zum Dolmetsch des Einig-Einzigkeits-Gedankens. irax vran *wK3i. bezeugt, daß sie den menschlichen Tod im weitesten Sinne als eine Sühne des irdischen und als Beginn des zukünftigen Lebens betrachtet, so die Weisen: nppx oen. p rv2b riDöi wnD V2"»x sagt zum Schluffe, daß die in der Erde schlummernden Todten dort nicht ewig verharren, sondern daß Gott sie einst zu neuem Leben erstehen lassen wird. Mit diesen Zügen zeichnet nn ihr Programm, welches beweist, daß sie den Standpunkt des Judenthums begriffen hat. Sie hat eingesehen, daß dieses von der Wiege bis übers Grab hinaus den Juden begleitet, tjw und nr langten c'W rap nbnr>2 bald nach der Zeit des "Qp-Schnittes in enb N'2 an. Die erste nationale, jüdische nixv, welche ihnen hier von selbst entgegentrat, war somit diejenige, welche den Ertrag des Landes in Beziehung zu der körperlichen Existenz des Juden zu Gottes Dienst weihen lehrt. Unstreitig machte das nationale Vekenntniß, welches sich in dem isy ausspricht, einen gewaltigen Eindruck auf m Derselbe erklärt auch wohl den Umstand, daß nn sich zu den Gerstenfeldern hingezogen fühlt, sich an dem Schnitte des Getreides zu betheiligen. Wie aus dem nron xj robx herborzugehen scheint, hat zwischen 1») und. nn über das Vorhaben der Letzteren eine Diskussion stattgefunden. Vielleicht hegte v&s Bedenken, nn machte dieselben durch ihr keusches Verhalten illusorisch. Sie drängt sich nicht in die Mitte der Schnitter; wiederholt hebt der Vers das Bnsnpn nnx hervor. Die Arbeit, der sie sich hingab, erschien ihr als Ideal. Bescheiden folgt sie den Spuren der Schnitter. Ueberhäupt scheint sie nicht das erstbeste Feld gewählt zu haben. xwrn vpbw. Sie ging vielleicht an manchem Felde vorüber, bis sie an ein solches' gelangte, welches ihr zusagte. Wie oft ist nicht das Feld zur Zeit der Ernte der Tummelplatz ausgelassener Freude! . Wie groß steht rm durch ihr sittsames Betragen da! Mit den Schnittern trat sie nicht in Bekehr. Sie hatte,5s,Mp mit .dem o'*«ipnV&' zu thun.' . Sö sehr.: hielt sie ihre Keuschheit von den übrigen Schnittern fern, daß nur der tynnpn bv 3x:n -iw über ihre Personalien

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.