Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 39 (20.5.1903)
- Date
- 1903-05-20
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2449890-2449927--58273-2522639- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Nakam 1× ep/1006357
OCR text
se « rrreLo *. Jerusalem. WLstovrfchr Vv;ahlung von Jsaac Breuer—Frankfurt a. M. 7] „Aber ich habe Euch gern, Herrin," platzte er endlich heraus und wurde glühend roth. Sara mußte unwillkürlich lächeln. Da kam ihr plötzlich ein Gedanke. „Peter," sprach sie, „willst Du mir einen Dienst thun?" „Befehlet, Herrin." „Nimm, wenn's vorbei ist, mein Kind und bringe es seinem Vater." „Wie kenne ich ihn?" „Gehe in's Judenviertel und frage nach David ben Sebulon." „Ich werde es thun, Herrin." „Schwöre!" . - ., „Ich schwöre." „Ich danke Dir, Peter." „Herrin,' ich war ein sündiger Mensch. Ich habe viel Böses gethan. Ihr habt mich gebessert, trotzdem Ihr eine Jüdin seid. Segnet mich." „Halte Deine Hand fern von den Juden. Sie sind ein heiliges Volk. Suche die Gewalt einzuschränken^ von der die Erde voll ist. Dann wird der Herr Dich segnen und Du wirst glücklich sein." Sie nahm ihr Kind auf den Schoß und herzte und küßte es. „Mein Kind, Du hast heute noch nicht gebetet. Sprich nach: Thauroh ziwoh lonu Mauscheh." Und das Kind lallte es nach. Sie weinte heiße Thronen. In namenlosem Schmerze preßte sie ihr Kind an sich und betete, daß es dereinst ein frommer Jude werde, damit sie es wiedersehe in den Gefilden des Jenseits. Sie legte die Hände auf sein Haupt. „Es mache Dich der Herr gleich Ephraim und Menaffeh." Dann gab sie Peter das Kind. „Warte, bis es fertig ist." „Ach, Herrin." „Leb wohl, Peter!" ‘ ' „Herrin, lebt . . ..." schluchzend ging er hinaus mit dem Kinde. - Lange saß sie still. Ihre Thränen flössen reichlich. Für ihren Gatten betete sie. Für ihn sorgte sie am meisten. Wie wird er es tragen? Wird er den richtigen Weg finden? ... Da öffnete sich die Thüre und der Ritter trat nn. „Warum so traurig, mein Täubchen?" Sie trocknete rasch ihr Auge: - ' „Recht so, mein Täubchen. So ziemt es sich für eine Ritterdame." ~; . Sie schaute fort. ' v „Sieh nicht hinweg, schöne Jüdin. Dein.Aüge glänzt wie Thautropfen auf Rosen am frühen Morgen." . „Herr Ritter, ich bin das Weib eines andern!" „Ah. Du willst die Sache von Grund aus betrachten. Komm' einmal zu mir her, schöne Jüdin, da wollen wir rechten." ... :';0 „Ach, Herr Ritter, ich möchte ja gerne, doch was funkelt an Eurer Seite?" - - - „Das ist mein Schwert, schöne Jüdin!" ”; V „Legt das Schwert ab, Herr Ritter, ich fürchte mich an Eurer Seite." - v/../yiy.vv Der Ritter legte das Schwert zur Seite. . 7 „So komm' nun, mein Täubchen." - ' °; Das stürzte das Weib auf das Schwert, riß es aus der Scheide und stach es sich tief in die Brust. Sie sank zu Boden. Der Ritter stand zuerst wie versteinert. „Ach, mein Täubchen, warum hast Du das ge? than?" ' " ' i Das brechende Auge der Sterbenden richtete sich vorwurfsvoll, auf ihn. Da packte ihn das Entsetzen und er stürzte hinaus. ' V:. Eine Weile tag sie verlassen. Endlich kam Peter, vom Lärme herbeigelockt, , in's Gemach. Er wußte schon, was hier geschehen. Er ergriff ihre Hand.: „Herrin, der Peter steht vor Euch. Habt Ihr noch etwas zu sagen?" 7 ' '•' .' Da raffte sie nochmals ihre schon verlöschende' Kraft zusammen. : : : . „Das Kind," röchelte sie, „Du hast's geschworen .... bringe es dem Vatxr . . . . sage ihm die Worte: „Li nakam weschilem ... hörst DU. . . li nakam weschilem. . ."; ' ' „Li nakam weschilem," wiederholte der Knecht und schlug mit der Faust auf seine Stirne. - ... - 7 ' Einige Augenblicke herrschte Stille. Da plötzlich überflog die Sterbende ein Zucken. „Schema Jißroel , . ." hauchte sie und verschied. Weinend drückte der Knecht ihr das Auge zu. - „Li nakam weschilem," wiederholte er, ^li nakam weschilem."—— -• ' v- . •- ■; ' vx Oede und wüst war Londons J-udenviertel.^ Die Thore waren aus den Angeln gerissen, die^ Häuser' ausgeplündert, auf den Gaffen lagen Leichen und %aijU reiche Reste der ZerstörungHwuth des Pöbels. Alles still und verlassen. Noch war keiner der Entronnenen.