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Der Israelit · 1903-05-25 · Heft 40 (25.5.1903) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 40 (25.5.1903)
Date
1903-05-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
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3 ettillci»« Jerusalem. HLftorifche Bv;ithlnnH von Asaae Breuer—Frankfurt a. M. '' 8! „Wo ist die Mutter?" — — Der Vater hatte es gefragt. Das Kind streckte die Hände von seinem Halse weg in die Luft und schrie. „Wo ist die Mutter?" fragte er nochmals, fast schreiend gleich seinem Kind. Do trat der Knecht vor, der vorhin zur Seite getreten, und sprach: „Bist Du David ben Sebulon?" „Bringst Du mein Kind und nicht mein Weib?" „Bist Du David ben Sebulon?" „Ich bin es." „Meine Herrin befahl mir. dies Kind zu Dir zu bringen und Dir zu sagen: „Li nakam weschilem." «Wo ist mein Weib?" „Meine Herrin ist todt! Das Schwert hat ste durchstochen." Sebulon sank mit dem Kinde zu Boden, zerriß sein Kleid und weinte in heftigem Schmerze. Plötzlich fuhr er auf. „Wer hat's gethan?" Er erschrak selbst vor der Heftigkeit seiner Worte. „Wer hat's gethan?" fragte er nochmals. „Sie selbst!" . „Wer zwäng sie?" „Sie wollte -dem . Ritter nicht willfahren, da r'ödtete sie sich selber." . „Wie heißt der Ritter?" Der Knecht stockte. Ihm schien, als ob die todte Herrin ihm abwinkte zu reden. „Der Ritter! Wie heißt, er?" „Robert de Gourdon." «Ha!" Ein Schrei, wie er nur dem im Herzen getroffenen Raubthier entfährt, war aus seinem Munde gekommen. Dem Kneckt wurde es bang zu Muthe. „Die Herrin hat mir aufgetragen, das Kind Dir;u bringen und Dir zu sagen: Li nakam wefchileim Habe ich der Herrin Gebot erfüllt?" „Du hast's." sprach David ben Sebulon dumpf, „ich-danke Dir." „So gehe ich." -; - Der Knecht verschwand raschen Schrittes. . „Li nakam weschilem," flüsterte der Einsame, „woran gemahnt mich das?' Das also waren Deine letzten Gedanken, mein armes, armes Weib, das also ließest Du mir sagen, bevor Du das. Schwert nahmst und es Dir tief einbohrtest, tief hinein in die Brust, daß das Leben Dir entfloh. Ich soll geduldig sein. Ich soll ruhig hinnehmen, ..daß man das Weib mir raubt von meiner Seite fort, fort in die Ferne reißt und;u Tode hetzt, das Weib,'das ich so heiß liebte, so heiß, so heiß. Und warupr soll Ws hinnehmen? Warum zusehen, wie mein Herz mir zuckt in namenloser Qual, wie es aufschreii vor brennendem Weh, .und den Sfea nicht heben dürfen zum rächenden Schlag', . .den Dolch nicht zücken können dem Feinde in's Mark? Weil ich ein Jude bin. Weil ich ein Fremder bin in fremdem Lande, rechtlos, schutzlos, ohne Kraft, und ohne Macht. Weil Gott selbst mir sagt: Li nakam weschilem. Ha! Wenn Gott der Rächer ist, und Gott ist der Vergelter, warum schüttet Er seinen Grimm nicht aus auf den Elenden, warum svritzt Er nicht sein Hirn gegen den spitzigen Stein, reißt ihm das Herz nicht aus der frechen Brust und zapft, ihm das Blut nicht ab. Unze für Unze? Er ist doch allmächtig! Es kostet Ihm doch nichts! Warum schwelgt vielleicht der Ritter beim Mahle und mein armes, armes Weib liegt eisig todt unter der Erde, fern von mir, daß ich's nimmer sehen, daß ich's nimmer herzen und küssen kann? 2, ich weiß. Gott ist wohl Rächer, aber nicht für jetzt. Gott ist wohl Vergelter, aber erst viel später. Später, wenn die Zeit uni ist. wenn die große .Abrechnung kommt. Ich Armer aber wollte hier schon . glücklich sein mit einem geliebten Weibe, ich wollte hier schon genießen, was sonst der niedrigste Mensch kraft seiner. Gebart schon bat. Dafür muß jetzt mein armes Weib fern von mir im kalten Grabe modern, und war noch so jung, so frob, und hätte so gern noch.gelebt. O, O, O! . . . . Und ich soll Dich nicht rächen. Du armes, armes Weib, soll den Mund verschließen, der voll Weh möchte schreien, und lähmen den Arm. der so gern sich geregt? O, ick könnte schon, wenn's nur mich änginge. Aber Du. mein Kind, mein Einziges, das. mir noch übrig bleibt, wie ist's mir Dir? Komm' her und höre, was Dein Vater Dir sagt: Hüte Dich, wenn Du groß bist, ein liebes Weib Dir anzutrauen'und glücklich sein zu wollen. Man wird Dir das Weib von. Deiner Seite reißen und fern von Dir in den kalten Tod hetzen, und Du wirst still sein müssen, ganz still, darfst nichts thun und.nickt rächen, aanz wie nun Dein; Vaier. Aber weinen darfst Du über der Leichenstätte, heiß und bitter weine», bis die Thräne in Deinem Auge versiegt .. ." Und David ben Sebulon. erhob seine Stimme und weinte heiß und bitter. ' -V.-'- P 4 Lange saß er so. Sein Thränenquell versiegt^ er rührte-sich nicht. Aber sein Antlitz wurde finstrer, und finstrer. Stürmisch 'hob'ünd senkte sich seine Brust.

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