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Der Israelit · 1903-05-14 · Heft 37 (14.5.1903) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 37 (14.5.1903)
Date
1903-05-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
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' I!{ '! I : l i \ , 824 < die weite blaue Ferne schauen konnte. Auf diesem Rasen saßen an einem Nachmittag Tirzah und Jehudüh. ' Tirzah hatte ein Buch in der Hand, aus dem sie .Jehudah lehrte, sowie eine schwarze Schiefertafel, auf die sie gar zierliche Figuren malte. Sie war doch noch ein rechtes Kind, wie sie so d'asaß, trotz ihrer 16 Jahre. Offene Heiterkeit und sonnigen Frohsinn strahlte ihr Gesicht. Gar neckisch flog ihr großes Auge auf den andern hin, wenn er seine groben Stöße beim Lernen gegen alle Regeln machte. Wie eine zarte Blume schien sie, deren Kelch sich erst eben dem Kusse des Frühlings geöffnet, und die voll Neugierde die Welt beschaut mit ihrer Sonne, ihrem Sturm und Regen. Ein schweres Wort schien ihr Schüler vor sich zu haben, mit dem er gar nicht fertig werden wollte. „Wie heißt die erste Silbe," rief sie und faltete drohend die Stirne. „Se... Se. . ." stotterte Jehudah. „Falsch," sprach sie, „Du verwechselst ja das Wow mit einem Sajid. Also noch einmal!" „We ... dij . . . Dü .. „Schon wieder falsch," zürnte sie und strich sich die Locken zurück, „jetzt verwechselst Du ja wieder das Daleth mit einem Resch. Merk Dir's doch einmal! Das Runde ist ein Nesck und das Eckige ist ein Daleth." „We... Lij... Ru... Scha... La.. Jim," buchstavirte Jchuda und ließ nach dem langen Wort erschöpft die Stimme sinken. Tirzah klatschte vor Vergnügen in die Hände. „Siehst DU. wie Du kannst," rief sie fröhlich, „Du wachst die größten Fortschritte. Fahr' nur so fort. Wenn mein Vater, so Gott will, zurück kehren wird, soll er feine Freude hab'en." „Welijruschllajim." wiederholte Jehudah, „was heißt denn dieses große Wort?" „Höre." sprach sie im pedantischsten Schulmeistertene, „we heißt und; was heißt we?" „Und." sprach gehorsam Jehudah. „Li heißt nach," fuhr sie fort, „also heißt weli?" „Und nach." „Richtig. Nun kommt die Hauptsache: Jeruschalajim. O Wey, ich habe vergessen. Wie dies Wort bei den Leuten heißt, bei denen Du früher warst. Sie kennen es wohl überhaupt nicht. Wehe dem Schüler, dessen Lehrer nichts weiß. Was thue ich da? Doch halt," fuhr sie fort, und ihr strahlendes Gesicht wurde um einen Stich ernster, „den Sinn des Wortes will ich Dir erklären. Weißt Du, wie das ist, wenn einem etwas das Aller-Allertheuerste ist. nach dem man sich mit dem ganzen warmen Herzen sehnt, das einem in der Brust schlägt, das man so heiß, so innig liebt, daß man hin möchte, täglich, stündlich, ja in jeder Minute? Nickt wahr. Du weißt es nicht?" „Ich weiß," sprach Jehudah und wandte sich weg. „Nun denn," rief sie, „das ist Jerufchalajim, und daß meine Sehnsucht gestillt werde, darum flehe ich des Tages häufig zu Gott, und einmal wird Er's erhören." „So ist," sprach Jehuda, das brennend rothe Antlitz scheu zu ihr hebend, „so ist," sprach er, innerlich von tiefem Weh erbebend, „Jerufchalajim Dein künftiger Mann?" (Fortsetzung folgt.) Berichtigung. In einem Tkell der Auflaoe unserer jünasten Montags- Nummer, hat sick bei Abdruck des Wochenkalcnders ein Fehler eingeschlichen, Es soll Herren: Freilag, den 15. Mai tdijo Der ..Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Sloutng« nnd Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend hoher. Man abonmrt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel vrrbrbvl durch V. A. Slernacker, Driprig. Vohplah jö. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene. Nonpareillezeile oder deren Raum. Preis der Zelle im Reclametheil 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen österr.. für's Ausland 16 Mark, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3932. Telephon 1015. Stellesuchende und sonstige Interessenten können auf Wunsch die jeden Dienstag und Freitag erscheinende „Kleine AnSgabe deS JSraelit" vier Wochen lang gratis und franco erhalten. Wünscht man den Empfang der „Kleinen Ausgabe" längere Zeit, so kann man sich für 25 Pfennige das Vierteljahr, indeß ausschließlich bei der Post auf dieselbe unter Rr. 3933 abonniren. Auf Wunsch stunden wir die Zahlung deS ZnferttonöbetragS an außer Stelle Befindliche bis nach Erlangung einer solchen. Inhalt tSauvtblatt):2as Geschenk^eineS Jubllars., — Zeitüngsnachrilüten und Corretoondenzen-. Deutschland: Main.'.. Berlin. m' A “ ..4 ~~ .. ‘” -v- --*■ " ' " ' ' .({fortidmna-i Corcespondenzen: ....... . _ _____ _ ... ___ vuiiimu: 4»uuu. — MDrrmimii ’jmirimirn iiFnt«*%«<*wV+ Belletristische Beilage: Der Jude. (Fortsetzung.) Literarisch« Beilage. Lierantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Mainz. — Ervedition des .JSraelit". Schottstraste Nr. 2. Mainz. . Druck imb Verlag der J.ob. Wirtd'scheu Hnfduchdrulkerei ActieN'lZescllschaft in Mainz. Hierzu drei Beilagen.!! ■ ■ . I ' .. ■

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