Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 37 (14.5.1903)
- Date
- 1903-05-14
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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Gemeinvebund" scheint mit ihnen zu liebäugeln, w^nn anders die Nachricht richtig ist, daß er jungst in den jüdischen Gemeinden eine Umfrage veranstaltet hat, wie sie sich zur Frage der Feuerbestattung stellen würden. Da ist denn die hier vorliegende Broschüre gerade zur rechten Zeit erschienen. In ruhiger, leidenschaftsloser Form erörtert der Verfasser die Frage gründlich und klar nach allen Richtungen. Er kommt zu dem Schlüsse, daß 1) die Leichenverbrennung nach den Aeußerungen hervorragender Autoritäten als eine Förderung der Hygiene nicht bezeichnet werden kann, 2) die ästhetischen Gesichtspunkte, die für sie angeführt werden, lediglich Gefühlssache sind, und daß sich in dieser Beziehung ebensoviel Gründe gegen wie für die Leichenverbrennung anführen lassen, daß endlich vom Standpunkte der jüdischen Religion aus die Feuerbestattung unbedingt verboten ist. Die übersichtliche und klare Darstellung, die recht gründliche und doch in der Form populäre Ausführung machen die Lektüre des Schristchens zu einem Genuß auch für jeden Laien. Alle diese Vorzüge eignen es sehr für eine eventuell nöthige Agitationsschrift u'n-d lassen seine weiteste Verbreitung erwünscht erscheinen. M. H—e. „Es werde Licht!" Eine Aufkläruntz über „Babel und Bibel", von Dr. Wilhelm Münz in Gleiwitz. Verlag von Wilhelm Köbner, Breslau 1903. Preis 60 Pfennig. Der durch Prof. Delitzsch entfachte Streit über Bibel und Babel hatte eine eigenthümliche Erscheinung gezeitigt. Der Pfeil, welchen Delitzsch gegen das älteste und hervorragendste Kulturwerk, gegendie Bibel, zu schleudern vermeinte, prallte an der heiligen Autorität derselben machtlos ab und richtete sogar seine Spitze gegen ihn selbst. In einer Reihe von theilweise ausgezeichneten Schriften wurden die aus den Trümmerfeldern Babels geholten Beweise des Prof. Delitzsch als haltlos, sein ganzes System als inhaltlos dargestellt und die Bedeutung und Erhabenheit der Bibel und der biblischen Lehren in desto hellerein Glanze beleuchtet. Soeben hat Dr. W. M u n z in Gleiwitz, der bekannte Verfasser des offenen Briefes an Liebermann von Sonnenberg „Ritualmord und Eid", zu diesem actuellen Thema über Bibel und Babel das Wort er- .griffen und unter dem obengenannten Titel eine Schrift der Öffentlichkeit übergeben, die wie keine zweite die Delitzsch'schen Ausführungen scharf beleuchtet und in packender Weise einer vernichtenden, aber gerechten Kritik unterwirft. Welche Eleganz der Svrache und des Ausdrucks, welche sittliche Begeisterung für den Gegenstand, welche feinsinnige Ironie und Gedankentiefe durchweht die ganze Schrift! Wie wird man da auf den Flügeln der Logik von Gedanken zu Gedanken getragen! Wie werden da die Steintäfelchen von Babel durch die Wucht der Beweisführungen zermalmt und vernichtet und der sittliche Inhalt der Bibel k als das ureigenste Originakwerk des göttlichen Offen- I barungsgedankens in seiner ganzen Größe und Erhabenheit zur Darstellung gebracht! Der Leser wird darum die Schrift, welche sicherlich in den weitesten Kreisen das größte Aufsehen und Interesse erregen wird, mit wahrer Freude und Gcnugthuung stüdiren; sie wird einem Jeden viele anregenden Belehrungen und Aufklärungen über diesen modernen Gegenstand „Bibel und Babel" verschaffen; keiner sollte daruin die Lektüre derselben verabsäumen. MoseS und Hammurabr. Bon Dr. Johannes Jeremias. Leipzig. 1903. 47 S. Pr. 70 Pfg. In der Bäbel-Bibelfrage mußte es immer wohlthun, wenn Kenntniß der Assyriologie und. der Bibel in einer Person sich vereint. Das ist b'er den Brüdern Adolph Jeremias (Vers, von „Im Kampfe um Babel und Bibel") und Johannes Jeremias der Fall. Trat der Erste in die Behandlung der Gesammtfrage ein, so hat der Zweite (als Mitarbeiter von Cheyne's Encyclopaedia biblica bekannt) den Vergleich zwischen der Thora und dem HammuraMgesetz gezogen. Unsere Behandlung der gleichen Frage ist den Lesern dieses Blattes bekannt, und so kann der Gegenstand an sich auch vorausgesetzt werden. Der Verfasser kommt im Großen und Ganzen zu den gleichen Ergebnissen, wie wir. Auch er nimmt keine Entlehnung der Thorasatzungen an, sondern eine allgemeine semitische Grundlage, etwa aus Arabien stammend, an. Die Ablehnung der Entlehnung ist uns die Hauptsache. Auch ihm ist das Sittlich-Religiöse der große Unterschied zwischen Thora und Ha'mmurabi. Die Thora will nicht von Außen her die Verhältnisse regeln, sondern die Quelle der Vergehungen, die Begierde, beseitigen. Daher der große Unterschied in Bezug auf das Recht der Unglücklichen, der Sklaven und Armen, die Hämmurabi nicht kennt. Das Göttliche als Grundlage fehlt beinr Babylonier vollkommen. Daher ist das Aufzählen der vielen Götter ani Anfang und am Schlüsse etwas rein Aeußerliches. (Uebrkgens wird der biblische Gottesname, den Delitzsch in die Hämmurabizeit verlegt und auf babylonischen Tafeln gelesen haben will,- hier gar nicht erwähnt!) Die Thora „fordert zu ihrer Erklärung die Offenbarung." (S. 43.) Doch hätten wir eine schärfere Hervorkehrung der Unterschiede im Strafgesetze gewünscht. Unverständlich ist uns außerdem, w'eßhalb Exodus 22, ein Akt der Privatrache sein soll, da doch die Nothwehr (die Jeremias S. 25 auch angibt) unbedingt zu Grunde liegt. S. 13 führt Verfasser an, daß Hillel leichtsinnig -.2-? CT mit „irgend etwas" „erklärt hat", was der strenge Schammar auf fleischliche Vergehen deutet. Was diese alte Anschauung vom „strengen Schammar und mildem Hillel" anlangt, verweise ich auf meine in diesem Jahre bei Trübner in Straßburg erschienene Arbeit „Die Mischna; Aufbau und Quellenscheidung" S. 9,