Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1903-05-25 · Heft 40 (25.5.1903) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 40 (25.5.1903)
Date
1903-05-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2449890-2449928--58294-2522661
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

891 „Man sollte denken, die bloße Aufdeckung dieser Thatsache müßte sofort die größte Umwälzung in den Anschauungen der Gelehrten von den kultischen und Kulturzustanden der Israeliten zur Zeit des Moses herbeisühren; aber unsere Alttestamentler sind nun einmal verbohrt in die leider bereits traditionell gewordene Meinung vom rohen KulturAmd der Hebräer, und mit Scheuklappen an beiden Augen sehen sie nicht, was rechts und links vorgeht." Wellhausen's religionsphilosophische Konstruktionen scheitern nach Hammel an den Thatsachen, die man brutal nennen könne, weil sie auf die Empfindlichkeit der m ihrer Eitelkeit gekrankten Gelehrten keine Rücksicht nehmen. „Daher erklärt sich auch die fanatische Wuth der sog. modernen Kritik, die vor den gehässigsten Mitteln nicht zurückscheut, wenn es gilt, die unbequemen Gegner in den Bann zu Lhun, sie als rückständig und unwissenschaftlich zu brandmarken. Mögen die „Alttestamentler", vor allem auch die halben, die auf beiden Seiten hinken, sich endlich einmal ganz vom evolutionistischen Banne losmachen" Budde wendet sich mit seiner Kritik weniger gegen Hugo Winkler. Dieser hat mit Heinrich Zimmern zusammen eine gründlich umgearbeitete dritte Ausgabe des 1872 erschienenen Werkes des Altmeisters der deutschen Assyriologie, Eberhard Schräder: Die Keilinschriftcn und das Alte Testament herausgegeben. Budde charakterisirt diese neue Ausgabe mit der Bemerkung. der Titel wurde richtiger lauten: Der Keilinschriftler und das Alte Testament. „Ein schrankenloser Panbabylonismus läßt Winkler alle anderen Völkerpersönlichkeiten im alten Vorderasien vernichten und verneinen." Budde erzählt folgendes Geschichtchen, das eigentlich aus zweien besieht, und das, wenn die Gelehrten für Belehrung empfänglich waren, der Ableitungsmanie ein Ende machen würde. Ein hervorragender Gelehrter hat ihm ein als Manuskript gedrucktes Werk übersandt, worin mit großem Scharfsinn nachgewiesen wird, daß der ganze Stoff der ersten sechs oder sieben Bücher der Bibel bis in die kleinsten Einzelheiten hinein der ägyptischen Mythologie entnommen sei. Der Verfasser hat auf Buddes Rath von der Veröffentlichung Abstand genommen, wozu wohl nicht wenig die Mittheilung des Genannten beigetragen haben mag, in einem andern ihm übersandten Manuskript werde „der zwingende Nachweis geführt, daß der ganze Bestand der alttestamentlichen Sagen aus der altirischen Götterlehre hersiamme, wie denn überhaupt die Wanderung der Menschheit und die Besiedelung der Länder nicht von SLdoüen nach Nordwesien, sondern von Nordwesien nach Südosien vor sich gegangen sei." Winkler hat auch die Entdeckung Stuckens ausgesponnen, daß die alttestamentlichen Patriarchen und Könige babylonische Sonnen-, Mond- und Siernengötter, und ihre Geschichten, Mythologische Darstellungen der Bewegungen und . Phasen der Gestirne seien; in das Prokrustesbett der Sommer- und Winterstellung von Sonne, Mond und Morgenstern hat er die ganze altlestamentliche Geschichte eingespännt. Budde führt diese verrückte Idee ad absurdum und mißbilligt es, daß solche Phantastereien, die man allenfalls der- , zeihen könnte, wenn die Bibelkritit eine ganz junge Wissenschaft wäre, in einem Werke niedergelegt werden, das auf die Autorität des ursprünglichen Verfassers hin der Student und der Pfarrer als Handbuch anschaffen in der Meinung, es enthalte die gesicherten Ergebnisse der Denbnälerforschung. Jeremias weist zunächst nach, daß einige Kritiker von Delitzsch, unter andern auch der seinerzeit von uns belobte Eduard König, mehrfach daneben geschossen haben, und beleuchtet eine Anzahl neuerer Bibelhypothesen in der Absicht, eine Verständigung anzubahnen Die minäischen (arabischen) Inschriften, deren Inhalt bis jetzt leider nur zum kleinsten Theile bekannt geworden ist, erwähnt auch er und bemerkt, wenn die Prüfung ergeben sollte, daß Arabien wirklich damals ein Kulturland gewesen sei, so werde damit einer der Hauptvoraussetzungen der evolutionistischen Auffassung der Geschichte Israels der Boden entzogen. Jeremias findet es betrübend, daß die ruhige Entfaltung der Affyriologie, einer so schönen Wissenschaft, durch das plumpe Eingreifen entgegengesetzter Tendenzen gestört werde; anfangs seien alle Funde in marktschreierischer Weise als Bestätigungen biblischer Angaben ausgenutzt worden, dann habe man sie in den Dienst einer destruktiven Kritik zu stellen versucht. Die Bedenklichen unter den positiven Theologen bittet er, Folgendes zu erwähnen: „Sofern das Alte Testament Anspruch auf eine üdS8 divina hat als Urkunde der göttlichen Erziehung des Menschengeschlechts, bedarf es keiner Stütze durch Hilfswissenschaften. Hier kann Babel das Verständnitz nicht fördern, aber auch die Bibel nicht gefährden trotz alles wissenschaftlichen Sprachengewirrs. Zehn Stellen in der Bibel genügen, um zu zeigen, wie. erhaben der Geist des Alten Testaments über Babylon steht. Aber das Alte Testament hat auch eine menschliche Seite — so großartig und interessant, daß keine Litteratur der Antike mit ihr in einem Athem genannt werden darf. Vieles blieb dunkel, so lange der weltgeschichtliche und kulturgeschichtliche Rahmen verdeckt war, in dem sich die Geschichte Israels abgespielt hat. Jetzt lichtet sich die Welt rings um Kanaan her. Hier kann die Keilschriftforschung wichtige Hilfsdienste thun für das Verstandniß der Bibel. Das unvergängliche Kleinod, das Israel besitzt, wird in solcher Umgebung nur um so Heller leuchten, u. auch die lides humanaauf die das einzigartige Litteraturbuch Anspruch hat, wird die Feuerprobe bestehen." - ' Daran zweifeln auch wir nicht. Aber wie unsere Zeitungs- und Zeitschristenpreffe nun einmal beschaffen-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.