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Der Israelit · 1903-05-20 · Heft 39 (20.5.1903) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 39 (20.5.1903)
Date
1903-05-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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El» - ' KenLrat-Hrgan für das orthodoxe IudeKLhuM. Begründet von . . . . . . - W«4«s.- •'/' Mittwoch, den 2 3. Jjsr S663 20. Mai 1003. Professor Dr. A. Berliner. Die festliche» Veranstaltungen zur Feier von dessen 70-jährigem Geburtstage. Berlin, 16. Mai. Der Mann, der heute unter der Theilnahme von Korporationen und Gelehrten aus aller Herren Ländern die Feier seines 70jährigen Geburtstages begeht, hat ein Anrecht darauf, auch, ja in erster Reihe, in diesen Blättern gewürdigt zu werden. Denn was ste seit ihrer Begründung erstreben, was ste seit mehr denn vier Jahrzehnten verfechten, dafür hat auch er gekämpft sein Leben lang. Jedwede Persönlichkeit bietet eine Zusammenfassung mannigfachster Fähigkeiten, vielgestaltiger Bethätigungen, sie sendet ihre Strahlen, aus nach allen Richtungen. Und doch ist in ihr ein Brennpunkt, in dem alle diese Strahlen sich sammeln, in dem alle divergirenden Kräfte sich vereinen, von dem alles Licht und alle Wärme in verstärktem Maße ausgeht. Abraham Berliner hat vielerlei gelernt und gelehrt, hat auf vielen Gebieten gewirkt und gestrebt, hat seines reichen Wissens Schätze ausgestreut über die ganze Erde, und die Saat ist überall aufgegangen und hat Früchte getragen. Doch wenn wir nach dem Brennpunkt fragen, von dem alles Leuchten erstrahlt und all ■ die feurige Gluth, nach seines Wesens Kern, nach denl Grundzug seiner Persönlichkeit, da gilt nur das eine: seine altjüdische Frömmigkeit. Ich erinnere mich aus* seinen Vorlesungen eines Satzes: „Gabirol ist kein jüdischer Philosoph, sondern ein philosophirender. Jude.* So könnte man von vielen Litterarhistorikern des Judenthums sagen: sie sind gelehrte Juden aber nicht jüdische Gelehrte. Von Berliner aber gilt: er ist ein j ii> - bischer Gelehrter, ja er ist die ideale Verkörperung desselben. Den Typus des jüdischen Gelehrten zu schildern, ihn näher zu zeichnen, wäre ein vergebliches Be-, mühen, denn seines Wesens Züge beruhen vornehmlich, in dem, was wir nur nachzuempfinden, nachzufühlen vermögen. Die Vereinigung profaner Bildung mit alt-r jüdischem Wissen erzeugt eine abgeklärte Lebensanschauung,' die fromme Uebung aller überlieferten. Satzungen einen Willensstärken, unbeugsamen Charakter," und. die Wärme des religiösen. Gefühls jene Anmuth, die der Liebe werth macht in den Augen Gottes und der . Menschen. So vermag auch nur derjenige Berliner's- Persönlichkeit, zu werthen, die Einheit in all der- Viel?/ heit seiner Bethätigung zu erfassen, der ihn täglich zu. sehen Gelegenheit hat, und der eine. Reihe.von Jahren hindurch sein Wirken mit Aufmerksamkeit verfolgt... Viel mehr als aus seinen litterarischen Werken, lernt v man ihn kennen, wenn man ihn. als Synagogenvor-. sicher beobachtet, mit welchem jn er etwa die Ein- , holung einer gespendeten Sefer Thora arrangirt, oderwie er im Hörsaal vom Katheder heruntersteigt, um eine historische Anekdote, die zum alten gehört, zu erzählen, oder wenn er in einer Sitzung in Vertretung seines Standpunktes in Feuer geräth, oder wenn er — es ist ein guter -ras der alten Schule an ihm verloren gegangen — eine Tischrede hält. Diejeni-. gen, die nur von Hörensagen von ihm wissen, soll der. folgende Bericht darüber belehren, was er für seine/ Fachgenossen, seine Kollegen und Schüler, seine Gemeinde und die gesammte Judenheit bedeutet. Aus der Polyphonie der Stimmen, die da laut werden, wird als, Grundmotiv durchklingen der Satz: er ist ein jüdischer Gelehrter, er ist der jüdische Gelehrte xat i^ozyv- / ... Das Rabbinerseminar, dessen Lehrkörper er seit drei Jahrzehnten, seit , der Begründung. der Anstalt^ angehört, eröffnete die Reihe der festlichen Veranstal-. tungen mit einem Gottesdienst in der Synagoge , der Adaß-Jisroel-Gemeinde am Donnerstag gegen Abend.

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