Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 37 (14.5.1903)
- Date
- 1903-05-14
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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Hentrak-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. 14. Mai 1903.] MkklltMk HkilKKk |)t JVs 36. [91». 2. TaLmudifche LiLLeratur. i»d von juune nncsm rwn bbi3 .misp nxVö ^■3» *i£3o |kcc3i -rix^rr rr.o nVan Der Name des Pakscher Oberrabbiners ist seit Jahrzehnten in der Gelehrtenwelt Sot” mrcn *?3e rühmlichst bekannt. Seine talmudischen und agadischen Werke erfreuen sich der weitesten Verbreitung und größten Beliebtheit. Auch dieses exegetisch-homiletische Werk war bereits im Jahre 1872 erschienen und wegen seines gediegenen Inhaltes vollständig vergriffen. Der Verfasser s. A. hat noch bei seinen Lebzeiten eine zweite Auflage veranstaltet: doch nur seinem gelehrten Sohn und Nachfolger war es beschicken, den Druck vollenden zu lassen. Diese zweite Auflage wurde auch durch zahlreiche Beiträge aus dem reichen Thoraschatze des Verfassers vielfach erweitert. Rabbiner, Prediger und Freunde von herrlichein w.nuv werden den tiefgründigen Geist, die nen-ip und die Weltkenniniß dieses \'s: in bewundern und zur weiteren Belehrung sich angeregt fühlen. Das Sefer enthält Vorträge für die ausgezeichneten Sabbate und Festtage des Jahres. Eine Spezialität bilden die zahlreichen vmvvn, die der edle Verfasser mit seltener Meisterschaft beherrschte und behandelte. In dem Vorworte finden sich die letztwilligen Anordnungen des Verfassers, die er selbst zu wiederholten Malen ergänzte. Diese gestatten einen tieferen Einblick in den Gesinnungsadel und das rrpis dieses großen Mannes. Wir wollen einige markante Stellen, die allgemeine Beherzigung verdienen, hier reproduziren. Im Alter von 27 Jahren schreibt er unter anderem: „Ich bin noch sehr jung, fürchte aber und zage, wenn ich mich daran erinnere, wie viel Zeit ich ohne Thora und Aboda verlebte. Wenn ich auch gelernt habe, wer weiß, ob cs auch rein ew Lvtz geschah, ob ich keinen Nebenzweck dabei verfolgte. Wie viele Nächte widmete ich der üppigen Ruhe und ließ mir keinen Schlaf abgehen. Und nun erst die Sünden meiner Jugend! Nur eines kann mich trösten, daß Wohlgefallen hat an der Reue und die Sünden verzeiht. Ich will auch nicht aufhören, zu weinen und zu beten. daß der Allmächtige mich stütze, daß ich zu den wahrhaft Frommen gezahlt werde, die ein heiliges Leben führen und mit nwb mn sich beschäftigen; denn das > Lernen der Thora geht über Alles. Auch hoffe ich, daß der religiöse Lebenswandel meiner Kinder, Sühne für meine Sünden bewirken wird. Doch ist nicht das Thoralernen an und für sich die Hauptsache, denn ohne.. Gottesfurcht hat auch die Thora keinen Werth. Der Zweck des Thoralernens ist kein anderer, als die praktische Verwirklichung der Mizworh-hatorah. Wehe den Menschen, die Thora lernen und keine Gottesfurcht haben; sie entweihen nur den Namen Gottes. Vesser wäre es, wenn sie gar nicht gelernt hätten; sie hätten wenigstens den Namen Gottes nicht entweiht. Bei diesen Thoragelehrten ist auch eine kleine Sünde von großer Tragweite, denn sie verführen andere zur Sünde. Auch nicht der Scharfsinn und die Belesenheit in der Thora führen zur Selbstläuterung, sondern ausschließlich die Gottesfurcht und der religiöse Lebenswandel. Ich rathe Euch, meine Geliebten, täglich Mischnajoth zu lernen, denn dadurch werdet Ihr kn wenigen Jahren in den Disziplinen der ganzen Thora bekannt sein. Auch sollt Ihr täglich ein Blatt. Gemara mit den Kommentaren '"sn und »"ki lernen, doch nur klar und gründlich, ohne Abschweifungen zu Trugschlüssen. Was nützt auch, die Belesenheit, wenn man nicht logisch und gründlich Nach alter, bewährter Methode die Worte der Weisen erfassen kann. Auch schaffe Dir einen Freund zum Thoralernen, denn das einsame Studium ist nicht so fruchtbringend. Doch sollst Du in der Wahl eines Thorafreundes sehr vorsichtig sein, insbesondere ob dieser Mann auch gottesfürchtig ist, denn gar Viele haben sich durch schlechte Freunde Unglück zugezogen. Besser ist einsam in der Wüste zu leben, als in Gesellschaft schlechter Freunde." Fünf Jahre später schrieb dieser Zadik einen Zusatz zu diesen Mahnungen, der mit folgenden Worten schließt: „Ich bitte Jedermann um Verzeihung, Män-. ner. Frauen und Kinder, wenn ich mich je gegen siedergongen habe, sowohl öffentlich oder im Geheimen, oder °> in meinen Zurechtweisungen. Schonet meine Seele, ich verzeihe auch Jedem, der gegen mich gesündigt hat.- Niemals bin ich mit wirklichem Haß zu Bett gegangen.