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Der Israelit · 1903-05-25 · Heft 40 (25.5.1903) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 40 (25.5.1903)
Date
1903-05-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Nürnberg, 20. Mai. Aus hiesigen leitenden Kreisen der jüdischen Gemeinde werden wir um Aufnahme der nachstehenden Mittheilung gebeten: Kassen und Private mögen doch ja recht vorsichtig sein solchen Leuten gegenüber, die sich als Flüchtlinge aus Kischinew ausgeben. An die Central-Kasse in Fürth kam am vergangenen Freitag ein Mann, der sich erst I. Zuckermann nannte, dann Jos. Klowa hieß und der vorgab. aus Kischinew geflohen zu sein. Sehr bald stellte sich dann heraus, daß der Mann aus einem anderen russischen Orte stammte und vielleicht seit Jahren nicht mehr zu Hause war. Er besitzt; ein Reisebillet Rotterdam-Rewyork, ein Jahr gültig, und ist es nicht ausgeschlossen, daß-er mit seinem zehnjährigen Sohn in Deutschland herumreist, um den Schwindel, als sei er Kischinewer Flüchtling, weiter zu treiben. — Wir haben das Circular der „Alliance Jsr." in Paris an eine Anzahl besser situirter Glaubensgenossen hier versandt und sofort daraufhin Mk. 4000 erhalten, doch ist die Sammlung hei Weitem noch nicht 'abgeschlossen. Das jüdische Herz bewährt sich immer, wo es gilt, die Noth zu mildern. Frankreich. Paris, 20. Mai. (Eine Pariser Versammlung wegen der Kischinewer Jude n.) Der „Temps" vom 17. Mai 1903 berichtet über ein großes Meeting, das französische Universitäts- Professoren und Studenten veranstaltet haben. Ueber 1000 Studenten nahmen an der Versammlung theil. Der Versammlung präsidirte M. Anatole Leroy-Beaulieu, Mitglied des Instituts. Neben ihm nahmen Platz die Herren: M. Frederic Passy, der bekannte Verfechter der Friedensidee, der unlängst den Nobelpreis erhielt, Prof. Violet, Präsident der „Kathol. Liga zur Vertheidigung der Menschenrechte", die Professoren Aulard, Seignobos (der bekannte Historiker), Brunot, Ch. Gide (der Oekonom), Lyon-Caen (Prof, an der jurid. Fakultät). Vloch (Prof, an der Ecole Normale), Louis Lapicque (Prof, an der naturw. Fakultät),.De? laniarche. Präsident des Verbandes der Studenten Pierre Quillard ru s. w. Nachdem M. Leroy-Veaulieu die zahlreichen Entschuldigungsschreiben verlesen hatte, protesiirte er in einer sittlich erhabenen Rede gegen die. grausamen Mordthaten, die Vessarabien mit Blut befleckt haben. „Vor einigen Wochen," sagte er, „haben wir gegen die Christenmetzeleien im Orient protestirt. heute erhebt sich unsere Stimme zu Gunsten der russischen Juden, derjenigen .Juden Rußlands, die in einem Lande, wo es so viele Unterdrückte gibt, die Unterdrücktesten sind." Redner, verlas alsdann die'Auszüge aus den russischen Zeitungen, die über die furchtbaren Szenen, die sich m Kischinew abgespielt haben, berichten.' Aus. diesen Auszügen erhellt die Lage der Juden in Ruß-, land, die einer Herrschaft der Willkür unterworfen.! aller Bürgerrechte entblößt sind; die Beschreibungen der; Metzeleien sind gräßlich; Greise, Frauen und Kinder , ' wurden erbarmungslos von einer fanatischen Bevölkei rung hingeschlachtet — vor den wohlwollend auf die - Mörder gerichteten Augen einer feindlichen Armee. „Ich weiß," sagte Beaulieu. „daß es Leute gibt — ich hoffe, aber nicht in Frankreich — die da sagen: „Dieses Blut ist unrein, es ist bloß Judenblut!" Wohlan'. Ihnen antworte ich: „Es ist Menfchenblut, und überall, wo man Menschenblut vergießt, begeht man eine verabscheuungswürdige That." ' M. Baurens theilte der Zuhörerschaft einige genauere Nachrichten mit, die er über die Vorgänge in Kischinew erhalten hatte, und endete mit dem Wunsche, daß „Frankreich seine große Stimme Rußland vernehmen lasse." Nach ihm sprach M. Violet. Von lebhaftem Applaus begrüßt, erinnerte er an die Humanitären Prinzipien des Katholizismus und predigte die Vereinigung aller Religionen gegen die Barbarei^ - M. Louis Lapicque legte der französischen Diplomatie ans Herz, in Petersburg die Sprache des Verstandes zu sprechen zu wagen. — M. Brune suchte die Ursachen der Massacres in den Ausnahmsgesehen, die auf den Juden Rußlands lasten. Noch andere Reden, alle mit großem Beifall aufgenommen, wurden gehalten und die Versammlung ging auseinander, nachdem sie folgende Resolution gefaßt hatte: „Die Professoren und die Studenten der Univerde Paris, die sich am 15. Mai 1903 im Hotel des Soci^s Lavantes, unter dem Vorsitze von M. Anatole Lerov-Beaulieu, versammelt haben, sprechen, nachdem sie von den Grausamkeiten und den schrecklichen Verbrechen, die in Kischinew verübt wurden, gehört ba» ben, den Opfern ihre schmerzliche Sympathie aus. geißeln alle Aufhetzer, alle Mitschuldigen dieser barbarischen Thaten. und protestiren mit Entrüstung gegen die Massacres, die, wenn sie sich wiederholen sollten, Rußland vor den Augen der ganzen zivilisirten Welt entehren würden." Es würde auch eine Geldsämmlung für die Kischinewer Opfer veranstaltet. vermischtes. Darmstadt, 22. Mai. Wie in anderen Städten, so bat sich auch hier rin Hilfc.ko>:: ilee für Kischinew g«ch-ldet. dem außer Mitgliedern der jüdischen Gemeinde auch angciebcne Einwohner christlichen Glaubens angeboren. Hamm t. W. In der hiesigen kleinen Gemeinde sind etwa Mk. 600 für die Unglücklichen in Kischinew gespendet morden, ohne drc Gaben, die einzelne schon vorher abgesandt. Ltegnitz, 19. Mai Die Gebrüder Oliven in Berlin, seborene Mancher. haben, der .Dre4l. Ztg." zufolge, zum Andenken an ihre in Liegnitz verstorbenen Eltern.,, * der Lkegn her C y n a g o g e n g e m c i n d e ein Summe von 20,000 Mark für wohl,hänge Zwecke gestiftet. -

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