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Der Israelit · 1903-05-14 · Heft 37 (14.5.1903) · page 26

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 37 (14.5.1903)
Date
1903-05-14
Page
– (sequence 26)
Language
German
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Ich sagte mir immer, es soll niemand durch mich gestraft werden. Nur zur Verherrlichung Gottes habe ich mit Selbstverleugnung hie und da ostentativ meine Feindschaft bekundet, entsprechend dem Schrifiworte: «Deine Feinde, o Ewiger, Haffe ich auch." Der Himmel ist mein Zeuge, daß ich es nur that, um den Glanz der Thora und der Gottesfurcht zu heben." 21 Jahre später richtet der Verfasser s. A. eindringliche Mahnungen an seine Kinder, die besondere Aufmerksamkeit verdienen: „Kräftiget Euch in der Gotteslehre und in den Worten der Weisen, und neiget Euer Ohr allen Worten der heiligen, belehrenden Schriften. Eure Frauen und Töchter sollen sich der strengsten Keuschheit befleißigen und die verderbliche Romanlitteratur nicht kultiviren. Sie sollen jüdischreligiöse Schriften lesen in der Sprache, welche sie verstehen, wie zum Beispiel ,T»cn muo nrn Teuischchümesch und bergt.. Eure Kinder sollen auch nicht tanzen lernen, ich bedauere die Kinder, die noch Geld dafür geben. Sobald es die Landesgesetze gestatten, sollt Ihr Eure Kinder verheirathen, dabei' aber weder auf Vermögen, noch auf Schönheit, sondern auf wahre Gottesfurcht Werth legen. In geschäftlicher Beziehung ist nur der redliche Mann wahrhaft gesegnet. Stets nachsichtig sein in Geldsachen. Jede derartige Streitsache soll rat Wege des m n jn geschlichtet werden oder durch Freunde. Nur nicht die weltlichen Gerichte behelligen. Jeden Ausgleich sollt Ihr einem Prozeß vorziehen. Es gibt keine Sache, die das beschlossene strenge Recht so mildern kann, wie die Wohlthätigkeit. Ihr sollt freigebig sein, Thoragelehrte unterstützen und Euch ihnen anschließen. Ihr sollt alljährlich den Reingewinn Eurer Geschäfte und die geübte Wohlkhätigkeit verzeichnen und genaue Rechnung führen, ob Ihr zumindest den Zehent an Zedakah gespendet habet, damit kein Raub an Euren Händen klebe. Ihr sollt arme Hilfsbedürftige freundlich aufnehmen und Heil Euch, wenn Ihr diese große Tugend übet. Gott behüte es, daß Ihr unsanft oder hartherzig den Armen begegnet. Vor dem Morgengebet sollt Ihr schon einige Münzen spenden und Eure Frauen sollen das gleiche bei der Chalahebe thun. Ihr sollt Thoragelehrte ehren, wenn sie gottesfürchtig sind. Selbst in dem Falle, wenn Ihr mehr Thorakenntnisse besitzest, sollt Ihr doch andere Schriftgelehrte ehren. Viel mehr sollt Ihr aber ehren den Rabbiner Cures Ortes, wenn er auch kein großer Thoragelehrter ist. Wenn er nur gottesfürchtig ist, sollt Ihr ihn ehrfürchten und Euch vor ihm demüthigen. Dadurch wird seine Autorität in der Gemeinde gestärkt und man beherzigt seine religiösen Mahnungen. Ach, Une diele fromme Gemeinden wurden dem Abfalle preisgegeben, weil in ihnen die Thoragelehrten den Orisrabbiner geringschätzig behandelten. Der Abfall siegte und in den Rabbinatsstühlcn der frommen Rabbiner sitzen notorische Gesetzesleugner. Werdet Ihr selbst Rabbiner sein, sollet Ihr auch arme Thoragelehrte in Ehren halten. Man soll von Euch nicht sagen, daß Ihr die Reichen vorziehet, denn nur die Thora leidet darunter. In den Kanzelvorträgen sollen Eure Zurechtweisungen allgemein gehalten sein. Doch im Nothfalle. wenn Ihr beobachtet, daß Jemand hochmüthig und mit Leidenschaft böse handelt, dann sollt Ihr mit heiligem Eifer gegen ihn auftreten. Ihr sollt nur die edle Gesinnung hvben. andere von Sünde abzuhalten. Auf Geschenke sollt Ihr gewiß kein Gewicht legen. An Sabbaten und Festtagen sollt Ihr religiöse Belehrungen in agadischer Einkleidung ertheilen, um die jüdischen Herzen für Gott zu gewinnen. Wer Viele zu religiösen That'en anregt, der verdient große Belohnung. Wenn meine hinterlaffenen Schriften durch den Druck veröffentlicht werden, sollet Ihr zumindest hundert Exemplare an arme Schrifkgelehrtc vertheilen." In den weiteren drei Zusätzen nimmt der edle Mann Abschied von den Gemeinden, in denen er mehrere Jahrzehnte eine wahrhaft segensreiche Wirksamkeit entfaltete. Die Chewrah-Kadischa wird ersucht, nicht zu vergessen, daß man seinen ganzen Körper mit möglichst viel Erde aus dem heiligen Lande bedecke. Das Schlußwort ist an die Halascher Gemeinde, wo der Verblichene dreißig Jahre amtirte, gerichtet, und lautet wie folgt: „Sowohl im Gotteshause, wo der Almemor in der Mitte und die Frauengallerie mit einem Gitter versehen ist, als auch in den übrigen religiösen Einrichtungen sollen keine Aenderungen vorgenommen werden. Ach, wieviele Thränen habe ich vergossen, bis die Gottessache zur Geltung kam. Möge es ewig so bleiben!" Die Ausstattung des Werkes ist eine recht gefällige und der Preis verhältnißmäßig sehr gering. 1 K. 60 Heller. Möge der Herausgeber: Oberrabbiner S z o - s e r in Patsch, durch größeren Absatz ermuthigt werden, die übrigen Merke seines Vaters, sowie die Fortsetzung seines eigenen ras rp^ recht bald drucken zu lassen. -—. Apologetik. Die Lcirhcnvcrbrcnnnng bom Standpunkte deS JndenthnnrS. Ein Vortrag von Dr. Jfak Unna, Rabbiner in Mannheim. 29 S. Verlag von I. Kauffmann. Preis 60 Pfg. Die Anhänger der Feuerbestattung sind unermüdlich. Erst jüngst ist wieder in Mainz ein neues Krematorium eröffnet worden. Alljährlich kehrt im Landtage der Antrag wieder, die Leichenverbrennung fakultativ zu gestalten, und wenn er auch bisher an der Abneigung der Konservativen und des Zentrums, sowie an der Festigkeit der Regierung gescheitert ist, so ist doch die Befürchtung nicht von der Hand zu weisen, daß eine konsequente Agitation hier mit der Zeit durchdringen wird. Leider gehen diese Bestrebungen vielfach von jüdischen Kreisen aus. Ja sogar der „Deutsch-Israelit.

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