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Der Israelit · 1903-05-20 · Heft 39 (20.5.1903) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 39 (20.5.1903)
Date
1903-05-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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ip.-,. 866 Nach dem Miycha gebet trug der Rektor, Herr Dr. Hoffmann, den Psalm 99 vor und richtete eine Ansprache an den Jubilar, :ep? •tj rrv dtck -w so führte er aus. mit unseren Weisen kann man sagen: bis Abraham Berliner hat kein Gelehrter auf demselben Gebiet der speziell jüdischen Wissenschaft das Greisenalter erreicht, auf das der Ausdruck nx* in dem Sinne angewendet werden könnte, wie ihn unsere alten Weisen verstehen. So mancher jüdische Gelehrte hat mit Begeisterung über die alten Lehrer geschrieben und gesprochen. Allein wie verhielt sich ihr religiöser Glaube, ihr religiöses Leben zu dem Glauben und dem Leben der Helden, die den Gegenstand ihrer wissenschaftlichen Forschungen bildeten? Es stand dazu im schärfsten Kontrast. n:pt xb eres* ny unser Jubilar hat zum ersten Mal unter den jüdischen Litterorhistorikern nicht nur das Leben seiner Helden beschrieben, er hat es auch gelebt, nzp? gleich rup nt er hat es sich zu eigen gemacht, er hat das heiligste Vermächtniß unserer Ahnen in den weitesten Kreisen unseres Volkes zu verbreiten gesucht. Seine Verdienste aber um die jüdische Wissenschaft im Allgemeinen und um das Rabbinerseminar im Besonderen sind am besten an . der Hand des Schriftverses rep mssn msy 8227, fra zu würdigen, hpix hat er geübt, Gerechtigkeit,, er hat Ehrenrettungen geschrieben, er verschaffte Gerechtigkeit den Verkannten und Verbannten, er zeigte den hohen Grad der Bildung und Gesittung, den die Geächteten erklommen, die innige Frömmigkeit und Religiösität, die ihr Leben verklärt und hat das Midraschwort wahr gemacht, das vom Erzvater Abraham geprägt: 7!!r pixb ranx yjjn rr:L'w;yra nanu p’nb r;xö wn vavsti wrna. Du liebst es. meine Geschöpfe zu rechtfertigen und haßtest die Verurtheilungen und Beschuldigungen, die von Seiten einer oberflächlichen Geschichtsforschung gegen Männer gerichtet wurden. deren Andenken dem jüdischen Volke von jeher als heilig galt — npix hat er aber auch geübt im Sinne von Wohlthätigkeit.' Er hat in höchstem Grade die Wohlthätigkeit gegen unsere in Gott' ruhenden großen Männer geübt, den res -cn im doppelten Sinne, indem er den Verstorbenen die Wohlthat erwies, ihre Werke in ihrem Geiste wiederherzustellen, .nachdem sie im Laufe der Zeit durch allerlei Mißgeschick verderbt und entstellt worden waren, und andererseits auch gegen die Mitwelt und Nachwelt den Liebesdienst übte, ihnen die Wahrheit zu zeigen, die absolute, die er durch untrügliche Zeugen und unbestreitbare Thatsachen bestätigte und bekräftigte. Und die Pflicht von si'Nö v'rrn» hat er erfüllt, er hat sie' angewandt auf die Geistesprodukte unserer großen Männer. Zahlreich' sind die Werke und Schriften unserer Alten, die durch Berliner selbst oder durch seine Vermittlung an das Licht der Oeffentlichkeit traten..— Seine hat sich aber auch bewährt seinen Kollegen gegenüber, tos rr* 7^3? rn jan. Die Ehre und das Ansehen seiner Kollegen lag ihm ebenso am Herzen, wie die seinige. Er freute sich, wenn ein Werk seiner Mitl-brer Anerkennung fand. Der Redner schloß mit Ausdrücken des warmen Dankes an den Jubilar für seine mühevolle und von Erfolg so gesegnete Lehrtätigkeit am Rabbinerseminar, und mit dem Wunsche, es möge ihn», vergönnt sein, nach zehn Jahren auszurufen: rrmr in-d inp-ix Tat» '» -irr xme«, ich trete in das nnas - Alter ein, o mein Herr und Gott, ich preise nur Deine Wohlthaten. Im Namen der Schüler sprach dann der Hörer des Rabbinerseminars, Herr Dr. Siegfried Galliner. Er legte seinen Ausführungen die Stelle aus dem Wochenabschnitt Leviticus 24, 2—4 zu Grunde, die von der Aufgabe des Hohenpriesters handelt, ibgrb Ten n ein beständiges Licht zu entzünden 'n Tön daß es beständig vor Gott mran rniarr b? auf dem reinen Leuchter brenne. Schon unsere alten Erklärer haben des Hohenpriesters Aufgabe des Lichtordnens symbolisch gefaßt, als ein Vorbild des Wirkens der Lehrer in Israel. So wolle auch er die Thätigkeit des verehrten Lehrers unter diesem Bilde vorführen, und dreimal werde dieser als ien 12 erstrahlen. Der Erfolg der Wirksamkeit eines Lehrers ist bedingt durch den Gegenstand, den er behandelt, durch die Art seines. Lehrens und durch seine Persönlichkeit. Vermöge er den Gegenstand der Forschungen des Lehrers zu schildern? Es ergehe ihm, wie jenem Jüngling, der da auszieht reis noai .-am noö rrx-ib obeni' rs -asb Jersalem auszumessen und zu schauen, wie groß seine Breite, wie groß seine Länge werden soll, und dem der Befehl wird, von seinem Vorhaben abzusehen, Jerusalem soll ohne Mauern daliegen, denn es könne sonst nicht die Fülle seiner Bewohner fassen, nvm nani nö3 nns womit solle er beginnen, womit enden? Aber ein Blick belehrt uns über die Aufgabe, die der Meister sich gestellt Tön iz mbvnb wie ein beständiges Licht zu wirken. „Aus schweren Zeiten" nennt der Jubilar eine seiner historischen Arbeiten. So könnte man auch kur; den Inhalt seiner historischen Vorlesungen bezeichnen. In dunkle Zeiten leuchtet der Gelehrte hinein, doch wie ein echtes ien erhellt er mit seinem umfassenden Wissen selbst das tiefste Dunkel. Es ist eine Belebung zerstreuter Gebeine, die wir wie ein Wunder anstaunen. Da lebt vor uns auf der Zeitraum vom Abschluß des -Talmuds bis zum Auftreten Alfasis, und die Epoche der babylonischen Schulhäupter wird am Faden ihrer bedeutendsten geistigen Erscheinungen erschlossen und beleuchtet. Berichte über den Kampf zwischen Glauben und Wissen. Philosophie und Ueberlieferung aus dem finstersten Mittelalter, Aufklärung über das Älter der einzelnen Erzeugnisse der talmudischen und agadischen Litteratur. alles die Belehrung eines- Mannes, der sich liebreich in die Vergangenheit versenkt, nen 13

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