Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 38 (18.5.1903)
- Date
- 1903-05-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449890-2449926--58255-2522620- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
den wird man in diesem nachgeahmten Jerusalem sin- . den, ja sogar einige echte Steine aus der wirklichen j Klagemauer sollen hier in die Mauer in St. 'Louis eingelassen werden. Das hügelige Terrain gestattet sogar eine sehr genaue Kopie jener Gegend in Palästina. Schafherden, die'aus Palästina bezogen sind, werden unter' palästinensischen Hirten im Kidronthal und aus dem Oelberge tagsüber weiden. Fünfhundert Ginge-' bc'rene von Jerusalem, Männer, Frauen und Kinder aller Nationen, sozialen Schichten und Beschäftigungen, werden zur Bevölkerung des imitirten Jerusalem nach St. Louis gebracht. Das Leben und Treiben in der heiligen Stadt soll auf das sorgfältigste nachgeahmt werden. Man wird Verkaufsläden finden: die Wechsler. die Gold- , und Silöerschmiede, die Weber, die Seidenwirker, die Drechsler, welche aus Llivenholz und Perlmutter Waaren Herstellen, wird man bei ihrer Arbeit sehen. Täglich werden Umzüge und Festlichkeiten stattsinden, durch welche das Leben und Treiben int wirklichen Jerusalem den Besuchern gezeigt werden wird. Die Kosten, dieser eigenartigen Ausstellung sind ganz bedeutende. Der Aufbau und die Einrichtungen, in dem imitirten Jerusalem werden vier Millionen Mark betragen, und der Betrieb während der Ausstellungszeit vom 30. April bis zum 1. Dez. 1904 soll mit einer Summe von zwei Millionen Mark bewältigt werden. fttullleitu f Jerusalem. Ristovifche Rv;äylrrng von Jsaac Breuer—Frankfurt a. M. «i" Hundertjährige Eichen standen im Garten. Sie hatten so vieles erlebt und waren schließlich gleichgültig gegen der Menschen Geschick um sich herum geworden. Warum ''auch nicht? Es wiederholt sich ja.immer in ewig starrem. Kreis laufe. Aber verwundert schüttelten sie jetzt die hehren Wipfel ob des heitersten Lachens, das je die Lüfte ihnen zugeführt. Tirzah konnte sich kaum fassen und verlegen' zupfte. Jehudah an seiner weißen Hakskr'äüse. «{«/<•: „O," rief sie schließlich, „ich danke Dir, Jehudah. „ich lache so gern, und wie eben habe ich's lange nicht mchr./gethyn. . Wenn Jexuschalajim mein Mann wqre, da müßte ich ja eifersüchtig auf Millionen' Menschen'' HM^Kehnsucht sich verzehren.";,.».^ 'druck -lst nun -Jerufchalajim?" fragte^ tief athrnend Jehudah.-!":- ‘ :.'*V „Jeruschalajim," antwortete Tirzah wieder ernster werdend, „ist nichts und alles. Ist ein Bild von uns Juden. König und Bettler. Am fernen, fernen Mittelmeer ist's eine Trümmerstätte.- „Jerusalem!" rief Jehudah voll Erstaunen. „Wie, Du weißt?- rief nun auch Tirzah verwundert. .. „O, nach Jerusalem sehnen auch wir __ferner sich auch die Christen,- sprach Jehuda. „Was suchen die Christen in Israels heiligem Lande?" Tirzah fragte es, und leiser Stolz lag auf ihrem Antlitz. „Das Grab des Stifters der christlichen Religion ist dort. Mit der Sehnsucht dorthin erfüllt sie wilde Empörung, weil die Stätte von Fremden beherrsch: wird. Sie wollen dieselbe wieder erobern und hoffen, wenn sie erst dort sind, dann werde das Herl auch für sie erblühen. Das Tirzah, ist unsere... ihre Sehnsucht nach Jerusalem. Das ist die Hoffnung, die sie hegen. Diese Hoffnung und noch etwas anderes." So sprach Jehudah und schwieg. Eine seltsame Trauer lag in seinen Worten. Seltsamer Schmerz lag auf feinem Gesichte. Unbekannte Dinge waren es, die Tirzah, das fröhliche Kind, gehört. Sie fühlte sich ergriffen. Und wie sie so hmschaute auf Jehudah, der in jungen Jahren schon so ernst zu reden gelernt, da stieg etwas in ihrem Herzen auf, das sie bis jetzt noch nicht gefühlt. Brennendes Gefühl, jenem die Freude wiederzugeben, die man ihm so zeitig geraubt. Sie, die Jüdin, wollte dies thun. Aus Mitleid wollte sie es thun. Sie schwieg eine Weile. , ^,Jch freue mich," sprach sie dann, „daß ich eine Jüdin bin. Und," fügte sie leise hinzu,, „ich freue mich auch, daß auch Du nicht mehr jenen, sondern uns angehörst." Wie sie so sprach, schaute Jehudah sie plötzlich mit so heißem Blicke an, daß sie sich rasch abwandte. Und beide schwiegen sie wieder. ,Und was ist das andere?" fragte sie nach geraumer Weile, „das außer der Hoffnung die Menschen noch hält?" „Q, das ist eine gewaltige Macht, unüberwindlich und unergründlich, Glück bringend und auch Leid zugleich." „Und was ist's, das Gluck bringt und auch Leid zugleich?7 .; - . .. .. ^.Minne!" .. _ *v 7.;..„Matz.-ist.'Minne?*^'. . *.; Ki *;8fc Dü's nicht selöst erlebt, wirst Du's nichi ver- Esiehen.-;;- ' . .. ' ' Sie saßen beide in'tiefem Sinnen. Endlich'erhob' sich. Tirzah. .? ' " -