Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 37 (14.5.1903)
- Date
- 1903-05-14
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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844 um mich hier nicht auszudehnen. Die angeführte Stelle befindet sich am Ende von Gittin: „Vet Schammai sogt: „Es trenne sich Niemand von seiner Frau, er möchte denn an ihr '.zw® also Unzucht bemerkt haben; Vet Hillel sagt: „Selbst wenn sie ihm das Essen verbrennt." Und ist es das Wort 12^, was die Hilleliten, zu solcher Deutung bringt; was nur an nn? anklingt. Nun gibt es eine alte Deutung, wonach unter Brod, Speise, Erquickung die Frau verstanden. So wird gedeutet: „Potiphar gab Alles in Josephs Hand und wußte von nichts, nur von dem Vrode, das er aß," also nur von der S P e i s e, die ihm gereicht wurde. Das deutet der Midrasch (s. Raschi z. St.) auf die Frau des Potiphar, zumal Joseph selbst nachher sagt, nur s i e hätte sein Herr ihm entzogen. Nehme man Satze, wie Proo. K. 16—18 dazu, um solche Bildersprache zu verstehen. Und daß sie im Talmud angewandt worden, sehen wir Kelthuboth 72, wo „auf der Straße spinnen" heißt, „den Leuten die Arme zeigen," oder „sich Rosen in's Gesicht weben," durch Bewegung sich das Gesicht röthen; die „Starkstimmtge", die „ihre Stimme hören laßt," ist diejenige, die laut Unzüchtiges spricht. Wir hören also 121» aber es ist nny« So witd auch nach Bet Hillel, das Vergehen der Frau nicht das Aeußerste sein, aber es wird doch durch an nw rühren, sie verbrennt ihm das Essen, sie. verbittert ihm das Eheleben, und auch das kann schon die Scheidung ermöglichen. Wie Hillel selbst die Ehe aufgefaßt hat, ersehen wir Ver. 60 n, wo er,, von einer Reise kommend, ein Geschrei in der Stadt hört, dabei aber überzeugt ist, es sei nicht in seinem Hause. Wer die Auffassung der Ehe im Talmud kennen lernen will, der muß Jebamoth 62—66 durchgehen. Und selbst an der hier angeführten Stelle, Ende Gittin, lese man die Worte R. Mescharschia's im Namen Kanaa's, die Worte Jochanan's, wie da die Scheidung als etwas nicht Gott Gefälliges behandelt wird; ein solcher Gatte „sinnt Schlimmes über seinen Nächsten", „ist dem Ewigen verhaßt," „der Altar vergießt Thränen über ihn", und mit dem vor der Scheidung warnenden Satze Maleachi's schließt Gittin überhaupt. Uebrigens darf bei 121 uns von „leichtsinniger Deutung" Hillel's selbst dann nicht gesprochen werden, wenn man nicht weiß, daß sich der Streit der Schulen (B. M. 3,12) auf vb isrt daß sich Makkot 2.8 auf nxnn in Schebiit 10,8 auf 'bto 121 bezieht, daß also ernste Grundsätze das Ganze durchziehen, keine Launen des Augenblickes. Der Traktat Gittin beweist, an wieviel erschwerenden Formen die Scheidung hängt — daß sie aber ermöglicht werden muß. das beweisen die Gesetzgebungen der Neuzeit. Wo sie vor kommt, da muß sie als schwere Nothwendigkeit ertragen werden. Uebrigens ist später die Scheidung mehr und mehr erschwert worden, und zwar im Sinne der Gleichberechtigung beider Eheglieder. Wir würden auf diesen Punkt nicht so genau eingegangen sein, zumal der Verfasser auch bezüglich der Stellung der Frauen durchaus mit uns ubereinfiimmt. (S. 39, Anm. 1.) Aber wir finden S. 39, Anm. 4: „Du sollst deinen Feind hassen" ist kein Crtat aus der Thora, sondern aus einem Midrasch." Dadurch wird wieder einmal der Rabbinismus sittlich unter die Thora gestellt. Nun dürfen gerade solche Behauptungen nicht ohne genauen Nachweis aufgestellt, werden. Jeremias vermut h et wohl einen Midrasch hinter diesen Worten, der aber wahrscheinlich verloren gegangen sein soll. Das wäre für solchen Zweck schade. Auf die Gefahr hin, einen Cocus communis anzuführen, muß ich auf Gittin 36 b verweisen, wo es heißt: „Die Beleidigten, die nicht beleidigen, ihren Schimpf anhören und Nichts darauf erwidern, aus Liebe (das Gute) thun und sich der göttlichen Schickungen freuen — für sie gilt das Wort der Schrift: „Seinen Freunden wird die Sonne in ihrer Kraft aufgehen;" und Bk. 93 a „Stets gehöre der Mensch zu den Verfolgten, nie zu den Verfolgern, denn es wird unter dem Geflügel keines mehr verfolgt, als Turteltauben und junge Tauben, und f i e sind zu Opfern für den Altar erkoren." Diese und ähnliche Sätze konnte die Mathäusstelle nicht im Auge haben, als sie in das Judenthum den Haß gegen Feinde hineinlegte. Begreiflich finde ich ja das Streben des christlichen Theologen, im Judenthum durchaus einen niedrigeren sittlichen Standpunkt zu vermuthen, wie ich es in meinem „Zurück zur Bibel!" (Berlin. Poppelauer). S. 16 ff. dargestellt habe. Begreiflich ist aber auch unser Streben, hier Klarheit zu bieten. Wir dürfen beim Verfasser um so eher auf Versiandmtz rechnen, als uns seine Schrift einen Mann der Wahrheit zeigt, der sich nicht in einseitige Standpunkte verrennt, sondern das einfache thatsächliche Ergebniß des Vergleichs zwischen Moses und Hammurabbi bietet, und zwar zu Gunsten der Thora. Wir wollen sein Wort nicht vergessen, das eins der schönsten Ergebnisse des gesummten Babel- Bibelkampfes ist: „Mit GenUgthuung und Freude bekenne ich, daß durch den Fund und Befund des Codex HaMmurabi meine Ueberzeugung von der Göttlichkeit der Thora vertieft worden ist." (S. 43.) Dr. Rosenthal, Pr.-Stargard. Jüdische 2»ufif, Liturgische Simagogen-Gesänge für Solo, gemischten Chor und Orgel, von M. H e n l e, Cantor am israelitischen Tempel in Hamburg. Verlag von I. Kauffmann -Frankfurt a.M. Preis Mk. 4.—. Von den in neuerer Zeit entstandenen Kompositionen an Synagogen-Gesängen dürften die unter obigem Titel erschienenen wohl zu den gediegensten gehören. Sie sind zwar für Gotteshäuser gesetzestreuer