Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 37 (14.5.1903)
- Date
- 1903-05-14
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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44» Jahrgang. zu ßt 37 des „Israelit". S".. g" _!L- —^mm Sünifüdc NDrlilhWtt iinii ihre rituelle Von Dr. P. Mn»;, (Nürnberg), . Badearzt in Bad Kifsingen. III. Nicht unerwähnt dürfen an dieser Stelle jene zahlreichen Milchpräparate bleiben, welche auch hier und oa in der Ernährung Erwachsener Verwendung finden und den rituellen Standpunkt der obengenannten Nährmittel theilen. Es sei an dieser Stelle gleich erwähnt, datz für Säuglinge und junge Kinder die religiösen Bestimmungen nicht gelten; ihnen ist zum Genüsse alles das gestattet, was ihnen gerade bekömmlich ist. In die Gruppe dieser Milchpräparate gehören Biedert's Nahmgemenge, Gärtner's Fettmilch, Voltmer's Muttermilch, welche überdies mit einem thier'ischen Organe, der Bauchspeicheldrüse, verarbeitet ist, Backhaus' Milch, welche den Zusatz von Labferment aus Trypsin gewonnen wird, Theinhardt's Nahrung, Rieth's Albumosenmilch, welche Hühnereiweiß enthält. Zu der Kategorie der Milchpräparate gehören auch die diätetischen Heilmittel, Molken, Kefir, Kumys, welche sich bei gewissen Erkrankungen großer Beliebtheit erfreuen, da sie neben ihrer Bedeutung eines Heilmittels auch die Bedeutung eines Nahrungsmittels haben. Der Nährwerth der Molken ist zwar kein sehr hoher, da sie bei der Zubereitung die eigentlichen Närstoffe der Milch. Fett und Käse (CastUn). wohl vollständig eingebüßt haben und fast ausschließlich die wässrigen Bestandteile, sowie die Salze der Milch enthalten. Dafür aber bilden die Molken ein um so kräftigeres Mittel zur Anregung des Stoffwechsels und finden bei chronischen Erkrankungen der Lunge und der Leber, bei Gicht, bei chronischen Verstopfungen, geeignete Verwendung. Wenn die Entfernung der festen Vestandtheile aus der Milch nicht ■ durch Zusatz des Labmagensaftes rituell unzulässiger Thiere, sondern durch die Methode der plötzlichen Erwärmung der Milch oder durch Hinzusügen von .Kohlenpulver, Alaun oder Tamarinden, Mehl, Zucker oder Säuren zur erwärmten Milch erreicht wird, dann steht vom religiösen Standpunkte dem Genüsse der Molken nichts im Wege, sofern für den Ursprung der Milch genügende Garantieen geboten sind. Den Molken in ihrer Wirkung sehr -nahe, stehen dje beiden anderen erwähnten Milchpräparate, Kefir und Kumys; freilich überragen sie durch ihren Gehalt an Fett und Eiweiß die Molken an Nährnrerth. Der echte Kumys, auch Weinmilch genannt, stellt ein aus der Milch der kaukasischen Steppenstuten bereitetes uttd in alkoholische Gährung Lbergegangenes Getränk dar, welches, weil aus Stutenmilch gewonnen, religionsgesetzlich dem Genüsse entzogen ist. Gleich dem Kumys ist der Kefir ein alkoholisches Gährungsprodukt, welches aber aus der Kuhmilch durch Zusatz der Gährungspilze, der erbsengroßen, hellgelblichen 'Kefirkörner, erzeugt wird. Mit Hilfe dieser Körner kann.darum in jedem Haushalte Kefir auf eine Weise, die den rituellen Vorschriften entspricht, gewonnen werden.*) Der Kefir schmeckt angenehm säuerlich wie Buttermilch, mouffirt sehr stark und wirkt, in größeren Mengen genossen, durch seinen Alkoholgehalt berauschend. Als diätetisches Heilmittel wird der Kefir ganz ebenso wie der Kumys bei einer Reihe von Krankheiten mit gutem Erfolge angewandt; besonders gerühmt tckird seine Wirkung bei Lungenschwindsucht, bei chronischen Vronchialkartarrhen, bei Zuckerharnruhr, bei Blutarmuth, bei leichten chronischen Magen- und Darmkartarrhen, zumal stets dann, wenn es daraus ankommt, den Stoffwechsel anzuregen und Fettansatz zu erzielen. Gleich den obengenannten Nährpräparaten, welche von thierischen Produkten stammen und darum entweder zur Gruppe der Fleisch- oder Milchnahrung gehören, spielen auch die aus pflanzlichen Stoffen gewonnenen Nährmittel in der Krankendiät sowie in der Ernährung Gesunder eine hervorragende Rolle. In einem The'ile dieser Nährmittel gelangen die Hauptbestandtbeile der Pflanzen, die Kohlehydrate, in einer leichter löslichen Form zur Verwerthung. indem sie sich entweder in fein gemahlenem Zustande befinden, oder indem die Stärke in Dextrin übergeführt wurde; in einem anderen Theile dieser Präparate sind die Eiweißstoffe aus den Pflanzenzellen getrennt und rein dargcstellt. Zu denjenigen Präparaten, welche neben Eiweiß in erster Linie die Kohlehydrate (Stärke, Mehl) in einer leichter verdaulichen Form enthalten, gehören die aus Hafer, Gerste, Mais, Reis, Erbsen, Bohnen, Linsen dargestellten Nährmehle, welche eben dadurch ihren Werth erlangt haben, daß sie sich, in fein zermahlenem Zustande befinden und die unverdaulichen Holzfasern (Cellulose) ausgeschieden haben. In dieser Beziehung erfreuen sich einer großen Beliebtheit die Präparate von Knorr, Kufeke, Rademann. W'cibezahn, Hartensteins präparirte Leguminose (Erbsenmehle), ferner ^Maizena *) Tie Art der Grwiiinniiq wird genauer beschrieben S. 70 im ..Handbmb der Ernäbrunq für WiTutibc und Magenkranke mit besonderer Berücksichtigung der jüdischen Lpeiseaeictze" von Dr. V. Münz. Badearzt in Bad .Nissingcn. Verlag ^of). Wirth'sche Hosbuchdruckerci A.-G. in Mainz.