Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 38 (18.5.1903)
- Date
- 1903-05-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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„Es ist Zeit, daß wir in's Haus gehen. Schon kommt der Abend. Habakkuck wird leicht ungeduldig. Gehen wir." Jehudah schritt voran. Langsam solgte Tirzah. Als Jehudah schon im Hause verschwunden war, drehte sie sich nochmals um. Sie schaute in die untergehende Sonne. „Was ist Minne?" flüsterte pe und griff an ihr Herz, „was bringt Glück und auch Leid zugleich?" — Sie trat in's Haus. V. Auf einsamer Höhe ragte die Burg des Ritters Robert de Gourdon. Auf steilem Hügel war sie erbaut, denn kein friedlicher Zweck hatte ihren Gründer geleitet. Sie bestand fast nur aus einem einzigen gewaltigem Thurm, an den sich dürftige Anlagen anschloffen. Einst hatte den Hügel ein Wald bedeckt von hohen Bäumen. Die Bäume spendeten milden Schatten vor dem brennenden Sonnenstrahl und erfüllten die Luft mit erfrischendem Harze. Kam der Sommer mit sengender Glut, da lustwandelten die Menschen im Walde und erfreuten sich der erquickenden Kühle und des Gesanges der Vögel von den mächtigen Zweigen. Die Natur meint es gut mit den Menschen und bietet alles auf, ihr Herz zu erfreuen. Im buntesten Wechsel erscheint sie vor ihnen, denn sie sucht ihnen auf jede Weise zu gefallen. Sie bietet ihnen sich, zart und rein wie ein Kind, im lieblichen Gewände des. Frühlings, sie zeigt sich als feurig heißer Sommer und sucht sie durch die üppige Pracht ihrer Schönheit, zu um-, stricken, in gesunder Reife und Fülle prangt sie als blühende Mutter im Herbst, und zieht erst im Winter sich schmollend vor den Widerstrebenden zurück. Denn der Mensch, der die Natur als seine beste Freundin und treueste Dienerin lieben sollte, mißbraucht sie nur zu oft zu selbstsüchtigen Zwecken der Gewalt. Er fällt die Bäume zu Waffen des Kriegs und durchgräbt die Erde zu Wall und Verschanzung. So mußte auch jener einst blühende Wald aus dem Hügel unter der rohen Hand eines normannischen Ritters,fallen. Er hatte gemerkt, daß der Hügel nach einer Seite steil und jäh abfiel. Da erbaute er seine Burg auf dem Hügel und ließ alle Bäume abschlagen, alles Gesträuch ringsum verbrennen. Denn wüst und öde muß der Hügel einer Burg sein,- damit vom. Thurme sofort jeder Nabende bemerkt, und nötbigen- - falls mit Steinen beschossen werden könne. - Ave von der Natur, offen gelassene Zugänge zur Burg machte . man "durch wucherndes Gestrüpp. . durchliefe Graben ' und Wälle unmöglich. So/ konnte der'Burgherr im./ . Falle/der Gefahr sicher, sein,.kijagitrf).ipar.'bcg.; Leben auf so einer Burg nicht. In den kleinen Burgställen fehlte es oft am Nötigsten. Die Heizung durch Kamine war ungenügend, die Fenster durch Brettläden verschlossen, sodatz man zwischen, Dunkelheit und Zug zu wählen hatte, der Fußboden aus-Estrich, die Zahl der Geräthe selbst noch im fünfzehnten Jahrhundert unbedeutend. Die Menschen jener. Zeit hätten eben noch nicht jenes tiefe. Verlangen nach Bequemlichkeit. Noch war das Wort Gemüthlichkeit nicht erfunden. Kriegerisch waren die Ritter, rauh und gewaltthätig.die Gemüther. . - -' /;V-:‘r r In der Kemenate der Burg saß Sara und weinte. Zu ihren Füßen spielte ihr Kind, schaute verwundert zur traurigen Mutter auf und verstand nicht ihren Schmerz. Sie war bleich und abgehärmt. Seit dein Tage des Raubes flössen ihre Thränen. und mochten nicht versiegen. Seit dem Tage des; Raubes betete sie und ward nicht erhört. . Aber sie hörte nicht muf zu beten. Ihr war gelehrt worden, in der Roth zu beten, nicht nur um erhört zu werden.. Ihr war gelehrt.'worden, in der Roth zu beten, damit sie ein weniglindringen könne in die Weisheit der Waltung des Herrn, etwa erkennen könne, warum die Roth sie . getroffen. Welcher Mensch, der sucht, findet kein Vergehen? Auch sie fand. Das hielt sie von Verzweiflung ab. So-nützte ihr dennoch das Gebet. Selbst zu hoffen'hörte sie nicht auf. Ihr, wie allen Juden, war jene schaurige Todesbereitschaft fern, die mit der Spitze des Fußes das Leben verstößt und voll Wonne in des Todes Arme zu stürzen eilt. Keine solchen Märtyrer kennen die Juden, die da starben, um ihre Heldenschast zu beweisen, ihre Sehnsucht nach dem Jenseits zu erfüllen. Aber sie starben, weil die Pflicht es ihnen hieß/ .sie'starbev, wenn fürper zu leben Sünde geworden. - Noch nicht' werthlos war Sara das Leben, geworden. Mit tausend Klammern war, sih ap die, Erdscholle geknüpft. Sie. liebte .das Leben, denn 'sie'liebte 'ihren Gatten und sie liebte ihr Kind. Ihr Gatte! Wenn sie seiner dachte, erfüllte sie nagende Sehnsucht und bange, schwere Sorge. Wie wird er ihren Raub ertragen, wie wird er ihren Tod hinnehmen? Denn wenn sie auch hoffte, stand ihr dennoch die furchtbare Möglichkeit ihres Todes stets vor Augen. Noch hatte.der Ritter sich ihr nicht genaht. Der feine Menschenkenner wollte erst abwarten, bis ihr. heißer'Schmerz sich gelegt und die Vernunft und ruhige Besonnenheit Gelegenheit bekommen hätten, mitzusprechen... . .< _.i:Ki..:l Er war nicht mehr Neuling in solchen Dingen. Seine Frau war aus Gram über, fein wüstes Lehen früh gestorben, nachdem sie ihm einen Sohn geschen-ki. Besser, als'der Vater, hatte der Sohn vom llßajzdel des Ritters sich entfernt und weilteräls ^Knappe'ipitAork. .llmsö Ungehinderter . .sonnte der/Vaterseinen' Lüsten!'sichhinßeben,ühd-me wdr die 'Kemenate-Nv.' .»EWte »schön 'fo/viel' kirrlaeni'ächt. .nnd''ssöffteM'äüK''tzK/Oe'm schönen.Judenweibe. für das. er.-.eine ».heftige Leidenschaft empfand, fertig zu bringen.