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Der Israelit · 1903-05-25 · Heft 40 (25.5.1903) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 40 (25.5.1903)
Date
1903-05-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
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gen, die Sklaven und sogar das Vieh menschlich zu behandeln, wird unzähligmal eingeschärst, jedes Vergehen gegen den Schwachen als ein abscheulicher Frevel gebrandmarkt, der eine strengere Bestrafung von Gott zu erwarten habe, als jeder andere; und in der auch dem Sklaven zu gewährenden Sabbatruhe wird eine Institution eingesetzt, deren segensreiche Wirkungen erst in unserer Zeit der wahnsinnigen Arbeithetze in ihrer ganzen Größe und Bedeutung erkannt werden, und mit der sich keine andere soziale und humane Einrichtung irgend eines Volkes oder irgend einer Zeit vergleichen läßt. (Alle Affyriologen, die sich bis jetzt haben vernehmen lassen, erklären die Zurückführung des Sabbats auf Babel für einen der ärgsten Jrrthümer des Prof. Delitzsch, der. sagen sie, nur als Philologe unbestreitbar große Verdienste habe; so der Pariser Professor Julius Oppert in Nr. 128 der Wiener Zeit, der die Kritik der Sabbatleitung mit den Worten schließt: „Der Nachweis des sog. babylonischen Ursprungs der jüdischen Kultur läuft auf Folgendes hinaus: „Wir können beweisen, daß die Chaldäer die Nasen mitten im Gesicht hatten, die Juden auch, also stammen die Nasen der Juden aus Babylon.") Der zweite Vorzug des jüdischen Gesetzes war sein Monotheismus. Dieser war schon deßwegen Lebensbedingung jeder höheren Kultur in Vorderasten, weil Menschenopfer und Prostitution (sowohl weibliche als männliche) wesentliche Vestandtheile aller vorderasiatischen Kulte waren. (In den Gesetzen Hammurabi's erscheinen die aus Herodot und aus der Bibel bekannten „gottgeweihten" Tempeldirnen und Buhlen als ein Stand, der sein besonderes Recht hat; neben ihnen werden Tempeljungfrauen erwähnt. die also, gleich den Vestalinnen, zur Keuschheit verpflichtet gewesen zu sein scheinen.) Außerdem ist der Monotheismus die Grundbedingung der Wissenschaft. denn so lange nicht alle Erscheinungen auf eine gemeinsame Wurzel alles Daseins zurückgeführt werden. kann von Naturkausalität keine Rede sein. Bei den Griechen hat die Philosophie, die in Vorderasien fehlte, diese Bedingung geschaffen. Der heutige Atheismus ist nur ein verstümmelter Monotheismus, der zwar den Verlauf der physikalischen Erscheinungen rationell darzusiellen vermag, aber schon bei den organischen versagt und dem Geistesleben gegenüber, also in der Hauptsache, ganz rathlos ist. Der dritte Vorzug der mosaischen Religion ist ihr prophetischer Charakter. In einem liberalen Blatte glaubte jüngst ein moderner Babvlonier einen Haupttrumpf auszuspielen, indem er seinen Triumphgesang ungefähr mit den Worten schloß: Gott sei Dank! (Rein, so kann er ja nicht geschrieben haben! also vielleicht Delitzsch sei Dank!) der Aberglaube von der sog. Offenbarung ist jetzt endgiltig abgethan! Die Bibel ist nichts als ein Abklatsch babylonischer Mythen und Gesetzes Und diese ganze babylonische Herrlichkeit ist der Vernichtung anheimgefallen, obwohl der hochmüthige Hammurabr sich einbildete, er und seine Nachfolger würden ewig herrschen. (Dieser Hsmmurabi, von dem die Affyriologen sagen, daß er der 1. Mose 14 in der Geschichte Abrahams erwähnte Amraphel sei, hat in der Einleitung zu seinen Gesetzen und im Nachwort das Menschenmögliche an Selbstlob geleistet (ein Charakterzug. von dem die Frommen der Bibel das Gegentheil zeigen) und jeden, der seine Gesetze abschaffen oder sein Denkmal zerstören würde, mit den furchtbarsten Flüchen bedroht und alle seine Götter und Göttinnen mit Namen ausgefordert, über einen solchen die grausamsten Strafen zu verhängen. Das hat aber einen Elamiterkönig nicht abgehalten, Babylon zu plündern, unter anderem auch die Stele Hammurabis nach Susa zu schleppen, wo sie gefunden worden ist, einige Zeilen der Gesetze aüsmeißeln zu lassen und seine eigene Inschrift darauf zu setzen.) Kann man blinder sein als der Triumphator? Daß Babylon üntergegangen, daß die Weissagung im 13. und 14. Kapitel des Jesaja gegen die hochmüthigen Könige dieses Reiches buchstäblich in Erfüllung gegangen ist, während das Wesentliche des Gesetzes des Moses bei Juden und Christen heute noch gilt und durch diese die Welt beherrscht, das ist ja gerade der handgreifliche Beweis für den übernatürlichen Ursprung der Bibel! Diese Seiteder Sache beleuchtet L a s s o n in seiner Predigt! Hommel kommt in seiner Kritik der Vorträge von Delitzsch zu dem Ergebniß: „Von der Auffassung der Wellhausenschule und von Delitzsch trennt uns eine Welt." Die genannte Schule folgert bekanntlich: „Die Israeliten sind zur Zeit Mosis rohe Nomaden gewesen, und solchen konnten keine Gesetze gegeben werden, die nur für ein seßhaftes Kulturvolk paffen. Da ferner in der Richterzeit und in der Zeit der ersten Könige das Gesetz nicht gegolten hat. so ist offenbar die angebliche Wiederherstellung des Gesetzes unter einigen späteren Königen und nach der Rückkehr aus der Gefangenschaft in Wirklichkeit die Gesetzgebung selbst gewesen, und deren Zurückverlegung in die Zeit des Moses eine Erdichtung der Priester. Nun haben die Ausgrabungen bewiesen, daß die Israeliten rings von Kulturvölkern eingeschlossen gelebt haben, von deren Kultur sie, wenn sie auch eine Zeit lang nomadisirten, nicht unberührt bleiben konnten, daß auch Arabien nicht wie heute eine Wüste, sondern ein zivilisirtes Land gewesen ist. besonders Midian, und daß dieses Land, dessen Priester Jethro des Moses Schwiegervater war. gottesdienstliche Gebrauche gehabt hat, die den von Moses angeordneten ähnlich waren. (Die arabischen Ausgrabungen hat Delitzsch gar nicht berücksichtigt.) Dadurch wird, schreibt Hommel. die minutiöse Ritualgesetzgebung im 2. bis 4. Buche Mosis. der von den Wellharffenranern sog. Priesterkodex, dessen frühen Ursprung sie für unmöglich erklären, auf einmal historisch begreiflich.

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