Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 39 (20.5.1903)
- Date
- 1903-05-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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869 Ost glaubt man, Berliner erzähle uns Einzelheiten. Da plötzlich kommt der überraschende Gedanke. Wir werden, als hätten sich uns Fittige angeschmiegt, zur Bergeshöhe getragen, angefächelt vom Hauche der Erhabenheit. Alles wird Einheit und ein in sich geschlossenes Ganze. Schon wird Berliner zum gestrengen Richter. Ich weiß es, wie er gelegentlich der Lektüre der Streitlitteratur, die über den „More" des Maimonides entstand. mit Schärfe urtheilte. Wehe dem Jehuda Alfachar, der giftige Worte, Brandpfeilen gleich, gegen Maimuni entsendet, Heil und Segen dem liebenswürdigen David ben Kimchi, der für die Wahrheit Partei ergreift! Energisch protestirt Berliner gegen Ankläger und Verleumder aus späterer Zeit, die behaupten, Maimonides sei einige Monde Cryptomohamedaner gewesen. — — Doch bleibt ewig wahr: ♦res mm res mwa Doch nun zur Quintessenz der Forschung unseres^ Jubilars! Eine Reihe von Historikern bemüht sich, eine entwicklungsgefchichtliche Kettenreihe aufzustellen; „bedingend" und „bedingt" sind ihre Schlagwörter. Unser Meister nimmt einen Gott in der Geschichte an; er ist Lenker und Leiter der Welt. Er wirkt nicht nur in gewaltigen Erscheinungen, dem Erdbeben gleich und dem Feuer, sondern auch in dem Alles belebenden Hauche des Lenzes. Nicht durch Revolution und Krieg ist Jsroel's Geschichte merkwürdig, sondern durch den Geist der Thora, nex 'nn2 es* rs rro rrh b'ns rrb rnrQL'n. Wäre der Jubilar nur unser Lehrer, wir wären ihm zu großem Danke verpflichtet; dieser steigert sich, da er auch unser wohlwollender Freund ist. Gebraucht er doch selbst häufig den Satz: cn rrxhr* „Meine Schüler sind meine Söhne." . Fürwahr! soll ich etwa erwähnen, wie sehr er uns mit Rath' und That fördert, wie sehr er für uns sorgt? Ich will nicht die Innigkeit der Gefühle, die uns am heutigen Abende durchfluthen, durch „Weitschweifigkeit der Worte" schwächen. Nur eines will ich verkünden, ja wir sind seine Sohne; Seile der Liebe schwingen zwischen ihm und uns! Hochverehrter Herr Professor! Dies Album enthält die Photographien Ihrer Schüler vom Anbeginne Ihrer Wirksamkeit am Rabbiner-Seminare bis zum heutigen Tag; aller Herren Länder sind vertreten, auch das jenseitige Gestade des Oceans. Mögen die in einem Bande vereinigten Bilder ein günstiges Omen sein für unseren ..Dibbuk Chawerim", jener Vereinigung von ideal strebenden Genossen, die unter der Führung ihrer Meister kämpfen und siegen für Israel! Wir wollen mit diesem Angebinde den Bund der Treue erneuern. wir wollen geloben, daß wir immerdar dorthin folgen, wohin Sie mit unseren übrigen geliebten Lehrern uns als Bannerträger voran schreiten. Ihr Weg sei unser Weg, Ihr Ziel unser Ziel! So nehmen Sie denn, großer Lehrer und Meister, diese Ehrengabe, als dauerndes Wahrzeichen. unserer unwandelbaren Liebe und Treue! Y, . r;;-Y-- Y Nachdem Herr Dr. Stein das prächtige Album, ein Kunstwerk der Ausstattung, in die Hände des Jubilars gelegt, trat eine kurze Pause ein. Alsbald erhob sich der Rektor des Rabbinerseminars,Herd Dr. Hoffmann, um in wohlgelungener Ansprache noch manches Lob über Professor Berliner zu verkünden. Besonders eingehend besprach er Berliners Raschiwerk und forderte schließlich auf, am Rabbinerseminare einen „Berliner-Raschi-Verein" zu gründen.. Reichster Beifall lohnte die Ausführungen des Redners. . . (Schluß in der ersten Beilage.) -Y' : KettrmgsrraHrichten und Torresponvenze«. Deutsch! a n d. V/Jw>.v Frankfurt a. M. Dem fünften Bericht der „Jüdischen Haushaltungsschule" ist zu entnehmen: Seit wir unfern jüngsten Bericht erstattet haben, ist die Haushaltungsschule in ihr neues Heim gezogen. Die größeren Räume dürften auch eine Vermehrung der Betriebskosten nach jeder Richtung hin mit Pch bringen. Wir würden nicht im Stande gewesen sein, solche drückende Kosten auf uns zu nehmen, wenn nicht seitens hochherziger Freunde größere Spenden der. Anstalt zuoewiefen worden wären. - In der ersten Vorstandssitzung, welche kn dem neuen Heim stattfand — es war am 17. September 1902 — sprach der Vorsitzende zunächst im Namen aller Mitglieder und Freunde der Anstalt den menschenfreundlichen Eigenthüwern des Hauses innigen Dank für die Ueberlassung der stattlichen Räume aus und gedachte mit Wehmuth des seligen Freiherrn Wilh. von Rothschild, der hier Jahrzehnte gewirkt und dessen verklärter Geist segnend auf die Anstalt herniederschauen möge, die so ganz in seinem Sinne geführt, wird. . ... . . Y.. Da wir, namentlich aus pekuniären Gründen, vorerst die Zahl unserer Pensionärinnen noch nicht zu vergrößern beabsichtigen, so haben: wir mit Zustimmung der Hauseigentümer mehrere Zimmer im ersten, Stock, einstweilen auf ein Jahr, dem neu errichteten jüdischen Mädchenklub unentgeltlich überlassen. Der Klub ist eine Schöpfung der Abtheilung „Weibliche. Fürsorge" des Israelitischen Hülfsvereins, der auch den Vertrag zwischen der Haushaltungsschule und dem MLdchenklub mit .unterschrieben hat. Wir freuen uns, ' dem jungen Verein, der an Wochentagen Abends von 7 bis 10 Uhr und an Samstagen, Sönnlagen . und. Feiertagen von 4 bis 10 Uhr seinen Mitgliedern Ge-