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Der Israelit · 1903-05-14 · Heft 37 (14.5.1903) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 37 (14.5.1903)
Date
1903-05-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Stuttgart, 10. Mai. Die Pflanzenbutker-Fabrikation von Joh. Martin Wizemann in Obertürkheim bei Stuttgart steht schon über zehn Jahre weder unter Aufsicht des Raböinats, noch unter der der zwei Cantoren GuNdelfinger und Tannenbaum. Sie steht auch jetzt weder unter meiner, noch unter ihrer Aufsicht. Die von dieser Firma einer Sendung Pflanzenbutter etwa beigelegde, in hebräischen Schriftzeichen gedruckte Bescheinigung der beiden Cantoren wie des verewigten von Wassermann über die rituelle Zuverlässigkeit der Fabrikation hat, mit Rücksicht auf das vor zehn Jahren erfolgte Ableben des Letzteren keinen Werth und wird ohne Wissen der beiden Cantoren verwendet. Das Stadtrabbinat: . Kroner. Ahlem bei Hannover. Dem Bericht über die „Jsr. Erziehungsanstalt zu Ahlem bei Hannover" für das Jahr 1902 entnehmen wir: Aus der Schüler-Abth'eilung (Kinder bis zu etwa 24 Jahren) wurden seit Bestehen der Anstalt 63 Zöglinge entlassen. Sie ergriffen folgende Berufe: 23 Gärtner und Landwirth'e, 24 Handwerker der verschiedensten Art, 13 Kaufkeuie, 3 Lehrer. Seit der Abfassung des vorigen Berichtes haben 16 Lehrlinge ihre Lehrzeit beendet. Es sind somit im ganzen bislang 81 Lehrlinge, und zwar 79 Gärtner und 2 Tischler, ausizebikdet. Bon ihnen befinden sich in Thätigkeit 46 Gärtner und 2 Tischler. Im Durchschnitt befanden sich während des Jahres 1902 83 Zöglinge in der Knabenanstalt gegen 78 im Jahre 1901 und 75 im Jahre 1902. Das Mädchenhaus wurde Anfang Dezember 1902 eröffnet und zählte bei Abfassung dieses Berichtes — März 1903 — 23 Zöglinge. JnsgesaMmt wurdenvereinnahmt Mk. 16,000. Die jährlichen Beiträge beliefen sich auf rund 17,300 Mark. Die Gärtnerei lieferte einen Reinertrag von rund 4000 Mk.; das Ergebniß würde günstiger gewesen sein, wenn nicht die bekannte überaus schlechte Witterung des Sommers 1902 die Nothwendigkeit erheblicher Reparaturen an Oekonomiegebäuden und eine Mehrausgabe für Gehälter ungünstig gewirkt hätten. Aus der Bäckerei konnten wir einen Reinertrag von rund 1800 in Einnahme bringen. Die Gesam'mtaufwendungen einschließlich des Baues und der Einrichtung des Mädchenhauses und der neuen Nebengebäude betrugen Mk. 195,000. Zur Deckung derselben standen uns zur Verfügung: 90,000 Mark aus Geschenken für den Bau des Mädchenhauses, 10,000 Mk. aus den wirthschaftlichen Betrieben der Anstalt, 3000 Mk. aus den Spenden. 39,000 Mk. aus der ersten Anleihe und dem Betriebsfonds, sodaß noch ein Fehlbetrag von 33,000 Mk. verblieb. Da wir nun außerdem noch ein Schulhaus mit Betsüal und eine Turnhalle erbauen müssen, haben wir uns auf's neue mit der „I. C. A." in Verbindung gesetzt, um von ihr ein weiteres Darlehen zu erhalten. Der Verwaltungsrath der „I. C.. 21." hat uns, in Anerkennung der Thätigkeit der Anstalt, unter den alten Bedingungen, d. h. 1 pCt. Verzinsung und IV* pCt. Amortisation, ein neues hypothekarisches Darlehen, von 100,000 Mk. gewährt und daran nur die Bedingung geknüpft, daß wir auf sein Verlangen vier Mädchen kostenfrei aufzunehmen haben; hierauf sind wir eingegangen. Die Anstalt ist der „I. C. A." für dieses neue Entgegenkommen zu großem Dank verpflichtet. Der Sorge für die Beschaffung der Baugelder wären wir nun allerdings zunächst enthoben, dafür haben wir aber von jetzt ab außer den Unterhaltungskosten für die Knaben auch die Kosten für den Unterhalt der Mädchen zu beschaffen. Die Zahl unserer Freunde hat sich von Jahr zu Jahr vermehrt; wir hoffen, daß sich, namentlich für 'das Mädch'enhaus, auch in Zukunft zahlreiche GLNner finden werden, und wir bitten jeden unserer Freunde, insbesondere die verehrten Damen, unter ihren Bekannten neue Freunde zu werben. Von Anfang.an war es unser Wunsch, Freistellen, für unsere Zöglinge zu schaffen, .sobald die finanzielle Lage es gestatte. Um dies thunlichst bald zu ermöglichen, haben wir beschlossen, von jetzt ab Freunden, welche 6000 Mk. einzahlen, die Berechtigung zu gewähren, während ihrer Lebenszeit einen Freizögling zu bestimmen. Diejenigen, welche 10,000 Mk. spenden, erhalten ein solches Recht für sich und ihrd Erben. Diese Gelder sollen aus besonderen Konten unter den^ Namen der Spender oder einer anderen von diesen zu bestimmenden Person gebucht und in den Jahresrechnungen besonders aufgeführt werden. Oesterreich. Wien. Die „Israelitische Allianz zu Wien" hielt dieser Tage ihre General-Versammlung ab, die eine sehr rege Theilnahme aufivies; es hatten sich mehr als hundert Mitglieder des Vereins eingefunden. Präsident Herr David. Ritter v. Gutmann eröffnete die Sitzung mit einer kurzen Ansprache. Dem Geschäftsbericht ist zu entnehmen, daß der Verein seit seiner dreißigjährigen Wirksamkeit 3,284,210 Kr. für Hilfsactionen und an Subventionen ausgegeben hat, und daß das Gebahrungs-Defizit des abgelaufenen Jahres 26,166 Kr. beträgt. Dem jüngst verstorbenen Professor Dr. M. Lazarus ist in dem Berichte ein sehr warmer Nachruf gewidmet. Bezüglich der rumänischen Emigrationsbewe'gung ist konstaiirt, daß im Jahre 1902 2835 Personen (gegen 2647 im Vorjahre) nach Amerika befördert und 396 wieder in die Heimath zurückbefördert wurden (gegen 871 im Vorjahre). Der' Thätigkeitsbericht des Vereins beschäftigt sich vornehmlich mit den Judenverfolgungen in Rumänien, und be-

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