Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 41-42 (28.5.1903)
- Date
- 1903-05-28
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Tonleiter des Enkels sich erheben konnte, um in hehren Klängen den Geist zu besingen, der in allumfassender Liebe die Menschen in gottgefälliger Weise sich vereinen lehrt und so die schroffe Scheidewand beseitigt, durch welche sich ein Volk vom andern politisch trennt? Der Zusammenhang zwischen Irans» und M scheint demgemäß darin zu bestehen, daß die uns von Gott anvertraute Thora zunächst nicht das erste Band bildet, durch welches Gott auf Erden Menschen vereinigen wollte. Der Wüste Sinai ging das f-w p voran. In diesem hatte Gott bereits dem ersten Menschen zur weiteren Mittheilung an seine Gattin und Folgegeschlechter die Gesetze des allgemeinen Menschenthums ertheilt. Zweitens bildet das jüdische Volk nicht den einzigen Tbeil der Menschheit, welche sie zu veredeln bestimmt ist. Durch Israels Vermittlung will sie die ganze Menschheit für Gott zurückgewinnen. Alljährlich darum lenkt irans» unfern Blick über den Sinai nach dem r» p hin und erinnert uns an unsere Aufgabe, die Erde, welche uns heute noch Dornen und Disteln entgegenstcllt, zum Paradiese zu gestalten. Versuchen wir es. nach diesen einleiteichen Sätzen die nfaö in ihren Einzelheiten zu betrachten. Die Zeit, in welcher sie spielt, gehört nicht zu den ruhmvollen Evochen der jüdischen Geschichte. Es war die Zeit der Richter, welche, wie keine zweite, den alten Er- fahrungssatz bewahrheitet: daß wir uns im- Unglück Gott nahe fühlen, im Glücke seiner leicht vergessen. Wohl selten herrschte in den jüdischen Kreisen eine größere Zerfahrenheit, als zu jener Zeit. Hungersnoth herrschte im Lande. Geistig-sittliche Gesunkenheit und materielles Elend flochten somit um die Reihen der jüdischen Familien eine Kette trauriger Thaisachen. Mehr denn je ihat hier Eintracht Roth, damit die Roth nicht das Aufkeimen der Besserung, die sie zu erwecken bestimmt war. beeinträchtige. Da, »'rr verläßt ein Mann dos jüdische Land, um nach dem heidnischen suw überzusiedeln: ein Mann, der das Vermögen hatte, die Roth seines Volkes zu lindern, der'sich mitten in dem jähen Elend als rettender Mann hätte beweisen können. Schon die Auswanderung an stch war ein Schritt, der dazu geeignet war, den letzten Rest jüdischer Gesinnung in den Köpfen der Wankelmüthigen zu untergraben. Man denke: der Abfall vom Gesetze schlagt hohe Wellen, materielles Elend gesellt sich ihm zur Seite, kein redlicher Führer zur Stelle. Da kehrt ein Mann der begüterten Klasse, zu dem die nothleidenden Brüder wie zu einem Engel aufschauen, seinem Lande den Rucken. . Und warum? Weil er, wie bemerkt, seines Reichthums und seiner Stellung als nm ono wegen von, vielen. Armen um Unterstützung angegangen wurde, sein Herz aber nicht so edel war, um ihnen sich willfährig zu zeigen. Welch' einen Contrast stellt dieser Jude, der Moabiterin rm gegenüber, dar? Jener verlaßt sein Heimathland, um von seinen armen Brüdern nicht behelligt zu werden, während sich in im die Flamme der allweiten Menschenliebe mächtig regt. Mit wunderten feine Gattin und beiden Kinder aus. Die ersehnte Ruhe fanden sie auf fremdem Boden nicht. Der Text berichtet darüber: dann ws mt ibv'brr non o» nnn rtfö nr Sie kamen nach dem Gefilde srrv und waren dort, da starb und scheint es. daß mit dem sonst schwer verständlichen c». vrtn eben das Tragische der Situation ausgedruckt werden soll. Als sie dort waren, dort festen Fuß gefaßt hatten, starb ibvH». Wer als Wohlthäter eines Volkes wirkt, gewinnt leicht einen bestimmenden Einfluß auf dasselbe, wäre wie zum Führer geschaffen gewesen, wenn nicht die Selbstsucht ihn voll beherrscht hatte. Wie hartherzig nach außen erscheint, so tyrannisch führt er das Szepter innerhalb der Familie. Längst wissen wir. daß er der Gatte von na» gewesen. Indem ihm übers Grab hinaus der Nachruf gilt »nt .com »'» ibvHrr non) na» so will derselbe nach der Erklärung von Rabbi Wolf s. A. aus Köln darauf Hinweisen, daß seiner Gattin gegenüber sich als Herr aufspielie. na» selbst scheint nur gezwungen mit ausgewandert zu sein; jedenfalls erkennt sie in dem herben Geschick, welches sie in orvv betrifft,' die richtende, strafende und erziehende Wakiung Gottes. In herrlicher Weise beleuchtet der-Text die Ausgabe von 'öw nach dem Tode des Gatten. In vier Worten entwirft er ein Gemälde, welches uns deutlich zeigt, daß Dvr selbst in heidnischem Lande dazu berufen war, ihren Einfluß auf ihre Kinder in erziehender Weife geltend zu machen, »an srn *ni»it> Sie blieb übrig und ihre Söhne. Da wir den Familienbestand zur Zeit des Auszuges kennen, so sind uns von selbst die Ueberlebcnden bekannt. Mit diesem 'Ävi wn nrwrn werden wir wohl darauf hingewiesen, daß die Aufgabe von na» darin bestand, eine neue, von jüdischem Geiste getragene Zukunft anzubahnen. Ans ihren Schultern lastete die schwere Aufgabe, inmitten einer heidnischen Welt ihre Kinder für die Thora zu erziehen. Es heißt nicht: sie und ihre Sohne blieben übria. sondern: sie blieb übrig und ihre Kinder. Sie bildet den Mittelpunkt des Hauses. Des Vaters Mund erbebt nimmermehr Einspruch gegen ihre Erziehungsweise. Wer will die Schwere ihrer Aufgabe erkennen^ wer den segnenden Einfluß ermessen, den eine jüdische Mutter auf ihre Kinder zu üben vermag! 'öm war ihrer Aufgabe nicht'gewachsen. . Die heidnische Umgebung entschied das Loos ihrer Kinder^', Wieder pnd es vier. Worte, deren der Text sich bedient^ uns den Mißerfolg der Erziehung von n») zu derän-' schaulichen. nvsrrv nnw orrb nupn Sie Heiratheien moabitksche Frauen. Diese Herrath war an sich, wer?